Moyas Buchgewimmel

Phantastik, Science Fiction und das echte Leben.

Die Chronik der Daheimgebliebenen

 

Umbau bei Moyas BuchgewimmelWährend sich in der letzten Woche der Rest der (Buch-)Welt auf der LBM amüsierte bin ich zuhause geblieben und habe versucht meinen Berg an To-Do’s abzuarbeiten. Es ist erstaunlich wie viele Kleinigkeiten sich so mir nichts dir nichts spontan auftürmen können. Das meiste davon war Arbeitskram, anderes eher ein Unfall – wie die Überarbeitung des Buchgewimmels. Zuerst wollte ich nur mal eben größere und schicker eingebundene Artikelgrafiken freischalten. Dafür musste ich dann bloß ca. 200 neue Bilder erstellen und austauschen, weil meine leichtfertige Idee selbstverständlich einen ganzen Rattenschwanz an mini-Problemen hinter sich herzog. Während ich da so machte und tat kamen immer wieder ein paar ärgerliche Sachen dazu, die mir an dem Theme schon seit einer ganzen Weile auf die Nerven gingen. Ich fand es zwar äußerlich schön, aber unter der Haube war von Anfang an eine Menge Murks drin der ständig irgendwelche Notlösungen und drumherum CSSen erforderte. Ganz schlecht, wenn man mal etwas grundsätzliches ändern will und dann auf einmal 400 Seiten einzeln anpassen muss. Als ich wieder einmal kurz davor war in die Tischkante zu beißen, habe ich dann beschlossen, dass ein neues Theme her muss. Gesagt getan …

 

Neues Theme hieß, auf einmal ist alles irgendwie anders und schicker. Da passt plötzlich das Logo auch nicht mehr und eigentlich war das ja damals eh nur ein Schnellschuss, weil ich den Blog recht kurzfristig in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Boden gestampft hatte. Mit dem neuen Logo bin ich mir jetzt aber auch noch nicht sicher, das muss vielleicht erst einmal ein paar Tage sacken. Gut möglich, dass sich das nochmal ändert.

 

Da ich sehr viele (fast nur) englischsprachige Bücher lese und rezensiere habe ich auch endlich ein Übersetzungstool auf der Seite eingebaut – sieht man unten rechts, das orangen Feld. So können Besucher, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, nun auch lesen was ich über das Buch zu sagen habe. Die Engine dahinter bedient sich Google Translate. Das ist nicht unbedingt perfekt, aber schon ziemlich gut in ihren Übersetzungsvorschlägen und auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man auch internationalen Besuchern eine Chance geben möchte.

 

Die »Über Mich« Seite hat noch mal ein paar Ergänzungen bekommen und einen Absatz zum Thema Sterne-Wertung, und wer es noch nicht mitbekommen hat: Eine Seite zu meinen (Buch-)Veröffentlichungen gibt es nun auch. Im Moment steht da zwar nur BRÏN, aber die Liste wird in den nächsten Jahren sicher noch wachsen. Schließlich sitze ich schon am zweiten Roman und ich plane auch noch eine Sammlung von Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Da weiß ich aber noch nicht genau ob es besser ist sie in einer Anthologie zusammenzufassen oder doch lieber als einzelne eBooks? Darüber muss ich mal gründlicher nachdenken, wenn ich wieder ein wenig mehr Luft habe.

 

Ach ja, seit Montag hat das Buchgewimmel auch einen eigenen Instagram Account, denn ich verspüre in letzter Zeit den Drang Bilder von Büchern zu machen. Mal schauen ob der irgendwann so schön und voll wird wie ein paar der Feeds denen ich folge, wie z.B. Books Are Alive oder Mystical Worlds. Im Moment ist mein Ziel erstmal jeden Tag ein Foto zu schaffen und dabei meine Gestaltungslinie finden.

 

Jetzt muss ich noch den Gastartikel zum Thema »Diversity in Science Fiction & Fantasy« fertigbekommen, zu dem ich von Booklikes eingeladen wurde. Wenn der geschafft ist bin ich wieder halbwegs auf Kurs. Zumindest solange bis die nächste Flutwelle eine Ladung To-Do’s anspült.

 

Bevor ich im nächsten Jahr wieder irgendwas zerschieße und in einen neuen Umbauwahn verfalle, fahre ich dann aber vielleicht doch lieber zur LBM. Ehem.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/die-chronik-der-daheimgebliebenen

Nicht perfekt, aber unterhaltsam

The Northern Heart - Sasha L. Miller

The Northern Heart ist der zweite Teil einer klassischen Fantasyreihe. Elfen, Magie, ein Fluch und ein alter Konflikt treffen in einem mittelalterlich anmutenden Szenario aufeinander. Die zugrundeliegende Handlung ist einfach aufgebaut, bietet aber nette Unterhaltung. Vor allem die Dynamik zwischen Pearce und Emmerich ist es, die einen neugierig auf den Fortgang der Geschichte macht.

 

Das Wichtigste vorweg: Ich hätte dem Buch gerne 4 Sterne gegeben, weil es eine durchaus solide und unterhaltsame Basis hat. Was es für mich aber dann letztlich doch etwas verdorben hat, waren die vielen textlichen Fehler. Wortwiederholungen, Satzwiederholungen, inhaltliche Wiederholungen. Sprachlich hätte man mit einem halbwegs ordentlichen Lektorat locker noch einen Stern herausholen können. Leider scheint der Verlag das generell nicht anzubieten, denn ähnliche Probleme habe ich auch schon bei anderen Büchern dieses Verlagsteams gefunden. Sehr schade.
Auch der Weltenbau kommt etwas kurz. Oft hatte ich das Gefühl, die gesamte Handlung spielt sich auf drei Quadratmetern ab, mit kurzen Ausflügen in ein anderes drei-Quadratmeter Zimmer.

 

Warum hat mir das Buch trotzdem gute Unterhaltung geboten? Weil es eine zwar einfache, aber auch leicht wegzulesende Geschichte ist mit einer süßen Romanze zwischen Pearce und Emmerich. Man erlebt The Northern Heart aus wechselnden Perspektiven der beiden Hauptcharaktere, was es einem als LeserIn ermöglicht in die Köpfe und jeweiligen Sorgen und Ängste der beiden Figuren vorzudringen. Dadurch lässt sich leichter nachvollziehen, wie es zu bestimmten Missverständnissen zwischen beiden kommt, weshalb sie diese oder jene Hemmung davor haben ein bestimmtes Thema mit dem anderen anzusprechen. Man ist also gewissermaßen in einer allwissenden Position als Leser, während die Figuren durch ihr Halbwissen lange im Dunkeln tappen. Man beobachtet, wie die beiden Männer unbewusst umeinander herumschleichen und lauert darauf, dass sie endlich die Wahrheit erkennen.


Man ahnt es also schon: Natürlich werden sich Emmerich und Pearce im Laufe des Romans kriegen, der Weg dahin ist aber mit einigen Hürden gepflastert, die auch ihrer eigenen Unsicherheit geschuldet sind. Ich für meinen Teil war neugierig auf den Moment, da es endlich Klick bei ihnen macht.

 

Interessant fand ich auch das Magiesystem. Ich habe es nicht vollständig verstanden, was auch damit zusammenhängen könnte, dass ich unbewusst zum zweiten Teil einer Buchreihe gegriffen habe. Vieles erschloss sich im Laufe des Textes dennoch und die Szenen, in denen Magie gewirkt wurde, fand ich sehr plastisch und lebendig. Da die Hauptfiguren des Vorgängerromans außerdem andere waren glaube ich nicht in der Hinsicht zu vieles verpasst zu haben. Der Neugier halber werde ich mir den ersten Teil aber auch noch zu Gemüte führen.

 

Was ich auf jeden Fall positiv fand ist die Tatsache, dass wir hier trotz mittelalterlichem Setting keine Vorurteile gegenüber Homosexualität finden. Pearces Vater geht sogar soweit, dass er seinem Sohn eine Scheinehe mit Emmerich aufdrücken will, weil das in der Öffentlichkeit verschiedene Probleme bezüglich Emmerichs Magiefähigkeit erklären würde – es ist normalerweise nur der Königsfamilie und ihren Ehepartnern möglich Magie auszuüben, da man dazu ein besonderes Artefakt braucht (Juwele die als Herzen bezeichnet werden).


Auch die wenigen, aber recht ausführlichen Sexszenen zwingen einem kein Augenrollen auf. Die gemeinsamen Momente machen einen liebevollen Eindruck. Der Konflikt zwischen Menschen und Elfen und Emmerichs Trancewanderungen sorgen aber ohnehin dafür, dass man nicht in einer schnulzigen Dauerschleife gefangen ist, sondern auch mal Gefangene macht oder wackelige Allianzen mit einer eigentlich verfeindeten Fraktion eingeht.

