Moyas Buchgewimmel

Phantastik, Science Fiction und das echte Leben.

Rezension: 18 Months von Samantha BoyetteVor 18 Monaten ist Alissas Freundin Lana verschwunden. Ein Jahr später erst findet die Polizei die verstümmelten Überreste der Schülerin. Der Täter hat seine Spuren dabei gut verwischt und bleibt unerkannt. Inzwischen hat sich Alissas Leben so gut wie möglich normalisiert, doch dann verschwindet plötzlich auch ihre neue Freundin Hannah. Niemand glaubt Alissa, dass Hannah nicht weggelaufen ist sondern entführt wurde. Doch Hannas allabendliche Anrufe bei ihren Eltern scheinen zu beweisen, dass es der jungen Frau gut geht. Auch die geheimnisvollen Notizen, die Alissa erhält überzeugen weder Hannahs Eltern noch die Polizei davon, dass Hannah in Gefangenschaft sein könnte, vielmehr werfen sie Alissa vor im Mittelpunkt stehen zu wollen. Alissa bleibt nichts anderes übrig, als Hannah auf eigene Faust zu suchen, wenn sie ihre Freundin vor Lanas Schicksal bewahren will.

You took me to a dead girl’s place?
– Chapter Six

Bisher sind mir nur selten Jugendbücher im Mystery Thriller Bereich begegnet. 18 Months aber ist so ein Buch und es war überraschend gut. Genau genommen konnte ich es kaum aus der Hand legen. Die Charaktere waren glaubwürdig, der Fall der verschwundenen Freundinnen spannend und es gab noch so vieles andere, was ich an diesem Buch richtig gut fand.

18 Months ist nicht nur ein solider Krimi, es ist auch ein Coming-Out Roman der beide Themen zu einem glaubhaften Ganzen verschmilzt. Man erlebt die Geschichte aus Alissa Reeves’ Perspektive, wobei sich die Handlung in zwei Stränge teilt. Da ist zum Einen die Gegenwart und Hannas Verschwinden und zum Anderen die Vergangenheit und Lanas Verschwinden. Beide Handlungsstränge erzählen eine andere Phase im Leben von Alissa und ihren Freundinnen, die nebeneinander aber auch ineinander laufen. Spannend daran ist nicht nur die Frage danach, was seinerzeit Lana und nun möglicherweise auch Hannah widerfahren ist, sondern auch Alissas innerer Kampf mit der Situation. An ihrer High School ist Alissa von einer der beliebtesten Schülerinnen innerhalb kürzester Zeit zu einer Geächteten geworden, denn wegen ihrer Liebe zu Hannah hat sie sich offen ihrer Homosexualität bekannt und wird seitdem von ihren einst besten Freundinnen ausgelacht. Das ist einer der Gründe weshalb ich diesen Roman so toll finde, weil er neben der klassischen Katz’ und Maus Thematik auch mit Alissas Problemen nach dem Coming-Out arbeitet. 18 Months wirft ein Licht darauf wie sich Eltern und Freunde verhalten oder wie auch verschmähte Verliebte damit umgehen. Die ganze Situation ist für Alissa glaubhaft schwierig beschrieben, denn sie muss nun nicht nur mit den Folgen ihres frischen Coming-Outs alleine fertigwerden, gleichzeitig fürchtet sie auch um Hannas Leben, während die alten Wunden um Lanas Ermordung wieder aufbrechen. Das ist eine Menge womit es fertigzuwerden gilt, besonders wenn man ganz alleine dasteht. Es hat mich unheimlich interessiert mehr über Alissas Gedanken und die Zusammenhänge von Gegenwart und Vergangenheit zu erfahren.

Der Kriminalfall an sich ist relativ einfach gestrickt. Ich hatte schon früh einen Verdacht wer hinter dem Verschwinden der beiden High School Schülerinnen stecken könnte. Allerdings erschienen mir im Laufe der Handlung manche Figuren so offensichtlich verdächtig, dass ich ihrer Schuld misstraut habe und andere Figuren wirkten so offensichtlich unschuldig, dass sie mir schon wieder verdächtig vorkamen. Trotz meiner anfänglichen Ahnung war ich mir also bis zur Auflösung nur halb sicher, ob ich nun Recht behalten würde oder nicht und habe das Ganze entsprechend neugierig verfolgt.

Für mich war 18 Months eine richtig glückliche Entdeckung die mir unheimlich viel Spaß gemacht hat. Das passiert mir bei Jugendbüchern nicht unbedingt oft, hier war die Thematik aber so realistisch und auch ernst, dass es nicht mit der üblichen Jugendbuch-Romantasy zu vergleichen ist. Alissa macht auch nicht den Eindruck einer neunmalklugen Jugendlichen, sondern einer verzweifelten, jungen Erwachsenen, die sich um viele Dinge gleichzeitig Sorgen machen muss. Auch die Sprünge zwischen Gegenwart und Rückblende waren gut in die Handlung integriert, so dass man im richtigen Moment immer wieder neue Informationshappen bekommt und eben interessiert bei der Sache bleibt. Ausnahmsweise fand ich es auch mal logisch erklärt, weshalb Alissa ohne die Hilfe der Polizei auf die Suche geht.