Kurzum: The Northern Heart ist keine wahnsinnig innovative Erzählung, aber sie hat all die essentiellen Bestandteile einer klassischen Fantasyqueste mit einer warmherzigen Romanze. Irgendwie schafft es das Buch – trotz seiner sparsamen Beschreibung von Äußerlichkeiten bei Welt und Figur – eine unterhaltsame Lesezeit zu bescheren. Auch wenn es äußerlich nicht perfekt ist, kann ich das Buch empfehlen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/n/the-northern-heart

Von Kapiteln, Titeln & Überschriften

Autorenwispern

Ich weiß ja nicht so recht wie es in dieser Frage auf dem deutschen Buchmarkt genau aussieht, da ich seit Jahren fast nur noch englischsprachige Bücher lese. Die Rede ist von den Kapitel-Titeln.

Persönlich liebe ich es Bücher zu lesen, bei denen jedes Kapitel seine eigene Überschrift hat. Es scheinen aber nicht mehr sehr viele Autoren zu nutzen. Sie sind wohl irgendwann aus der Mode geraten, die Überschriften zu einem Kapitel. Meine Freundin und Kollegin Maike Claußnitzer hat sie in ihren Werken noch und Gail Carriger – mein nicht ganz so heimliches Idol – benutzt sie sowieso in all ihren Büchern. Neulich hat sie sich selbst Gedanken über die Betitelung von Kapiteln gemacht und erst da wurde mir klar, dass ich mit meiner Schreiberei wohl auch eher zu den Exoten gehöre. Denn auch ich vergebe sie in meinen Romanen mit großer Leidenschaft: die Kapitel-Titel.

Wenn ihr BRÏN lesen solltet – und das macht ihr bestimmt, nicht wahr? – dann werdet ihr dort auf eine ganze Schar von Überschriften treffen, von denen die meisten ein kleines Wortspiel sind oder eine bekannte Formulierung ein klein wenig verdrehen. Für den nerdigen Spaßfaktor, das muss sein. Mir machen diese Titel unheimlich viel Freude und über so manchem habe ich wirklich Stunden gebrütet, bis ich zufrieden war. Innerhalb der vielen Titel habe ich natürlich auch noch meine größeren und kleineren Lieblinge. Dabei ist aber eines immer gleich: Alle Titel geben einen Hinweis darauf, was in dem nun folgenden Kapitel passieren wird. So ähnlich funktionieren letztlich auch Buchtitel, nur dass man sich hier meistens noch wesentlich kürzer fassen muss. Ich liebe es mit der Titelfindung herumzuspielen, vielleicht haben meine Kapitel deswegen alle ihre eigene Überschrift. Damit ihr jetzt aber nicht einfach nur von mir zugeschwafelt werdet, spendiere ich euch hier mal einen bunt gemischten Auszug aus den Kapitelnamen in BRÏN:

 

Ein Mord zum Tee
Das kleine ABC für Aliens
Die Edana auf der Perle
Freunde mit gewissen Abzügen
Sommer, Sonne, Fangzahn

 

Natürlich brauchen nicht nur Kapitel ihre Titel. Allen voran braucht ein Roman erstmal einen Buchtitel. Als ich damals anfing mein Manuskript, bzw. erstmal das Exposé, an die Agenturen zu schicken, sagte mir meine Freundin Simone schon: »Mach dir keinen zu großen Kopf um den Buchtitel, der wird vom Verlag wahrscheinlich eh geändert.« Natürlich habe ich mir trotzdem den Kopf zerbrochen und natürlich wurde der Titel später geändert. It`s madness!

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/von-kapiteln-titeln-und-uberschriften

Roboter, Cyborgs und Bienen: 4 dystopische Kurzgeschichten


Das Clarkesworld Magazine ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, Autoreninterviews und anderen thematisch passenden Beiträgen. In der Ausgabe 125 treffen sich vier neue (neben zwei nachgedruckten) Geschichten verschiedener Autoren, zum Thema dystopische Zukunft.

AssassinsJack Skillingstead and Burt Courtier Bewertung: 4 von 5 Sterne
Sonia ist Programmiererin. Sie arbeitet für die Editoren, die Charaktere für die virtuelle Welt Labyrinthian erschaffen. Zuschauer besuchen diese Welt mithilfe ihrer besonderen Brillen und erleben dort Freundschaften und Beziehungen mit fiktiven Figuren. Doch seit die Editoren Sonias Lieblingscharakter »gestrichen« haben, ist sie nicht mehr dieselbe. In der Rolle ihres Avatars Simone The Slayer rächt sie sich an den Editoren, indem sie die beliebtesten Charaktere der virtuellen Welt ermordet.
Die Grenzen zwischen Realität und virtueller Umgebung sind in dieser Geschichte fließend. Die Menschen stecken eine intensive Zuneigung in fiktive Figuren und manchmal werden sie so große Fans von ihnen, dass sie ihr Äußeres an diese Figuren in der realen Welt angleichen. Spannend ist dabei, dass die emotionalen Auswirkungen über den Tod einer virtuellen Figur, dennoch sehr real und schmerzlich für die Menschen ist, die einen geliebten »Menschen« verlieren.
Eine spannende und lesenswerte Geschichte, die ich als Buchwurm, der sich regelmäßig in fiktive Figuren verliebt oder ihren Tod beweint, mehr als nachempfinden kann.

Prosthetic DaughterNin Harris Bewertung: 2 von 5 Sterne
Mit Prosthetic Daughter hatte ich leider große Schwierigkeiten. Grob betrachtet geht es um Identitätsdiebstahl und zwar einen, der tatsächlich jegliche Erinnerungen an das eigene Ich stielt. Möglich ist es dadurch, dass alle Menschen Cyborgs sind und so eine Art Erinnerungschip im Gehirn haben. Erinnerungen sind also rein digital gespeichert und löscht jemand diese Erinnerung, weiß man absolut nichts mehr über sich, nicht einmal die Familie erinnert sich an einen. Soweit so gut. Was ich nicht verstanden habe ist der Einwurf von Zeitreise-Aufträgen, wobei nie wirklich in der Zeit gereist wird. Dafür springt aber die Handlung immer wieder an verschiedene Momente der Protagonistin, mal vor, mal zurück, aber dann doch in Erinnerungen, obwohl die Erinnerungen ausgelöscht sein sollten. Das ganze wirft mehr Fragen auf, als Antworten geboten werden. Was ist der ominöse Auftrag, der gelegentlich erwähnt wird? Was war nun die ausgebuffte Falle, in die die Identitätsdiebin offenbar munter hineingetappt ist? Was genau hat die Erwähnung von Zeitreisen in dieser Geschichte zu suchen? Ich hatte den Eindruck viele angefangene Ideen zu vor mir zu haben, die auf zu wenig Raum komprimiert werden mussten. Es war mir alles zu bruchstückhaft und es hätte nicht geschadet ein paar »glatte« Übergänge vom einen zum anderen Ereignis zu schaffen und hier und da auch mal eine Antwort zu geben. Schade, denn die Grundidee finde ich eigentlich recht spannend.

How Bees FlySimone Heller Bewertung: 5 von 5 Sterne
Als Fan der Autorin und von post-apokalyptischen Szenarien, hat mich How Bees Fly mit seiner etwas düsteren und dystopischen Stimmung gleich in ihren Bann gezogen. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der nicht menschlichen Salpe, die ihre von kleinauf angelernten Ängste und Vorurteile gegenüber der »Dämonen« auf die Probe gestellt sieht als sie zwei solcher Kreaturen begegnet. Selbst verletzt, wäre sie ein leichtes Opfer, doch die Dämonen sind anders als in den Geschichten und während sie Salpe pflegen, sieht die zu, wie liebevoll die beiden Dämonen auch miteinander umgehen. Salpe bekommt Zweifel an dem, was man ihr all die Jahre beigebracht hat.
Ich finde die Grundaussage dieser Geschichte gerade wieder brandaktuell, geht es doch darum über die eigenen festgefahrenen Ansichten hinauszublicken und nicht blind Parolen nachzubrüllen oder Feindbilder einfach nur hinzunehmen. In How Bees Fly werden wir daran erinnert, dass die Dinge aus der Nähe betrachtet oft anders sind als wir zu wissen glauben, und dass wir uns die angelernten Ängste und Feindbilder genau ansehen sollten, bevor wir ihnen blind vertrauen. Denn manchmal steckt hinter dem Vermeintlichen nichts weiter als Mythos und Aberglaube.
Als Bonus zu dieser unaufdringlich tiefgründigen Aussage gibt es auch noch verlorenes Wissen um technische Gimmicks, wie etwa Bienen, die ihre Energiezellen durch Sonnenlicht aufladen. Ein sprachgewandtes und emotional rührendes Stück SF das mir wirklich gut gefallen hat.