Wer einen unterhaltsamen, wenn auch etwas vorhersehbaren Krimi mit überraschend tief gehenden Gedanken lesen möchte, dem kann ich 18 Months nur ans Herz legen. Es hat die richtige Mischung aus psychopathischem Wahnsinn und emotionaler Verwundbarkeit. Das Einbinden der Coming-Out Thematik verdient einen extra Punkt. Mir hat das Buch richtig viel Spaß gemacht.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/m/18-months

Abgebrochen: Gay Pride & Prejudice

Rezensiert: Gay Pride & PrejudiceTja, was soll ich sagen? Ich habe es versucht. Die Idee ein paar der berühmtesten klassischen Figuren in lesbische und schwule Protagonisten zu verwandeln fand ich unheimlich spannend. Die Geschichte liest sich auch gut an und irgendwie bin ich noch immer neugierig auf die Stelle, wo sich Elizabeth und Caroline kriegen oder wo enthüllt wird wer denn nun Mr Darcys Love Interest ist, aber der Weg dorthin ist mir einfach zu anstrengend. Nach nunmehr 40% habe ich beschlossen das Buch abzubrechen, da ich dieses ganze gesellschaftliche Geplänkel nicht länger aushalte. Das förmliche Gerangel darum wer wen heiratet und die bessere Partie für diesen oder jenen, mal mehr, mal weniger feinen Schnösel ist, dehnt sich wie Kaugummi in der heißen Sommersonne. Die Belanglosigkeit der Unterhaltungen tötet meine Gehirnzellen so zuverlässig wie das hirnlose Gezeter von Elizabeths Schwestern und Mutter. Die Handelsware Frau kriege ich auch bei aller Liebe für die herrlich antiquierte Sprache und dem Verständnis von Vernunftsehen nicht romantisiert.

Man muss dazu sagen, wer das Original kennt und liebt, für den wird Gay Pride & Prejudice sicherlich ein Vergnügen bleiben. Die Geschichte wurde nur marginal geändert, dort wo es eben nötig war, um die Beziehung mancher Figuren auf eine homosexuelle Ebene zu bringen. Ansonsten ist die Geschichte Wort für Wort von Jane Austen übernommen worden und man merkt den Änderungen von Kate Christie nicht an, dass sie nicht ins Originalwerk gehören. Die Umsetzung ist der Autorin also sehr gut gelungen. Dass ich dieses Buch nun abbreche liegt also keineswegs an einer schlechten technischen Umsetzung, sondern daran, dass ich mit dem endlosen Oberschicht-Geschwafel nichts anfangen kann. Und dann die Namen… Nicht nur, dass sowieso schon ein Dutzend verschiedener Namen darin vorkommen, nein, dann gibt es auch noch Spitznamen und die mehr förmliche Anrede. Bei zwei oder mehr Miss Bennets und Bingleys wird es irgendwann konfus. Wer sagt jetzt was zu wem? Dafür fehlt mir leider die Geduld.

 

Kurzum: Wie so oft bei Klassikern, fehlt mir der Unterhaltungswert. Wenn ich also das nächste Mal Bedarf nach englischer Attitüde und feinen Kleidern habe, greife ich lieber wieder zu Gail Carriger. Das ist zwar ein Vergleich von Birnen und Äpfeln, aber wenigstens passiert da zwischendurch ordentlich was! Und was die Klassiker angeht sollte ich es wohl langsam aufgeben statt es wieder und wieder zu versuchen.

 

Empfehlen würde ich das Buch trotzdem allen, die eine Vorliebe für Jane Austens Klassiker und historische Romane haben und Freude an einem gay-Twist. Der Roman ist durchaus gut gemacht – soweit ich es eben nach knapp der Hälfte sagen kann – und ich finde es in diesem Fall sehr schade, dass ich nicht mehr Gefallen an Gesellschaftsromanen finden kann. Wie die Autorin das Problem der Figuren löst hätte ich gerne erfahren, aber dafür bemühe ich dann lieber Meister Google.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/abgebrochen-gay-pride-prejudice

Vom Schreiben und dem Mut zu versagen

Autorenwispern - Sameena Jehanzeb
»Du hast ein Buch geschrieben??? Wie hast du DAS denn gemacht?« Diese Frage höre ich seit ein paar Wochen immer wieder, jedes Mal wenn jemand neues unter meinen Bekannten mitbekommt, dass ich einen Roman geschrieben habe, der demnächst auch noch veröffentlicht wird. Und ich weiß nie so recht was ich antworten soll. Aber die Frage ließ mich doch nachdenken. Wie habe ich das denn eigentlich geschafft? Die Antwort ist so banal, dass es vermutlich Menschen gibt, die mich dafür ohrfeigen möchten: Ich habe mich hingesetzt und angefangen zu schreiben. Der Rest ist einfach passiert.

Eine Sache, die viele Menschen daran hindert zu schreiben, oder Kunst im Allgemeinen zu machen, ist die Angst vor dem Versagen, vor dem schlecht sein. „Was ist, wenn mein Roman nichts taugt?“, fragt man sich, und dann, um dieses schreckliche Ergebnis zu vermeiden, fangen sie gar nicht erst an. Auf diese Weise bleibt die Story-Idee auf ewig glänzend und perfekt im eigenen Kopf. Aber eines Tages, wenn man erstmal richtig anfängt zu schreiben, dann wird die Story nicht weniger als ein Bestseller! Richtig? Nope.