Rain ShipChi Hui Bewertung: 4 von 5 Sterne
In ferner Zukunft ist die Menschheit verschwunden. Stattdessen gibt es nun eine Rasse von intelligenten Ratten, welche die archäologischen Reliquien der Menschheit erforscht. Als ein riesiges Menschenschiff gefunden wird, dessen Technologie noch zu funktionieren scheint, ruft das Grabräuber und Archäologen auf den Pan. Im Handumdrehen entsteht eine tödliche Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien.
Bei dieser durchaus phantasievollen und temporeichen Story wurden etliche Fußnoten in den Anhang gepackt. Ich empfehle diese einmal vor der Lektüre von Rain Ship zu lesen. Es genügt vollkommen die Infos grob im Hinterkopf zu haben, da sich die Geschichte prima ohne ständiges Blättern zum Anhang verstehen lässt, das doch eher den Lesefluss stört. Insgesamt ein unterhaltsames und gewitztes Weltraumabenteuer mit einer etwas anderen Heldin.

Unterm Strich eine qualitativ hochwertige Sammlung von Kurzgeschichten, die für mich nur einen Ausreißer hatte.

Div. Autoren: Clarkesworld Issue 125
Verlag: clarkesworldmagazine.com, 2017
ISBN: 9781890464820
143 Seiten, TB
Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/c/clarkesworld-issue-125

Die Schöne und das Biest und Roboter!

Ensnared - Rita Stradling

»No need for a tow truck,« Alainn yelled. With another black cloud backfiring its farewell, her piece of scrap metal turned back onto the street.
– Chapter 1


Mit Ensnared begeben wir uns in die Welt einer neuen Märchen-Neuinterpretation, diesmal anhand der Geschichte von Die Schöne und das Biest! Dabei liefert das Buch mehr als man zunächst erwartet und verlegt die Handlung in eine nicht näher definierte Zukunft, in der künstliche Intelligenzen und Roboter zum Alltag gehören. Trotzdem wirkt die Szenerie nicht zu weit entfernt und trägt einen Hauch altmodischen Steampunks mit quietschenden Schrauben und tropfenden Ölkännchen in sich.

Die Schöne in Ensnared wird hier von Alainn verkörpert, der Tochter des etwas schusselig wirkenden Erfinders. Mit ihrem Charakter warm zu werden ist mir ein wenig schwer gefallen, da sie sich zu oft als Spielball benutzen lässt, obwohl sie eigentlich nicht auf den Kopf gefallen ist. Sie macht es ein wenig wett dadurch, dass sie einen knackigen Humor hat. Sowohl Alainns Vater als auch ihr Bruder Colby gehören dagegen zur Gattung »verrückter Professor«. Sie versinken so tief in ihren Forschungen, dass sie ihre Umwelt nicht recht zu bemerken scheinen und gerade zu Beginn kaltherzig und egoistisch wirken. Die häusliche Arbeit bleibt an Alainn hängen und die Fürsorge für ihren Vater führt schließlich dazu, dass sie sich freiwillig als Ersatz für den Roboter Rose in Lorccans Turm schicken lässt. Weder Vater noch Bruder protestieren in irgendeiner Form, dass Alainn für die Fehler ihres Vaters geradestehen will.

Neben den bereits bekannten Elementen der ursprünglichen Geschichte, fügt die Autorin Ensnared immer wieder auch eine bittere Note hinzu. Sie entfernt erfreulicherweise das oft kritisierte Stockholmsyndrom von „Belle“ und erzählt stattdessen die Geschichte zweier Menschen die jeder für sich, und letztlich beide gemeinsam, in ihrer jeweiligen Vergangenheit und Gegenwart gefangen sind. Die Figuren haben alle irgendeine Form von mentaler oder körperlicher Schädigung erlitten, viele von ihnen kämpfen seit Jahren gegen ihre Traumata an. Aus meiner Sicht hat es Lorccan, das Biest, am Schlimmsten erwischt. Rose 76GF hatte er in Auftrag gegeben, um zu lernen wie man mit Menschen spricht und umgeht, denn er hat sein Leben bisher ohne echten menschlichen Kontakt, zurückgezogen in seinem Turm, geführt. Die Gründe dafür habe ich als unglaublich traurig empfunden, weil sie oft weniger dramatisch gesehen werden als andere Dinge, aber sie zeugen von einem so tiefen und prägenden Vertrauensbruch, dass ich nicht umhin konnte einen gewissen Beschützerinstinkt zu empfinden. Überhaupt gibt es in Ensnared viele innovative Ideen und Änderungen an der Vorlage, es gibt aber auch Dinge die ich als moralisch richtig falsch empfinde. Die Beziehung zwischen Lorccan und Alainn ist gleichzeitig süß und traurig, an bestimmten Entwicklungsstufen aber auch einfach nur verwerflich, was Alainns Verhalten angeht.

Ich fand es teilweise schwierig zu glauben, dass man einen Menschen für einen Roboter halten kann. Auf die Distanz betrachtet vielleicht noch möglich, aber wie im Märchen entwickelt sich auch zwischen Lorccan und Alainn im Laufe der Zeit eine ebenso emotionale wie körperliche Nähe und da hatte ich dann meine Probleme. Man mag argumentieren, dass Lorccan keine Vergleichsmöglichkeit hat, da er außer seinen Eltern, nie einem Menschen tatsächlich real gegenüber gestanden hat. Trotzdem muss man sich etwas zwingen, ab einem gewissen Grad an Intimität, beide Augen zuzudrücken. Inhaltlich ist hier auch wieder eine kleine Warnung angebracht in Hinblick auf das Lesealter: es gibt recht blumig geschilderte Sexszenen, die zwar geschmackvoll umgesetzt sind, aber eben trotzdem nicht in Kinderhände gehören.

Da ich dieses Buch in einer noch unveröffentlichten Rezensionsfassung erhalten habe, hoffe ich, dass manche Mängel bis zum Release noch ausgemerzt werden. Denn es gibt stellenweise Längen die nicht sein müssten, Erzählperspektiven von Randfiguren die keinerlei Mehrwert haben und hier und da spröde Übergänge in der Handlung oder unzureichend geklärte Fragen. Es steckt aber so viel Potential in dieser Fassung, dass es trotzdem schon jetzt eine bewegende Geschichte mit unerwarteten Wendungen ist. Außerdem jagt einem diese ganze K.I. Sache einen Schauer über den Rücken, dass man die gruselige Wirkung schon wieder bewundern muss.

Fazit: Ensnared hat in der gegenwärtigen Fassung noch ein paar Defizite, trotzdem habe ich es in zwei Tagen weginhalieren müssen. Das Szenario macht Spaß und die nach und nach herausgeschälten Wahrheiten fügen diese Prise Kummer hinzu, die eine Geschichte bittersüß machen. Wer also Märchenneuerzählungen, Roboter und künstliche Intelligenzen mag, der wird mit Ensnared nichts falsch machen können und gelegentlich auch mal einen Lacher loslassen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/e/ensnared

BRÏN: Cover Release!

BRÏN - Sameena Jehanzeb

Tada! Woohoo! und Yippieyayay! Es ist soweit! Zeit euch den vollständig enthüllten Buchumschlag meines Romans BRÏN zu zeigen (s.u.).

Wie ich hier schon erwähnte, hatte ich das unglaubliche Glück, dass ich gebeten wurde das Coverdesign zu meinem Roman selbst zu gestalten. Im ersten Moment habe ich mich gefreut aber im zweiten Moment war mir erstmal mulmig zumute. Warum? Weil ich es unheimlich schwierig finde Dinge für mich selbst zu gestalten. Wenn ich illustriere und entwerfe, dann bin ich immer sehr pedantisch und selbstkritisch, aber normalerweise herrscht eine gewisse Distanz zu den Arbeiten, weil sie für andere Kunden entstehen und mir nicht derart nahe gehen. Da ist man auch mal enttäuscht, wenn eine tolle Idee abgelehnt wird, aber so be it! Bei dem Buchumschlag zu BRÏN war das allerdings zu 200% ein Herzensprojekt, so dass ich zwischenzeitig Angst hatte, dass ich niemals in der Lage wäre eine Gestaltung zu finden, mit der ich wirklich zufrieden sein könnte. Ich wollte etwas machen, was das Wesen des Romans einfängt, aber nicht so sehr ins Detail geht, dass zu viele Dinge definiert werden. Gesichtszüge z.B. oder die Architektur eines bestimmten Turms. Eine eher grafische Lösung schien mir sympathischer, als eine realistisch ausgearbeitete Illustration. Gleichzeitig sollte es aber auch nicht zu grafisch, also nicht zu eindimensional werden.

Mein erster Versuch BRÏN ein Gesicht zu verleihen ist dann auch direkt gescheitert und wurde abgelehnt. Meine Zweifel wuchsen. Eine ganze Woche zog ins Land und keine Muse wollte mich küssen. Die zweite Woche verging und noch immer tanzten die Musen auf einer anderen Party, zu der ich nicht eingeladen worden war. Aber dann, am Wochenende bevor die dritte Woche mich in das Tal der Verzweiflung stoßen konnte, schoss mir plötzlich ein Geistesblitz durch den Kopf und das Motiv entfaltete sich vor meinem geistigen Auge wie eine getrocknete Jasminblüte im heißen Teewasser. Ich sah die Sterne des Alls, das Leuchten der Magie, die Farben meiner Windwächterin. Ich sah Silhouetten und leuchtende Kanten, Rauch und glühende Augen. In einem Rausch skizzierte ich die einzelnen Elemente, klopfte sie zu einer hässlichen und groben Version meiner Idee zusammen und schickte den Entwurf hoffnungsvoll an den Verlag. Nervös wartete ich auf das Feedback und fragte mich, wie groß das Ausmaß meines zerstörten Daseins sein würde, wenn der Entwurf abgelehnt werden sollte. Glücklicherweise musste ich nicht lange warten und erhielt zu meiner großen Erleichterung, ein begeistertes: »Ja! Das ist es!«

Von da an ging alles irgendwie sehr schnell. In meinem Kopf war schließlich alles schon fertig und so musste ich meine groben Skizzen nur noch Element für Element sauber skizzieren und zu einem farbprächtigen Ganzen zusammenfügen. Und da sind wir nun. Voller Stolz präsentiere ich euch den Buchumschlag zu BRÏN:
Buchumschlag BRÏN von Sameena JehanzebWas haltet ihr von dem Ergebnis?

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/brin-cover-release

Gute Fee gefangen zwischen Bürokratie und Millenial-Zicken

Tread Lightly - Catherine Lane

Claire hat es nicht leicht in ihrem Job als gute Fee. Vorbei sind die einfachen Zeiten, als man ein Mädchen bloß mit dem richtigen Prinzen verkuppeln musste. Die Frauen des 21. Jahrhunderts dagegen haben allzu oft kein Interesse daran von einem Prinzen gerettet zu werden. Aber was will man machen, wenn sich die Welt zwar weitergedreht hat, der Arbeitgeber dagegen noch immer an dem eingestaubten Regelwerk von vor 600 Jahren festhält? Gelangweilt und mitunter genervt erfüllt Claire ihre Pflicht und kümmert sich um die verzogenen Biester, die lieber mit ihr diskutieren als pünktlich auf dem Fest zu erscheinen. Claires neuer Fall dagegen wirkt zunächst vielversprechend. Blöderweise ist Tamiel, Konkurrenz aus Reihen der Schutzengel, auch schon vor Ort, um sich den neuesten Schützling unter den Nagel zu reißen. Noch bevor Claire die Chance hat auf Tamiels Anwesenheit zu reagieren, taucht ein Dämon auf und das Chaos bricht aus.

Claire pointed Carothann at a cockroach darting around the fridge. It instantly straightened up into a lanky man decked out in a chauffeur’s hat and coat. Normally she would have chosen the more reliable spider in the opposite corner, but roaches were fast drivers, and Abby was getting later by the second.
– Chapter 1


Sie begegnen uns immerzu als charmante Randfiguren in Märchen: die guten Feen, die ihren Zauberstab schwingen um aus Kürbissen goldene Kutschen zu machen und aus Lumpen festliche Ballkleider. In Tread Lightly allerdings wird die gute Fee zur Hauptfigur vor der Kulisse des 21. Jahrhunderts, und das ist eine mitunter urkomische Sache. Denn der Feminismus hat das Geschäft mit den Traumprinzen ganz schon leiden lassen und statt Dankbarkeit erhalten die Feen Forderungen nach Designerkleidern und dem neuesten iPhone. Noch dazu schnappen die konkurrierenden Schutzengel den guten Feen immer öfter die Schützlinge unter der Nase weg und sorgen damit für schlechte Erfolgsquoten im Feen-Büro. Das klingt nicht nur so als ob es amüsant sein könnte, Tread Lightly ist tatsächlich mehr als einen Lacher wert!

Der Weltenbau in dieser kurzen Geschichte allerdings ist simpel. Er lebt vor allem durch Claires Wahrnehmung ihrer Umwelt und der Schilderung ihrer Arbeit. Das FGC (Fairy Godmother Council) ist der Bürokratie anheim gefallen und für jeden Schwung mit dem Zauberstab gilt es mindestens ein Formblatt auszufüllen. Das nimmt dem Leben als Fee durchaus den Spaß an der Sache und die inkompetente Chefin macht es auch nicht besser. Claire hat einst die größten Liebesgeschichten mitgeschrieben. Von Cinderella über Sleeping Beauty bis hin zu Kate Middleton, hat sie die perfekten Liebespaare zu einem glücklichen Ende geführt, doch ihr eigener Alltag ist ziemlich dröge und glanzlos geworden. Erst als sie mit Schutzengel Tamiel aneinander gerät, kommt wieder Schwung in ihr Leben.

Tamiel ist ein Engel deren Zunge ebenso scharf ist wie das brennende Schwert in ihrer Hand. Claire hat Vorurteile gegenüber dem Engel, bringt man den Feen doch in speziellen Schulungen bei, dass die GA (Guardian Angels) Gedankenkontrolle beherrschen und ihnen nicht zu trauen ist. Entsprechend vorsichtig ist Claire Tamiel gegenüber. Aufgrund der Umstände sind Engel und Fee nun aber gezwungen zusammenzuarbeiten, was vor allem Claire klarmacht, wie wenig sie eigentlich von der Welt weiß und wie blind sie den Aussagen des FGC vertraut hat. Kaum etwas ist so wie es scheint in Tread Lightly.
Im Grunde geht es hier normalerweise locker zu, das Büchlein beschäftigt sich aber auch mit blindem Vertrauen, angelernten Vorurteilen und der Überwindung solcher.

Tread Lightly ist ein flotter, humorvoller Lesestoff mit teils erotischen oder absurd witzigen, aber eindeutig Erwachsenen Szenen. Entsprechend ist diese Kurzgeschichte nicht für Kinder geeignet. Der Weltenbau kommt dabei etwas kurz, hier und da hätte die Handlung etwas mehr Ausarbeitung vertragen, und gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse. Wer aber leichte Unterhaltung und Heiterkeit sucht, statt epischer Dramaturgie, dem kann ich diese Geschichte nur ans Herz legen. Aus meiner Sicht lohnenswert.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/t/tread-lightly

Ein Buch entsteht: BRÏN und der Klappentext

Teaser: Ein Buch entsteht: BRINWie versprochen geht es diese Woche mit dem Klappentext für BRÏN weiter und wer hier mitgelesen hat wird wissen, dass das keine leichte Geburt war. Einen so kurzen Text zu verfassen, der ein ganzes Buch schmackhaft machen soll und dabei doch kaum etwas verraten darf, ist eine Kunst, die ich nicht beherrsche. Jedenfalls nicht bei meinem eigenen Buch, dafür bin ich wohl viel zu nah an den Charakteren und Geschehnissen dran. Alles ist aus meiner Sicht wichtig, die besten Dinge werden verschwiegen und was ist mit all den schönen Wortspielen, die ich mir unter Einsatz von viel Hirnschmalz nicht nur für die Kapitel-Überschriften ausgedacht habe?

 

Nach drei oder vier Versuchen, bei denen ich mir eher wie ein Einbeiniger bei einem Marathon vorkam, hat meine Verlegerin dann erst einmal eine Auszeit verordnet um selbst einen Vorschlag machen zu können. Dabei ist sie durchaus auf meine vorherigen Versuche eingegangen und hat auch hier und da einen meiner Sätze übernommen. Es hat trotzdem zwei Anläufe gebraucht, bis ich dann endlich soweit zufrieden war, dass ich den Klappentext absegnen konnte.

Gelernt habe ich daraus immerhin, dass ein Klappentext sehr viel mehr Disziplin verlangt als man denkt und dass ich zwar gut darin bin Geschichten zu schreiben, aber nicht darin Geschichten kurz und knackig zu beschreiben. Nicht die eigenen jedenfalls. Macht der Text euch nun neugierig? Ich kann es einfach nicht beurteilen. Es fehlt ja so entsetzlich viel!