Wer sich nicht traut zu versagen, wird nie eine Geschichte fertigstellen können. Da steht man sich gern selbst im Weg. Dieser Drang, dass man nur etwas perfektes schreiben darf, wenn man sich entscheidet zu schreiben, sorgt dafür dass die Idee stirbt, bevor sie eine Chance hatte sich zu entfalten. Mein Ansatz beim Schreiben war schon immer ein anderer. Ich hatte nie so richtig vor einen Roman zu veröffentlichen. Der Traum war gewiss da seit ich das ABC kennenlernte, aber ich habe nie wirklich geglaubt, dass es mal soweit kommt. Trotzdem hatte ich Spaß am Schreiben. Es gefiel mir Geschichten zu erfinden. Ich schrieb sie für mich, weil es ein Hobby war, niemand machte mir Druck fertig zu werden, niemand verlangte Qualität, weil niemand wusste, was ich tat.

Es geht natürlich nicht darum sich hinzusetzen und zu sagen: »Heute schreibe ich eine miese Geschichte, die keiner gut findet.« Es geht mehr darum sich zu erlauben, nicht sofort das Beste vom Besten schreiben zu müssen, sich selbst zu gestatten versagen zu dürfen. Das nimmt einem den selbst auferlegten Prüfungsdruck und macht den Kopf frei für echtes kreatives Denken und kontinuierliches Schreiben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der erste Entwurf eben nicht besonders gut sein und eine Menge Überarbeitung brauchen. Das war bei mir nicht anders und ich bin sicher es geht auch anderen AutorInnen so. Das ist ok, das ist normal, das gehört dazu. Ich bin ja auch Zeichnerin, darum vergleiche ich das Schreiben gerne mit dem Zeichnen: Wenn ihr einen Bleistift in die Hand nehmt um etwas zu zeichnen, dann habt ihr garantiert auch einen Radiergummi neben euch liegen, weil ihr wisst, dass nicht jeder Strich sofort da sitzen wird, wo er sein muss. Ihr werdet immer wieder Dinge ausradieren und verbessern, bis das Motiv richtig aussieht. Mit dem Schreiben ist es nicht anders. Einen misslungenen Entwurf kann man fast immer ausbessern, bis er etwas taugt. Was sich aber nicht ausbessern lässt ist eine leere Seite. Also schreibt. Versucht nicht gleich alles perfekt hinzukriegen. Lasst die Übergänge holpern, lasst die Logiklöcher sprießen, ergeht euch in Wortwiederholungen, wenn euch gerade keine Alternative einfällt. Sorgt einfach nur dafür, dass die grundsätzliche Idee aufs Papier kommt. Die Feinarbeit folgt später. Manchmal kommt am Ende vielleicht etwas ganz anderes heraus, als ihr es eigentlich geplant hattet, aber deswegen muss es kein schlechtes Ergebnis sein.

Bevor BRÏN ein Roman wurde, den andere lesen und letztlich sogar verlegen wollten, war es eine dreimal begonnene und ebenso oft verworfene Kurzgeschichte, von deren Ansätzen niemals jemand etwas zu sehen bekommen wird. Die Entwürfe hatten nur eines gemeinsam: die Protagonistin Juno, die in eine Pfütze stolpert und in einer fremden Welt wieder herauskommt – und ihre Katze, die Schuld ist an dem ganzen Pfützendebakel. Erst beim dritten Ansatz begann diese Geschichte endlich zu leben und dann entwickelte sie sich auf so ungeplante und wunderschöne Art und Weise, dass die Kurzgeschichte plötzlich zu einem Roman anwuchs. Es lässt sich einfach nicht alles planen, aber es hilft immer, einfach mal anzufangen und die ersten Sätze in die Tasten zu hauen. Ohne Druck, ohne das Ziel heute einen Roman zu schreiben. Denn während langjährige Profi-Autoren sich im Laufe der Zeit gewiss ihre kleinen Routinen zugelegt haben, müssen wir Neulinge erst einmal herausfinden, was unsere Synapsen zum Schreiben bringt. Es ist ein Lernprozess und jeder Lernprozess ist von einer Fülle an Fehlversuchen gekennzeichnet. Man darf gescheiterte Versuche nicht als Zeitverschwendung sehen, denn das Versagen gehört dazu, wenn man in etwas gut werden will. Es heißt im Sprichwort: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wieso sollte für Autoren etwas anderes gelten? Den einzig wahren Fehler den man letztlich begehen kann ist der, es gar nicht erst zu versuchen und zu viel Perfektion von sich selbst zu verlangen. Man muss sich ausprobieren und das Erstellte dann wieder und wieder ausbessern, bis es die richtige Form angenommen hat. Und wenn es trotzdem nichts werden will, dann versucht man sich eben an der nächsten Idee. Hebt die Fehlversuche auf und lasst sie irgendwo versauern. Wer weiß? Vielleicht gibt es für sie eines Tages einen neuen Belebungsversuch, der dann zu einer größeren Sache wird als man es sich hat träumen lassen.