Der fertige Klappentext:

Juno kämpft sich nach vielen Enttäuschungen durchs Leben. Bis zu dem Tag, als sie in eine Pfütze stolpert – und sich auf dem fremden Planeten Brïn wiederfindet …

Im mittelalterlichen Frankreich gesteht die heranwachsende Jeanne ihrer Freundin Marie ihre Liebe. Sie ahnt nicht, welche Folgen das für sie hat …

Die Führerin und magische Stimme des Planeten Brïn ist tot – der Planetenschild geschwächt, die Portale zu anderen Welten brechen zusammen …

So weit diese Ereignisse auseinander zu liegen scheinen, sind sie doch auf fantastisch-skurrile Weise miteinander verwoben. Brïn ist ein Planet voller Mystik und Magie. Wächter beschützen ihn vor Angriffen bizarrer Kreaturen und ein bestialischer Mörder treibt sein Unwesen.

Wie ein roter Faden ziehen sich dabei die Schicksale zweier Frauen, die über Raum und Zeit miteinander verbunden sind, durch den Strudel der Ereignisse.

Zum Schluss noch ein paar technische Infos zu BRÏN:

Verlag: Butze
Format: ca. 21 x 15 cm
ISBN-10: 3940611573
ISBN-13: 978-3-940611-57-4
Paperback: 18,95€
eBook: 12,99€
Erscheint: ∼ 01. Juni 2017

Teaser: Ein Buch entsteht: BRINDie Seitenzahl ist noch nicht abschließend geklärt. Im aktuellen Ist-Zustand umfasst BRÏN ca. 131.000 Worte auf 572 Normseiten, die nun erst einmal in ihre endgültige Form gebracht werden müssen. Davor steht aber erst noch das Lektorat an (bei dem vermutlich vor allem entlaufene Kommas eingefangen werden müssen…), und das Verfassen einer kleinen Hilfestellung bei der korrekten Aussprache der Namen, denen ihr in BRÏN begegnen werdet. Vielleicht auch ein klassisches Nachwort? Mal überlegen…

Was aber erzähle ich euch im nächsten Artikel? Vielleicht etwas darüber, wie der Buchtitel nun zustande gekommen ist? Warum es nicht der ursprüngliche Arbeitstitel geworden ist und wie der eigentlich lautete? Oder doch lieber mehr über den Buchumschlag?

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/ein-buch-entsteht-brin-und-der-klappentext

Ein Buch entsteht: BRÏN

Ein Buch entsteht: BRÏN
Die Veröffentlichung meines ersten Romans rückt ein Stückchen näher und die Aufregung wächst! Im Juni 2017 ist es endlich soweit. Auf den Tag genau steht das Datum noch nicht fest, denn es muss noch einiges getan werden, auf dem Weg zum gedruckten Buch. Aber wir machen Fortschritte und ich möchte euch gerne einladen, mich in den nächsten Wochen und Monaten auf dieser abenteuerlichen Reise zu begleiten, auf der ich euch ein wenig über die Zwischenschritte bei der Entstehung des Buches berichte.

Heute möchte ich zunächst einmal damit beginnen, dass wir einen Titel festgelegt haben. Der Roman wird den Namen BRÏN tragen – das ist der Name der Welt, auf der die Handlung hauptsächlich spielt. Brïn ist eine von Magie durchzogene, aber auch eine fortschrittliche Welt die über Zeit und Raum hinweg, eng mit der unsrigen verbunden ist. Es wird einiges zu lachen geben, aber auch Momente in denen man die Zähne zusammenbeißen muss. Eine bunte Mischung aus Ernst und Leichtigkeit, aus Liebe, Mord und Verrat.

Hier ein zunächst winziger Einblick in die Inhaltsbeschreibung:

Juno kämpft sich nach vielen Enttäuschungen durchs Leben. Bis zu dem Tag, als sie in eine Pfütze stolpert – und sich auf Brïn, einem Planeten voller Mystik und Magie, wiederfindet … Wie das mit dem Tod der Führerin Brïns, dessen geschwächten Planetenschild und Jeanne, einem Mädchen aus dem mittelalterlichen Frankreich zusammenhängt, ist ebenso fantastisch wie skurril.
(Text: Butze Verlag)


Teaser: Brïn von Sameena JehanzebEs gibt, wie man sieht, auch schon ein Cover. Das wird in den nächsten Wochen nach und nach ein Stück weiter entblättert, während ich euch etwas neues über BRÏN berichte. Der Buchumschlag entspricht dabei zu 100% meiner Vorstellung, weil – und nun kommt der Clou – ich ihn selbst gestalten durfte. Ihr werdet ja vielleicht mitbekommen haben, dass ich eigentlich Grafikdesignerin und Illustratorin bin von Beruf, und so hatte ich das große Glück, dass mir angeboten wurde, das Cover zu meinem Roman doch gleich selbst zu gestalten. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden und ich kann es kaum abwarten zu erfahren, was ihr zu dem finalen Motiv sagen werdet!

Für heute soll das erst einmal reichen. Beim nächsten Mal erzähle ich euch dann, wie mein Kampf mit dem Klappentext ausgegangen ist und was ich euch schon über Buchformat, ISBN-Nummer und andere technische Details verraten kann.

BRÏN wird übrigens über den regulären Buchhandel, direkt beim Verlag aber natürlich auch über Amazon & Co. beziehbar sein. Als Printausgabe ebenso wie als eBook.

Ihr habt jetzt schon Fragen? Dann schreibt sie mir in die Kommentare!

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/ein-buch-entsteht-brin

Stimmungsvolles San Francisco der 1940er Jahre

Passing Strange - Ellen Klages

Helen Young ist mit ihren gut 100 Jahren das letzte noch lebende Mitglied einer Gruppe von Freundinnen, die sich in den 1940er Jahren kennengelernt hat. Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ist auch ihre Zeit abgelaufen. Doch bevor sie von Alter und Krankheit niedergestreckt wird, gibt es noch etwas zu klären. Ein alter Schwur muss erfüllt und eine Geschichte erzählt werden.

Helen Young went into her bedroom. She changed into a pair of blue silk pajamas, brushed her hair, and put on a touch of lipstick. Then she got into bed, turned out the light, and went to sleep for the last time, humming a Cole Porter tune until she and the melody simply drifted away.
– Three


Vom Film Noir, übers Kabarett, hin zu den Groschenheften (genauer: Pulp Fiction) mit ihren grotesken Illustrationen auf dem Deckblatt: Passing Strange ist ein Buch für NostalgikerInnen und entführt uns in die 1940er Jahre von San Francisco, wo sechs Freundinnen versuchen in einem patriarchalisch bestimmten Alltag ihr Leben zu meistern. Diese Frauen sind intelligent, stehen für Wissenschaft, Kunst und einen Hauch von Mysterium. Viel Spielraum haben sie dabei aber nicht. So schön das Buch ist, so froh bin ich nach dieser Lektüre auch, dass sich die Frauenrechte seither deutlich verbessert haben. Angesichts der aktuellen politischen Lage kann ich nur inständig hoffen, dass wir nicht in diese Zustände der 40er zurückfallen…

Aber genug schwarzmalerische Zukunftssorgen. Passing Strange ist ein kurzweiliges Lesevergnügen mit einem lebendigen Blick auf die damalige Zeit. Die Handlung springt dabei in der Erzählung von der Gegenwart in die Vergangenheit und später wieder zurück. Ich kann nicht behaupten, dass ich sehr viel über die 40er weiß oder über San Francisco, aber die geschilderte Szenerie, die Bars mit ihrem bunten Publikum, die feinen Zwirne und Satinkleider, die feiernden Matrosen auf Landgang, das starke rechtliche Ungleichgewicht zwischen den Geschlechter und denen, die aus der Norm fallen, das alles wirkt überzeugend und sehr lebendig. Genauso lebendig ist auch die Kunst in dieser Geschichte. Sie springt einen in Form der Art Deco Architektur an, in Form der Wände füllenden Malerei eines Pablo Picasso, einer exzentrischen Frida oder der Kreidemalereien einer Loretta Haskel. In Passing Strange stolpert man öfter mal über namhafte Persönlichkeiten, die ganz normal und beinahe ruhmlos erscheinen. Nachvollziehbar wenn man bedenkt, dass sie erst nach ihrem Tod zu solchen Ikonen der Kunst wurden.