BRÏN war auch für mich nicht die erste Geschichte, die ich geschrieben habe. Es gibt viele Texte, die ich über Jahrzehnte angesammelt habe, die in meinen virtuellen Schubladen anstauben und gewiss niemals das Tageslicht erblicken werden. Aber ich behalte sie. In jedem dieser Fehlversuche steckt eine Idee, die mal etwas hätte werden können und die einen gewissen Entwicklungsstand in meinem künstlerischen Leben dokumentieren. Vielleicht bekommen ein paar der besseren Ideen irgendwann noch mal eine neue Chance. Bis dahin bin ich aber erst einmal mit meinem zweiten Roman beschäftigt, dessen Idee mir im Verlauf von BRÏN kam. Ein Buch inspiriert hier das andere. So kann es nämlich auch kommen. Alles was man tun muss, ist anfangen und die ersten Szenen niederschreiben. Zusammenhanglos, unperfekt und vielleicht zum Scheitern verurteilt. Aber das macht nichts. Das alles sind Übungen. Solange ihr Spaß habt an dem was ihr macht, ist es eine sinnvolle Beschäftigung und womöglich wird irgendwann doch noch unverhofft eine große Sache daraus.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/vom-schreiben-und-dem-mut-zu-versagen

Spannender Anfang, schwacher Ausklang

Anna Dressed in Blood - Kendare Blake

Anna Dressed in Blood ist bis Dato mein einziger Titelkauf. Diese vielsagende Zeile klang so verheißungsvoll, versprach Nervenkitzel vielleicht sogar Grusel, so dass ich nicht widerstehen konnte. Es klang nach Geheimnissen, Rache, Mordlust! Nun, teilweise hält das Buch was der Titel verspricht.

Der Roman startet genau so, wie es mir erhofft hatte. Ein junger Geisterjäger kommt in eine kleine Stadt in der ein verwunschenes Haus steht. Vor Jahrzehnten war dort ein Mädchen gestorben und ihr rachsüchtiger Geist spukt nun in dem alten Zuhause herum. Wer das Haus betritt überlebt es in der Regel nicht. Als Cas also ebendies tut, wird er von einem arg wütenden Geist im Empfang genommen.


Anna ist Anfangs einfach nur »der Geist«, von dem man erwartet, dass er da ist um die Lebenden zu ermorden. Im Laufe der Handlung lernt man jedoch nach und nach ihre ganze Geschichte kennen und die ist, bis hin zu ihrer letztlich Ermordung, ziemlich bitter. Da muss man doch erstmal schwer schlucken. Man kann gut nachvollziehen, wie ihre Erlebnisse diesen wütenden Geist aus ihr gemacht haben. Obwohl es sich bei Kendare Blakes Debütroman um ein Jugendbuch handelt, sind manche Beschreibung darin überraschend blutig und schonungslos. Zartbesaiteten wird das vielleicht nicht ganz so sehr gefallen, aber es ist immerhin eine Horrorgeschichte, da darf man nicht nur rosa Blümchen erwarten.

 

Leider verliert sich der starke Anfang ab der Mitte etwas, denn die Geschichte endet, wie in so vielen Jugendbüchern, in einer Liebesgeschichte und macht aus Anna wieder eine eher zarte Erscheinung. Immer noch nett, aber leider alles andere als spannend oder gar gruselig. Immerhin gibt es keine Dreiecksbeziehung mit boyfriend-issues, das hält den Nerv-Faktor erfreulicherweise in Grenzen. Der anfängliche Geisterspuk geht dabei dennoch fast vollständig verloren, weil Anna eben nicht mehr spukt und plötzlich wieder sehr menschlich und lebendig wirkt. Dafür taucht eine andere Gruselgestalt auf, so richtig überzeugen kann diese recht abstrakte Kreatur aber nicht mehr.

 

Anna Dressed in Blood ist ein Buch mit starkem Anfang und schwächelndem Ausgang. Bei dem genialen Titel hatte ich auf eine stärkere Wirkung gehofft, die sich zu Beginn des Romans auch andeutete, dann aber leider zugunsten der Romanze verebbte. Das Buch ist durchaus mal etwas anderes und wagt einen neuen Ansatz in der Jugendbuchsektion, der fade ausklang motiviert mich aber leider nicht die Nachfolger lesen zu wollen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/a/anna-dressed-in-blood

Die Chronik der Daheimgebliebenen

 

Umbau bei Moyas BuchgewimmelWährend sich in der letzten Woche der Rest der (Buch-)Welt auf der LBM amüsierte bin ich zuhause geblieben und habe versucht meinen Berg an To-Do’s abzuarbeiten. Es ist erstaunlich wie viele Kleinigkeiten sich so mir nichts dir nichts spontan auftürmen können. Das meiste davon war Arbeitskram, anderes eher ein Unfall – wie die Überarbeitung des Buchgewimmels. Zuerst wollte ich nur mal eben größere und schicker eingebundene Artikelgrafiken freischalten. Dafür musste ich dann bloß ca. 200 neue Bilder erstellen und austauschen, weil meine leichtfertige Idee selbstverständlich einen ganzen Rattenschwanz an mini-Problemen hinter sich herzog. Während ich da so machte und tat kamen immer wieder ein paar ärgerliche Sachen dazu, die mir an dem Theme schon seit einer ganzen Weile auf die Nerven gingen. Ich fand es zwar äußerlich schön, aber unter der Haube war von Anfang an eine Menge Murks drin der ständig irgendwelche Notlösungen und drumherum CSSen erforderte. Ganz schlecht, wenn man mal etwas grundsätzliches ändern will und dann auf einmal 400 Seiten einzeln anpassen muss. Als ich wieder einmal kurz davor war in die Tischkante zu beißen, habe ich dann beschlossen, dass ein neues Theme her muss. Gesagt getan …

 

Neues Theme hieß, auf einmal ist alles irgendwie anders und schicker. Da passt plötzlich das Logo auch nicht mehr und eigentlich war das ja damals eh nur ein Schnellschuss, weil ich den Blog recht kurzfristig in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Boden gestampft hatte. Mit dem neuen Logo bin ich mir jetzt aber auch noch nicht sicher, das muss vielleicht erst einmal ein paar Tage sacken. Gut möglich, dass sich das nochmal ändert.

 

Da ich sehr viele (fast nur) englischsprachige Bücher lese und rezensiere habe ich auch endlich ein Übersetzungstool auf der Seite eingebaut – sieht man unten rechts, das orangen Feld. So können Besucher, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, nun auch lesen was ich über das Buch zu sagen habe. Die Engine dahinter bedient sich Google Translate. Das ist nicht unbedingt perfekt, aber schon ziemlich gut in ihren Übersetzungsvorschlägen und auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man auch internationalen Besuchern eine Chance geben möchte.

 

Die »Über Mich« Seite hat noch mal ein paar Ergänzungen bekommen und einen Absatz zum Thema Sterne-Wertung, und wer es noch nicht mitbekommen hat: Eine Seite zu meinen (Buch-)Veröffentlichungen gibt es nun auch. Im Moment steht da zwar nur BRÏN, aber die Liste wird in den nächsten Jahren sicher noch wachsen. Schließlich sitze ich schon am zweiten Roman und ich plane auch noch eine Sammlung von Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Da weiß ich aber noch nicht genau ob es besser ist sie in einer Anthologie zusammenzufassen oder doch lieber als einzelne eBooks? Darüber muss ich mal gründlicher nachdenken, wenn ich wieder ein wenig mehr Luft habe.

 

Ach ja, seit Montag hat das Buchgewimmel auch einen eigenen Instagram Account, denn ich verspüre in letzter Zeit den Drang Bilder von Büchern zu machen. Mal schauen ob der irgendwann so schön und voll wird wie ein paar der Feeds denen ich folge, wie z.B. Books Are Alive oder Mystical Worlds. Im Moment ist mein Ziel erstmal jeden Tag ein Foto zu schaffen und dabei meine Gestaltungslinie finden.

 

Jetzt muss ich noch den Gastartikel zum Thema »Diversity in Science Fiction & Fantasy« fertigbekommen, zu dem ich von Booklikes eingeladen wurde. Wenn der geschafft ist bin ich wieder halbwegs auf Kurs. Zumindest solange bis die nächste Flutwelle eine Ladung To-Do’s anspült.

 

Bevor ich im nächsten Jahr wieder irgendwas zerschieße und in einen neuen Umbauwahn verfalle, fahre ich dann aber vielleicht doch lieber zur LBM. Ehem.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/die-chronik-der-daheimgebliebenen

Nicht perfekt, aber unterhaltsam

The Northern Heart - Sasha L. Miller

The Northern Heart ist der zweite Teil einer klassischen Fantasyreihe. Elfen, Magie, ein Fluch und ein alter Konflikt treffen in einem mittelalterlich anmutenden Szenario aufeinander. Die zugrundeliegende Handlung ist einfach aufgebaut, bietet aber nette Unterhaltung. Vor allem die Dynamik zwischen Pearce und Emmerich ist es, die einen neugierig auf den Fortgang der Geschichte macht.

 

Das Wichtigste vorweg: Ich hätte dem Buch gerne 4 Sterne gegeben, weil es eine durchaus solide und unterhaltsame Basis hat. Was es für mich aber dann letztlich doch etwas verdorben hat, waren die vielen textlichen Fehler. Wortwiederholungen, Satzwiederholungen, inhaltliche Wiederholungen. Sprachlich hätte man mit einem halbwegs ordentlichen Lektorat locker noch einen Stern herausholen können. Leider scheint der Verlag das generell nicht anzubieten, denn ähnliche Probleme habe ich auch schon bei anderen Büchern dieses Verlagsteams gefunden. Sehr schade.
Auch der Weltenbau kommt etwas kurz. Oft hatte ich das Gefühl, die gesamte Handlung spielt sich auf drei Quadratmetern ab, mit kurzen Ausflügen in ein anderes drei-Quadratmeter Zimmer.

 

Warum hat mir das Buch trotzdem gute Unterhaltung geboten? Weil es eine zwar einfache, aber auch leicht wegzulesende Geschichte ist mit einer süßen Romanze zwischen Pearce und Emmerich. Man erlebt The Northern Heart aus wechselnden Perspektiven der beiden Hauptcharaktere, was es einem als LeserIn ermöglicht in die Köpfe und jeweiligen Sorgen und Ängste der beiden Figuren vorzudringen. Dadurch lässt sich leichter nachvollziehen, wie es zu bestimmten Missverständnissen zwischen beiden kommt, weshalb sie diese oder jene Hemmung davor haben ein bestimmtes Thema mit dem anderen anzusprechen. Man ist also gewissermaßen in einer allwissenden Position als Leser, während die Figuren durch ihr Halbwissen lange im Dunkeln tappen. Man beobachtet, wie die beiden Männer unbewusst umeinander herumschleichen und lauert darauf, dass sie endlich die Wahrheit erkennen.


Man ahnt es also schon: Natürlich werden sich Emmerich und Pearce im Laufe des Romans kriegen, der Weg dahin ist aber mit einigen Hürden gepflastert, die auch ihrer eigenen Unsicherheit geschuldet sind. Ich für meinen Teil war neugierig auf den Moment, da es endlich Klick bei ihnen macht.