Die Hauptcharaktere dieser Erzählung sind Frauen, die im Verborgenen soziale Normen brechen und ein Leben führen das sie die Freiheit kosten würde, wenn irgendjemand davon erführe. Manche von ihnen müssen sich Rassenvorurteilen unterwerfen, andere dem Verbot von Homosexualität und Cross-Dressing, eine der Freundinnen ist womöglich eine Hexe und wieder andere müssen gegen gewalttätige Ehemänner bestehen. Mit wenigen, aber dafür sehr wohl platzierten Strichen, zeichnet die Autorin eine ebenso kunstvoll schöne, wie deprimierend detaillierte Ära, deren optische Eleganz wir heutzutage bewundern, während wir die Schattenseiten nur zu gerne übersehen. In Passing Strange aber treffen sich beide Seiten der Medaille.

Es gibt in diesem Buch einen leichten Hauch von Magie, den ich leider etwas unglücklich eingepflegt empfand. Der magische Trick, der hier zum Schluss hin ausgeführt wird ist zwar unheimlich interessant und herzerwärmend, wirkt aber nach einem zu 95% magiefreien Plot etwas fehlplatziert. Es wäre schöner gewesen, wenn die Autorin diesen magischen Teil durchgehend eingebracht hätte und nicht nur als praktische Lösung zum Schluss. Es ist aber nur ein kleiner Mangel in einem ansonsten stimmungsvollen und kurzweiligen Lesevergnügen, das seine witzigen Momente hat.

Passing Strange ist ein bitterschöner Ausflug in eine romantisierte Ära, die trotz ihrer harten Züge auch sehr viel Herzlichkeit enthält und eine Art von Zauber, der nichts mit Magie zu tun hat. Ich kann diese Erzählung schon wegen der imposanten Kulisse und der allgegenwärtigen Kunst nur empfehlen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/p/passing-strange

Kennt ihr eigentlich...

... den Cover Monday schon?

Cover Monday Header

Bei dieser Aktion stellen Blogger wöchentlich ein Buchcover vor das ihnen besonders gefällt. Es spielt keine Rolle aus welchem Genre oder Land es kommt, ob ihr das Buch schon gelesen habt oder gar nicht vorhabt es zu lesen. Hier geht es rein um die Optik und darum, was euch gefällt!

Vielleicht hat hier jemand Lust mitzumachen. Ein Beispiel* dazu und mehr Infos darüber wie es funktioniert findet ihr hier auf meinem Blog.

Würde mich freuen, wenn sich hier noch ein paar begeisterte Cover-Suchtis finden würden.

#CoverMonday #MoyasBuchgewimmel

 

*) Wenn booklikes nicht so ein pain-in-the-ass wäre, was die Formatierung und die Ladezeiten anginge, würde ich es direkt hierher posten, aber das machen meine Nerven einfach nicht mit.^^ Ihr dürft aber selbstverständlich gerne eure booklike-Blogs bei der Aktion benutzen. Tragt einfach die entsprechende URL zu eurem Beitrag in die Linkliste ein.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/cover-monday

Starker Anfang, fader Ausklang

We Are All Completely Fine - Daryl Gregory

Ein Buch über eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die Opfer oder Zeugen übernatürlicher Phänomene geworden sind, ist Mal etwas anderes im Fantasy-/ Horrorregal. Ich gestehe, dass ich hier etwas eher humorvolles erwartet hatte, was allerdings nicht der Fall war.

In We Are All Completely Fine (dt.: Uns geht’s allen total gut) treffen wir auf fünf traumatisierte Patienten und ihre Therapeutin. Alle Mitglieder der Gruppe sind verschlossen und keiner traut dem anderen. Wie zu erwarten beginnt der Roman also zunächst damit, dass sich die Patienten untereinander erst kennenlernen und Vertrauen zueinander finden müssen. Innerhalb der Gruppe sind zunächst alle, mit Ausnahme von Stan, eher verschlossen und geizen mit Informationen darüber, was ihnen eigentlich im Detail passiert ist. Das erfährt man erst nach und nach in perspektivisch wechselnden Kapiteln. Die Erzählform passt zu der Geschichte und zeigt auf, welche Geheimnisse die Patienten trotz ihrer Selbsthilfegruppe nicht zu teilen bereit sind, mit welchen inneren Dämonen sie sich alleine schlagen. Während andere diese stetigen Perspektivwechsel bemängeln, fand ich das sehr spannend.

Die Figuren in We Are All Completely Fine haben durchaus schaurige Dinge hinter sich. Einer hat die Gefangenschaft in einer kannibalischen Familie überlebt, wenn auch stark verstümmelt. Ein anderer ist ein Ex-Dämonenjäger und noch ein anderer kann als einziger Monster sehen, die boshafte Ideen in die Köpfe der Menschen flüstern. Besonders unter die Haut gegangen ist mir die Geschichte einer Frau, die einen Serienmörder überlebt hat, seither aber keine Ruhe findet, weil er eine Nachricht in ihre Knochen eingeritzt hat. Dass sie nie die Gelegenheit hatte herauszufinden was das für eine Nachricht ist, treibt sie seither um. Die einzelnen Hintergrundgeschichten sind dabei alle recht verstörend und mal mehr, mal weniger eindringlich, zeichnen aber alle ein sehr individuelles Bild der Figuren. Mit der soliden Charakterzeichnung fing das Buch also zunächst vielversprechend an, auch wenn sich innerhalb der Gruppe eine recht klassische Rollenverteilung zeigt. So feinden sich die männlichen Gruppenmitglieder zunächst offen an, während die Frauen entweder eingeschüchtert schweigen oder zu schlichten versuchen.

Leider driftet die zweite Hälfte des Romans dann immer weiter in eine wenig überraschende Allerwelts-Horrorgeschichte ab ohne tatsächlich gruselig zu sein. Eine Entwicklung die ich als recht schade empfunden habe, da es mich viel mehr interessiert hätte zu erfahren, wie die Patienten weiter mit ihren schrecklichen Erinnerungen oder noch ungelösten Problemen zurechtkommen. Stattdessen befindet man sich plötzlich wahlweise auf der Flucht vor – oder auf der Suche nach – einem Djinni-Kult,rast quer durch irgendeine US-Stadt deren Name ich schon wieder vergessen habe (war es New York? … hm), Gebäude werden dem Erdboden gleichgemacht, Menschen sterben, dämonische Kreaturen kriechen nebenbei durch die Straßen. Was mir sehr missfallen hat war, dass hier mit dem Djinni-Thema zwar mal eine fernöstliche Sagengestalt benutzt wird, leider wird der ebenso fernöstlich stämmige (rein weibliche) Kult zum Feindbild und wie eine Art Schläferzelle präsentiert, die auf den einen großen Moment des Zuschlagens wartet. Gegen wen genau der Kult sich richtet erfährt man übrigens nicht, aber sie haben diese besondere Waffe für irgendein Ereignis, auf das sie warten. Ob dieser Fremdenfeindliche Eindruck nun vom Autor provoziert war möchte ich dabei gar nicht unterstellen, mir als Frau und in einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit wieder ein verstärktes Thema ist, fällt das einfach nur sehr negativ auf. Der Kult benutzt zudem das „unschuldige weiße Mädchen“ für seine Machenschaften und spätestens da waren es mir zu viele der unglücklich kombinierten Kleinigkeiten. Nebenbei schwingt da auch noch so ein halb subtiler Männerhass in dem Frauenkult mit. Ich weiß nicht genau worauf der Autor damit hinaus wollte. Vielleicht hat er bloß versucht auf gewisse Problematiken hinzuweisen, doch zumindest bei mir ist er damit gescheitert und hat bei mir zwei recht negative Theorien aufkommen lassen. Wegen all dieser Kleinigkeit weigere ich mich jedenfalls dieses Buch als Diversity-Read zu deklarieren, auch wenn arabische Frauen und Djinnis drin vorkommen.

So ganz kann ich das Buch also leider weder empfehlen noch davon abraten. Die erste Hälfte war gut und vielversprechend, sprachlich gut gemacht und die Idee der Selbsthilfegruppe war mal etwas Neues. Auf der anderen Seite nimmt die zweite Hälfte eine bedeutungslose Wende und überhäuft sich mit Klischees und Vorurteilen – oder von mir aus auch unbewusst unterstützten Vorurteilen. Ich hätte gerne mehr im Stil der ersten Hälfte gelesen und dafür auf die viel zu schnell erzählte zweite Hälfte verzichtet, die noch dazu mit etlichen offenen Fragen endet. Der erhoffte Humor ist selbstredend auch ausgeblieben.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/w/we-are-all-completely-fine

Sie klappentextete bis zum letzten Atemzug...

Klappentextgeflüster bei Moyas Buchgewimel
Seit ein paar Tagen beschäftige ich mich damit ein Monster zu besiegen das mich gefühlt zehn Jahre meines Lebens gekostet hat. Bis jetzt. Die Rede ist vom Verfassen eines Klappentextes.