 

Interessant fand ich auch das Magiesystem. Ich habe es nicht vollständig verstanden, was auch damit zusammenhängen könnte, dass ich unbewusst zum zweiten Teil einer Buchreihe gegriffen habe. Vieles erschloss sich im Laufe des Textes dennoch und die Szenen, in denen Magie gewirkt wurde, fand ich sehr plastisch und lebendig. Da die Hauptfiguren des Vorgängerromans außerdem andere waren glaube ich nicht in der Hinsicht zu vieles verpasst zu haben. Der Neugier halber werde ich mir den ersten Teil aber auch noch zu Gemüte führen.

 

Was ich auf jeden Fall positiv fand ist die Tatsache, dass wir hier trotz mittelalterlichem Setting keine Vorurteile gegenüber Homosexualität finden. Pearces Vater geht sogar soweit, dass er seinem Sohn eine Scheinehe mit Emmerich aufdrücken will, weil das in der Öffentlichkeit verschiedene Probleme bezüglich Emmerichs Magiefähigkeit erklären würde – es ist normalerweise nur der Königsfamilie und ihren Ehepartnern möglich Magie auszuüben, da man dazu ein besonderes Artefakt braucht (Juwele die als Herzen bezeichnet werden).


Auch die wenigen, aber recht ausführlichen Sexszenen zwingen einem kein Augenrollen auf. Die gemeinsamen Momente machen einen liebevollen Eindruck. Der Konflikt zwischen Menschen und Elfen und Emmerichs Trancewanderungen sorgen aber ohnehin dafür, dass man nicht in einer schnulzigen Dauerschleife gefangen ist, sondern auch mal Gefangene macht oder wackelige Allianzen mit einer eigentlich verfeindeten Fraktion eingeht.

Kurzum: The Northern Heart ist keine wahnsinnig innovative Erzählung, aber sie hat all die essentiellen Bestandteile einer klassischen Fantasyqueste mit einer warmherzigen Romanze. Irgendwie schafft es das Buch – trotz seiner sparsamen Beschreibung von Äußerlichkeiten bei Welt und Figur – eine unterhaltsame Lesezeit zu bescheren. Auch wenn es äußerlich nicht perfekt ist, kann ich das Buch empfehlen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/n/the-northern-heart

Von Kapiteln, Titeln & Überschriften

Autorenwispern

Ich weiß ja nicht so recht wie es in dieser Frage auf dem deutschen Buchmarkt genau aussieht, da ich seit Jahren fast nur noch englischsprachige Bücher lese. Die Rede ist von den Kapitel-Titeln.

Persönlich liebe ich es Bücher zu lesen, bei denen jedes Kapitel seine eigene Überschrift hat. Es scheinen aber nicht mehr sehr viele Autoren zu nutzen. Sie sind wohl irgendwann aus der Mode geraten, die Überschriften zu einem Kapitel. Meine Freundin und Kollegin Maike Claußnitzer hat sie in ihren Werken noch und Gail Carriger – mein nicht ganz so heimliches Idol – benutzt sie sowieso in all ihren Büchern. Neulich hat sie sich selbst Gedanken über die Betitelung von Kapiteln gemacht und erst da wurde mir klar, dass ich mit meiner Schreiberei wohl auch eher zu den Exoten gehöre. Denn auch ich vergebe sie in meinen Romanen mit großer Leidenschaft: die Kapitel-Titel.

Wenn ihr BRÏN lesen solltet – und das macht ihr bestimmt, nicht wahr? – dann werdet ihr dort auf eine ganze Schar von Überschriften treffen, von denen die meisten ein kleines Wortspiel sind oder eine bekannte Formulierung ein klein wenig verdrehen. Für den nerdigen Spaßfaktor, das muss sein. Mir machen diese Titel unheimlich viel Freude und über so manchem habe ich wirklich Stunden gebrütet, bis ich zufrieden war. Innerhalb der vielen Titel habe ich natürlich auch noch meine größeren und kleineren Lieblinge. Dabei ist aber eines immer gleich: Alle Titel geben einen Hinweis darauf, was in dem nun folgenden Kapitel passieren wird. So ähnlich funktionieren letztlich auch Buchtitel, nur dass man sich hier meistens noch wesentlich kürzer fassen muss. Ich liebe es mit der Titelfindung herumzuspielen, vielleicht haben meine Kapitel deswegen alle ihre eigene Überschrift. Damit ihr jetzt aber nicht einfach nur von mir zugeschwafelt werdet, spendiere ich euch hier mal einen bunt gemischten Auszug aus den Kapitelnamen in BRÏN:

 

Ein Mord zum Tee
Das kleine ABC für Aliens
Die Edana auf der Perle
Freunde mit gewissen Abzügen
Sommer, Sonne, Fangzahn

 

Natürlich brauchen nicht nur Kapitel ihre Titel. Allen voran braucht ein Roman erstmal einen Buchtitel. Als ich damals anfing mein Manuskript, bzw. erstmal das Exposé, an die Agenturen zu schicken, sagte mir meine Freundin Simone schon: »Mach dir keinen zu großen Kopf um den Buchtitel, der wird vom Verlag wahrscheinlich eh geändert.« Natürlich habe ich mir trotzdem den Kopf zerbrochen und natürlich wurde der Titel später geändert. It`s madness!

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/von-kapiteln-titeln-und-uberschriften

Roboter, Cyborgs und Bienen: 4 dystopische Kurzgeschichten


Das Clarkesworld Magazine ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, Autoreninterviews und anderen thematisch passenden Beiträgen. In der Ausgabe 125 treffen sich vier neue (neben zwei nachgedruckten) Geschichten verschiedener Autoren, zum Thema dystopische Zukunft.

AssassinsJack Skillingstead and Burt Courtier Bewertung: 4 von 5 Sterne
Sonia ist Programmiererin. Sie arbeitet für die Editoren, die Charaktere für die virtuelle Welt Labyrinthian erschaffen. Zuschauer besuchen diese Welt mithilfe ihrer besonderen Brillen und erleben dort Freundschaften und Beziehungen mit fiktiven Figuren. Doch seit die Editoren Sonias Lieblingscharakter »gestrichen« haben, ist sie nicht mehr dieselbe. In der Rolle ihres Avatars Simone The Slayer rächt sie sich an den Editoren, indem sie die beliebtesten Charaktere der virtuellen Welt ermordet.
Die Grenzen zwischen Realität und virtueller Umgebung sind in dieser Geschichte fließend. Die Menschen stecken eine intensive Zuneigung in fiktive Figuren und manchmal werden sie so große Fans von ihnen, dass sie ihr Äußeres an diese Figuren in der realen Welt angleichen. Spannend ist dabei, dass die emotionalen Auswirkungen über den Tod einer virtuellen Figur, dennoch sehr real und schmerzlich für die Menschen ist, die einen geliebten »Menschen« verlieren.
Eine spannende und lesenswerte Geschichte, die ich als Buchwurm, der sich regelmäßig in fiktive Figuren verliebt oder ihren Tod beweint, mehr als nachempfinden kann.

Prosthetic DaughterNin Harris Bewertung: 2 von 5 Sterne
Mit Prosthetic Daughter hatte ich leider große Schwierigkeiten. Grob betrachtet geht es um Identitätsdiebstahl und zwar einen, der tatsächlich jegliche Erinnerungen an das eigene Ich stielt. Möglich ist es dadurch, dass alle Menschen Cyborgs sind und so eine Art Erinnerungschip im Gehirn haben. Erinnerungen sind also rein digital gespeichert und löscht jemand diese Erinnerung, weiß man absolut nichts mehr über sich, nicht einmal die Familie erinnert sich an einen. Soweit so gut. Was ich nicht verstanden habe ist der Einwurf von Zeitreise-Aufträgen, wobei nie wirklich in der Zeit gereist wird. Dafür springt aber die Handlung immer wieder an verschiedene Momente der Protagonistin, mal vor, mal zurück, aber dann doch in Erinnerungen, obwohl die Erinnerungen ausgelöscht sein sollten. Das ganze wirft mehr Fragen auf, als Antworten geboten werden. Was ist der ominöse Auftrag, der gelegentlich erwähnt wird? Was war nun die ausgebuffte Falle, in die die Identitätsdiebin offenbar munter hineingetappt ist? Was genau hat die Erwähnung von Zeitreisen in dieser Geschichte zu suchen? Ich hatte den Eindruck viele angefangene Ideen zu vor mir zu haben, die auf zu wenig Raum komprimiert werden mussten. Es war mir alles zu bruchstückhaft und es hätte nicht geschadet ein paar »glatte« Übergänge vom einen zum anderen Ereignis zu schaffen und hier und da auch mal eine Antwort zu geben. Schade, denn die Grundidee finde ich eigentlich recht spannend.

How Bees FlySimone Heller Bewertung: 5 von 5 Sterne
Als Fan der Autorin und von post-apokalyptischen Szenarien, hat mich How Bees Fly mit seiner etwas düsteren und dystopischen Stimmung gleich in ihren Bann gezogen. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der nicht menschlichen Salpe, die ihre von kleinauf angelernten Ängste und Vorurteile gegenüber der »Dämonen« auf die Probe gestellt sieht als sie zwei solcher Kreaturen begegnet. Selbst verletzt, wäre sie ein leichtes Opfer, doch die Dämonen sind anders als in den Geschichten und während sie Salpe pflegen, sieht die zu, wie liebevoll die beiden Dämonen auch miteinander umgehen. Salpe bekommt Zweifel an dem, was man ihr all die Jahre beigebracht hat.
Ich finde die Grundaussage dieser Geschichte gerade wieder brandaktuell, geht es doch darum über die eigenen festgefahrenen Ansichten hinauszublicken und nicht blind Parolen nachzubrüllen oder Feindbilder einfach nur hinzunehmen. In How Bees Fly werden wir daran erinnert, dass die Dinge aus der Nähe betrachtet oft anders sind als wir zu wissen glauben, und dass wir uns die angelernten Ängste und Feindbilder genau ansehen sollten, bevor wir ihnen blind vertrauen. Denn manchmal steckt hinter dem Vermeintlichen nichts weiter als Mythos und Aberglaube.
Als Bonus zu dieser unaufdringlich tiefgründigen Aussage gibt es auch noch verlorenes Wissen um technische Gimmicks, wie etwa Bienen, die ihre Energiezellen durch Sonnenlicht aufladen. Ein sprachgewandtes und emotional rührendes Stück SF das mir wirklich gut gefallen hat.