Wer hätte je gedacht, dass das eine so schwierige Aufgabe sein würde? Nachdem ich das nun selbst versucht habe ist mir klar, weshalb Klappentexte so oft am Ziel vorbeischießen und ein völlig anderes Buch zu beschreiben scheinen als das, das ich gerade gelesen habe. Es ist einfach teuflisch schwer ein ganzes Buch auf ca. 150 Worte zu reduzieren. Das wird auch nicht einfacher – eher im Gegenteil – wenn man ihn für das eigene Buch verfassen soll. In dem Roman passiert so viel, alles erscheint mir wichtig. Das Zusammenspiel aller Komponente ist es doch, was meine Erzählung erst spannend macht! Und es gibt doch auch so viele andere wichtige Figuren neben den Hauptdarstellern…
Aber der Klappentext hat gerade genug Platz um ein, vielleicht zwei Aspekte der Handlung knapp anzureißen, da heißt es gnadenlos die Zähne zusammenbeißen, eine Wahl treffen und hoffen, dass es die richtige war. Bisher habe ich mir ungefähr 5 Liter Schweiß von der Stirn gewischt und ob das Biest nun bezwungen ist, muss sich erst noch zeigen. Vielleicht sind Autoren schlechte Klappentexter, weil sie gerne viel und malerisch beschreiben? Auf mich trifft das gewiss zu, aber vielleicht lerne ich noch dazu und es wird irgendwann einfacher. Für den Moment kann ich nur hoffen, dass meine Auswahl die Menschen dazu anregt die viel größere Geschichte entdecken zu wollen.

Ich will aber auch nicht zu viel jammern, denn eigentlich bin ich froh, dass meine Verlegerin mich in alle Entwicklungsschritte mit einbezieht und mich erst einmal selbst versuchen lässt. Ich denke das ist ein Luxus, den man nur bei kleineren Verlagen hat. Denn das nächste Problem ist natürlich, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand der ganz außen steht, der vielleicht nur ans Marketing denkt und nicht daran, ob Klappentext und Inhalt wirklich zusammenpassen, einen sinnvolleren Klappentext verfassen kann als die Autorin – also ich. Let`s talk about Kontrollverlust here…

Klappentexter, so oft ich sie auch verfluche (und noch verfluchen werde, das wird sich vermutlich nicht ändern), sind meine neuen unbesungenen Helden. Wenigstens die, die es tatsächlich schaffen ein Buch in so wenigen Sätzen gut zu umschreiben. Wenn ich hier Inhaltsangaben für rezensierte Bücher im Blog verfasse, ist das alles deutlich einfacher. Andererseits ist da natürlich auch niemand der sagt »das ist es noch nicht so ganz«.

Mal sehen was meine Verlegerin zur jüngsten Ausgeburt meiner eigenen klappentexterischen Leistung sagt. Vielleicht muss ich mich ja nicht peinlich berührt im Erdboden eingraben. Will mir jemand die Daumen drücken?

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/sie-klappentextete-bis-zum-letzten-atemzug

Kitschfreie Weihnachtswundergeschichte

Drei Wünsche - Petra Oelker, Andrea Offermann

Die letzten Tage des Jahres blieben ihr, ihr ganz allein, heimlich und unbewacht.
Gut möglich, dass sie verrückt war.
– S. 16

 

Weihnachtsgeschichten müssen nicht immer bunt und kitschig sein. Das beweist Petra Oelker in ihrer Geschichte Drei Wünsche, die sich um drei Frauen unterschiedlichen Standes und Alters dreht. Vor der Kulisse Hamburgs im 18. Jahrhundert verfolgen wir die Schicksale der Frauen, die sich untereinander erst noch kennenlernen müssen und kurz vor dem Weihnachtsfest mit sehr unterschiedlichen, alltäglichen Problemen hadern.

In dieser warmherzigen und stimmungsvollen Geschichte wird die Atmosphäre rund um den Hamburger Dom lebendig. Der Trubel, die Menschen, das Dampfen heißer Köstlichkeiten in den Buden sind plastisch beschrieben und füllen die Phantasie mit Bildern. Auch die Charaktere wurden überzeugend ausgearbeitet. Theda Hardings Witz etwa zieht sich durch die gesamte Handlung, obwohl sie eigentlich das größte Problem haben dürfte. Denn nachdem sie so plötzlich ihre Anstellung verloren hat wird sie auch noch ausgeraubt und ihre Aussicht darauf eine Ehe mit einem Mann eingehen zu müssen, der ihr eigentlich zuwider ist, klingt ganz schön deprimierend als Ausgangslage. Trotzdem lässt sie den Kopf nicht hängen. Während sie die letzten Tage ihrer Freiheit in der Stadt genießt, gibt sie die Hoffnung nicht auf, dass doch noch irgendetwas das bevorstehende Schicksal von ihr abwenden wird. Theda versprüht dabei in allen Lagen eine optimistische Heiterkeit, die diesem Büchlein seinen besonderen Charme verleiht. Ein kleines zugelaufenes Hündchen bringt außerdem noch eine Prise Niedlichkeit in die Handlung mit ein.

Neben Theda lernt man dann auch die siebzehnjährige Elsi kennen, deren Markenzeichen bunter Flitter in den Haaren ist. Ein aufgewecktes und freches Mädchen, dass die Dinge gern selbst in die Hand nimmt. Sehr zum Unmut ihres Vaters, der fürchtet, dass seine einzige Tochter auf die falsche Bahn gerät, wenn er ihr diese Flausen durchgehen lässt. Prompt fängt Elsi auch noch an sich für einen einarmigen jungen Mann zu interessieren, der ja nun wirklich keine gute Partie sein kann.
Im Vergleich zu Theda und Elsi ist Madam Augustas Charakter vielleicht nicht ganz so beeindruckend. Ihre Erzählstimme ist eher ruhig und gediegen, was natürlich auch daran liegen mag, dass sie ein einsamer Mensch ist. Aber auch ihr Teil der Geschichte ergänzt sich gut mit den beiden anderen Perspektiven, so dass letztlich ein rundes Bild entsteht.


Sprachlich ist Drei Wünsche mitunter ein bisschen sperrig. Die Sätze laufen schon einmal über einen ganzen Absatz, was die Konzentration beim Lesen fordert. Ab und an musste ich den Satz da doch noch einmal von vorne beginnen, weil ich zwischendrin den Faden verloren hatte. Insgesamt macht die Erzählung aber dennoch sehr viel Spaß, weil die Szenerie einfach gut ausgebaut wurde und man wissen möchte, wie es den sympathischen Figure im Verlauf ergehen wird. Hinzu kommen die liebevollen Illustrationen von Andrea Offermann, die nicht nur dem Buchcover ein wundervoll aquarelliertes Motiv verliehen hat. Auch im Innenteil finden sich immer wieder passende Aquarelle, die einzelne Szenen darstellen.

Kurzum: Drei Wünsche ist ein charmantes Büchlein für die Weihnachtszeit das mit einem humorvoll lockeren Ton daherkommt. Die Schicksale der drei Frauen zu verfolgen ist spannend und auch wenn man ahnt wie es ausgehen wird, ist der Weg dorthin doch eine freudige Sache. Wer eine kitschfreie Weihnachtsgeschichte sucht ist mit Drei Wünsche gut bedient.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/d/drei-wuensche

5 Bücher, welche die Vielfalt feiern

Three Parts Dead - Max Gladstone The Long Way to a Small, Angry Planet - Becky Chambers Rebel of the Sands - Alwyn Hamilton Depth - Lev Ac Rosen Götter, Molche, Drachenzähmer: Vier phantastische Geschichten - Maike Claußnitzer, Simone Heller, Juliana Socher, Kassandra Sperl

Ohne große Worte gibt es diese Woche ein paar Bücher als Empfehlung, in denen die Vielfalt des Menschseins auf erfreuliche Weise gewöhnlich ist. Egal ob schwul, lesbisch, transgender, schwarz, braun, weiß, gelb, rot, gestreift, männlich oder weiblich und alles irgendwo dazwischen. Wenn uns schon die Realität im Stich lässt, dann hilft es manchmal in Welten abzutauchen die einem zeigen wie normal auch das Unübliche sein kann, wie wertgeschätzt wir alle sind. Mir persönlich gibt es Kraft und Hoffnung, dass sich Menschen Geschichten ausdenken, in der sie die Vielfalt mit offenen Armen einladen. Hier sind ein paar Beispiele, die es sich zu lesen lohnt um die Stimmung wieder hochzutreiben:

 

1. Three Parts Dead, ff – Max Gladstone (Fantasy)
Dieser Roman ist der Auftakt einer Serie, von der aber jedes Buch auch für sich stehen kann. Dieser erste Roman ist dabei sicherlich der bisher beste Teil des Zyklus, was vor allem seiner imposanten Atmosphäre geschuldet ist. In den Romanen dieser Serie spielt es keine Rolle welches Geschlecht man hat oder welcher sexuellen Orientierung man angehört, eine der Hauptfiguren ist zudem eine Farbige. Es gehört einfach alles zum normalen Alltag und daher taucht auch alles Vorstellbare irgendwann ganz selbstverständlich auf.

 

2. The Long Way To A Small Angry Planet – Becky Chambers (Science Fiction)
Stärker noch als im oben genannten Buch, wird auch hier die Vielfalt gefeiert und das Szenario in den Weltraum mit etlichen Alienrassen verlagert. Ein humorvolles Raumschiffabenteuer mit ganz vielen großen und kleinen Gedanken, und unheimlich vielen unterschiedlichen Kulturen die zusammenhalten statt gegeneinander kämpfen. Ein großartiges Buch das man unbedingt lesen sollte, besonders dann wenn man dringend einen Hoffnungsschimmer am Horizont braucht.

 

3. Rebel of the Sands – Amyn Hammilton (Fantasy)
Das einzige Jugendbuch in dieser Liste überzeugt durch seine rebellische Heldin, die sich den männlich dominierten Verhaltensregeln widersetzt und um ihre selbstbestimmte Freiheit kämpft; durch ihren unfreiwilligen Begleiter, der ihren Eigensinn bewundert und durch die vielen gemischtrassigen Nachkommen, die einen Platz finden, an dem sie willkommen sind. Das orientalische Wüstensetting sorgt dabei nicht nur für allgemeine Abwechslung sondern auch für eine seltene Kulisse mit orientalischen Mythen.

 

4. Depth – Lev A.C. Rosen (Science Fiction)
Dieses futuristische Werk ist gleichzeitig modern und trotzdem postapokalyptisch. Die Details der Vielfältigkeit springen einem hier nicht sofort ins Auge. Neben der beiläufig erwähnten Homosexualität einer der Charaktere sind hier auch verschiedene Nationalitäten vertreten. In die Liste geschafft hat es Depth aber hauptsächlich deswegen, weil sich die Bewohner des Handlungsortes (Insel) gegen die radikal konservativen und unterdrückenden Ansichten der Festlandspolitik stellen und ihr eigenes Ding durchziehen.

 

5. Götter, Molche, Drachenzähmer – S.Heller, M. Claußnitzer, J. Socher, K. Sperl (Fantasy)
Wer es lieber mit Kurzgeschichten versuchen möchte mag einen Blick in dieses Indie-Projekt werfen, in dem es vier Geschichten aus allen Himmelsrichtungen gibt. Vom Wisperseidenwald Asiens, wo ein Dämon ewigen Winter über das Dorf gebracht hat, über die Wüste Afrikas, in der sich die kämpferische Ombe trickreichen Göttern stellen muss, hin in den kalten Norden, wo Wikinger auf der Flucht sind, und letztlich eine mittelalterliche, europäisch anmutende Welt, in der ein Monarch sich gegen einen Drachen auflehnt, ist alles vertreten.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/5-buecher-welche-die-vielfalt-feiern

Ein Herz für Madame Lefoux

Romancing the Inventor: A Supernatural Society Novella - Gail Carriger

Imogene Hale hat das brave Landleben satt und heuert im neuen Stammsitz der Londoner Vampire als Hausmädchen an. Eine skandalöse Entscheidung für ihre Familie, weiß doch jeder wie sittenwidrig es bei den Vampiren zugeht. Genau das Richtige also für Imogene, die ein ebenso skandalöses Geheimnis verbirgt und danach lächzt ein wenig unanständiges Verhalten in ihr Leben zu integrieren. Als Imogene auf Woolsey Castle eintrifft begegnet sie der genialen Erfinderin Genevieve Lefoux und plötzlich steht ihre Welt mehr als Kopf. Doch Madame Lefoux ist keineswegs leicht zu erobern und die Vampire sind nicht Imogenes einzige Feinde im Schloss.

 

 

Trousers were a powerful weapon of chaos, if Madame Lefoux was anything to go by.

 

In Romancing the Inventor entführt uns Autorin Gail Carriger in eine kleine Episode ihres Parasol Protectorate Universums. Wie auch in der Buchreihe treffen hier scharfzüngige Protagonisten auf eine Romanze mit Hindernissen. Anfangs braucht die Handlung eine Weile um Fahrt aufzunehmen, doch der vertraute Humor lässt nicht lange auf sich warten. Diese Kurzgeschichte ist eine locker leichte Romanze die Lacher, aber hin und wieder auch einen Kloß im Hals garantiert.

Gail Carriger hat in all ihren Büchern immer wieder Figuren vorgebracht, die nicht der klassischen Norm entsprechen. In ihrer jüngsten Geschichte rückt sie eine ihrer Nebenfiguren in den Fokus: Genevieve Lefoux, geniale, ein bisschen verrückte und eindeutig lesbische Erfinderin. In den Romanen bekamen wir bisher immer nur einen etwas oberflächlichen Blick auf diese Figur, die wir nun ein ganzes Stück besser kennenlernen dürfen. Und es zeigt sich schnell, dass Madame Lefoux ein recht tragischer Charakter ist. Ihre letzte große Liebe hat sie emotional aushungern lassen und sich dann auch noch erdreistet auf dumme Weise zu sterben. Seither ist Lefouxs Herz ein trockener Tümpel und die Erfinderin weigert sich beharrlich noch einmal jemanden so nah an sich heranzulassen. Sie fürchtet sich regelrecht davor sich noch einmal zu verlieben, stürzt sich stattdessen in ihre Kalkulationen und schraubt an ihren quietschenden und dampfenden Maschinen. Sie konzentriert sich so sehr auf ihre Arbeit, dass sie sich darüber selbst vernachlässigt.

Erzählt wird Romancing the Inventor allerdings aus der Perspektive von Imogene Hale, die nicht nur mit einem Wedel umgehen kann, sondern auch ein unentdecktes Mathe-Genie ist. Die Dorfbewohner inklusive ihrer Mutter bezeichnen sie als arrogant, weil sie die Angebote ihrer Verehrer ausnahmslos ablehnt. Offenbar hält sie sich wohl für etwas Besseres, doch weit gefehlt. Denn in Wahrheit hütet Imogene ein Geheimnis für das man sie ächten würde, käme die Wahrheit ans Licht. Ihr einziger Ausweg aus der Misere scheinen daher die Vampire zu sein. Dort hofft Imogene ihre Phantasien endlich Wirklichkeit werden lassen zu können ohne dass die konservativen Dörfler Verdacht schöpfen. Imogene ist gezwungenermaßen in jedem Sinne unschuldig und unberührt, aber sie weiß, was sie will und ist bereit dafür Risiken einzugehen. Sie konnte ihre Bedürfnisse bisher nie an einer besonderen Person festmachen. Das ändert sich, als sie Genevieve begegnet und sich in sie verliebt.

Das Verhältnis zwischen den beiden Frauen ist zunächst nicht ganz einfach, kämpfen doch beide gegen ihre eigenen Geister. Genevieve ist so verhärmt, dass sie ihre Chancen nicht erkennen will und sich einredet Imogene könne unmöglich aufrichtiges Interesse an ihr haben. Imogene im Gegensatz ist so unerfahren, dass sie nicht weiß, wie sie ihre Angebetete umwerben und überzeugen soll. Was Imogene an Erfahrung fehlt, macht sie dafür durch Beharrlichkeit und Geduld wieder wett. Ein Großteil der Handlung dreht sich darum Missverständnisse zu erschaffen und aufzulösen und Ängste zu überwinden.

Genevieve und Imogene haben aber nicht nur Probleme miteinander. Insbesondere Imogene wird als leckerer Appetithappen auf dem Teller der Vampire erwünscht und wenn nicht Blutsauger nach ihr dürsten, dann bedrängt sie einer der Butler.

Das Büchlein bietet gute Unterhaltung, erwachsene Romantik (und Probleme), berittene Werwölfe und den vermutlich effizientesten Wohnwagen, den das 19. Jhrd. je gesehen hat. Kleine Schwachpunkte waren für mich die etwas ausschweifenden Selbstzweifel von Imogene und Lady Alexia Maccons spontane Auftritte, wenn es darum ging eine knifflige Situation schnell zu lösen.

Hinweis:
Romancing the Inventor spielt etwa zwei Jahre nach Timeless (dt.: Sengendes Zwielicht), dem letzten Buch aus dem Parasol Protectorate. Man kann die Geschichte aber völlig ohne Vorkenntnisse der Buchreihe lesen. Für Carriger-Fans natürlich ein Muss!

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/r/romancing-the-inventor