Rain ShipChi Hui Bewertung: 4 von 5 Sterne
In ferner Zukunft ist die Menschheit verschwunden. Stattdessen gibt es nun eine Rasse von intelligenten Ratten, welche die archäologischen Reliquien der Menschheit erforscht. Als ein riesiges Menschenschiff gefunden wird, dessen Technologie noch zu funktionieren scheint, ruft das Grabräuber und Archäologen auf den Pan. Im Handumdrehen entsteht eine tödliche Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien.
Bei dieser durchaus phantasievollen und temporeichen Story wurden etliche Fußnoten in den Anhang gepackt. Ich empfehle diese einmal vor der Lektüre von Rain Ship zu lesen. Es genügt vollkommen die Infos grob im Hinterkopf zu haben, da sich die Geschichte prima ohne ständiges Blättern zum Anhang verstehen lässt, das doch eher den Lesefluss stört. Insgesamt ein unterhaltsames und gewitztes Weltraumabenteuer mit einer etwas anderen Heldin.

Unterm Strich eine qualitativ hochwertige Sammlung von Kurzgeschichten, die für mich nur einen Ausreißer hatte.

Div. Autoren: Clarkesworld Issue 125
Verlag: clarkesworldmagazine.com, 2017
ISBN: 9781890464820
143 Seiten, TB
Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/c/clarkesworld-issue-125

Die Schöne und das Biest und Roboter!

Ensnared - Rita Stradling

»No need for a tow truck,« Alainn yelled. With another black cloud backfiring its farewell, her piece of scrap metal turned back onto the street.
– Chapter 1


Mit Ensnared begeben wir uns in die Welt einer neuen Märchen-Neuinterpretation, diesmal anhand der Geschichte von Die Schöne und das Biest! Dabei liefert das Buch mehr als man zunächst erwartet und verlegt die Handlung in eine nicht näher definierte Zukunft, in der künstliche Intelligenzen und Roboter zum Alltag gehören. Trotzdem wirkt die Szenerie nicht zu weit entfernt und trägt einen Hauch altmodischen Steampunks mit quietschenden Schrauben und tropfenden Ölkännchen in sich.

Die Schöne in Ensnared wird hier von Alainn verkörpert, der Tochter des etwas schusselig wirkenden Erfinders. Mit ihrem Charakter warm zu werden ist mir ein wenig schwer gefallen, da sie sich zu oft als Spielball benutzen lässt, obwohl sie eigentlich nicht auf den Kopf gefallen ist. Sie macht es ein wenig wett dadurch, dass sie einen knackigen Humor hat. Sowohl Alainns Vater als auch ihr Bruder Colby gehören dagegen zur Gattung »verrückter Professor«. Sie versinken so tief in ihren Forschungen, dass sie ihre Umwelt nicht recht zu bemerken scheinen und gerade zu Beginn kaltherzig und egoistisch wirken. Die häusliche Arbeit bleibt an Alainn hängen und die Fürsorge für ihren Vater führt schließlich dazu, dass sie sich freiwillig als Ersatz für den Roboter Rose in Lorccans Turm schicken lässt. Weder Vater noch Bruder protestieren in irgendeiner Form, dass Alainn für die Fehler ihres Vaters geradestehen will.

Neben den bereits bekannten Elementen der ursprünglichen Geschichte, fügt die Autorin Ensnared immer wieder auch eine bittere Note hinzu. Sie entfernt erfreulicherweise das oft kritisierte Stockholmsyndrom von „Belle“ und erzählt stattdessen die Geschichte zweier Menschen die jeder für sich, und letztlich beide gemeinsam, in ihrer jeweiligen Vergangenheit und Gegenwart gefangen sind. Die Figuren haben alle irgendeine Form von mentaler oder körperlicher Schädigung erlitten, viele von ihnen kämpfen seit Jahren gegen ihre Traumata an. Aus meiner Sicht hat es Lorccan, das Biest, am Schlimmsten erwischt. Rose 76GF hatte er in Auftrag gegeben, um zu lernen wie man mit Menschen spricht und umgeht, denn er hat sein Leben bisher ohne echten menschlichen Kontakt, zurückgezogen in seinem Turm, geführt. Die Gründe dafür habe ich als unglaublich traurig empfunden, weil sie oft weniger dramatisch gesehen werden als andere Dinge, aber sie zeugen von einem so tiefen und prägenden Vertrauensbruch, dass ich nicht umhin konnte einen gewissen Beschützerinstinkt zu empfinden. Überhaupt gibt es in Ensnared viele innovative Ideen und Änderungen an der Vorlage, es gibt aber auch Dinge die ich als moralisch richtig falsch empfinde. Die Beziehung zwischen Lorccan und Alainn ist gleichzeitig süß und traurig, an bestimmten Entwicklungsstufen aber auch einfach nur verwerflich, was Alainns Verhalten angeht.

Ich fand es teilweise schwierig zu glauben, dass man einen Menschen für einen Roboter halten kann. Auf die Distanz betrachtet vielleicht noch möglich, aber wie im Märchen entwickelt sich auch zwischen Lorccan und Alainn im Laufe der Zeit eine ebenso emotionale wie körperliche Nähe und da hatte ich dann meine Probleme. Man mag argumentieren, dass Lorccan keine Vergleichsmöglichkeit hat, da er außer seinen Eltern, nie einem Menschen tatsächlich real gegenüber gestanden hat. Trotzdem muss man sich etwas zwingen, ab einem gewissen Grad an Intimität, beide Augen zuzudrücken. Inhaltlich ist hier auch wieder eine kleine Warnung angebracht in Hinblick auf das Lesealter: es gibt recht blumig geschilderte Sexszenen, die zwar geschmackvoll umgesetzt sind, aber eben trotzdem nicht in Kinderhände gehören.

Da ich dieses Buch in einer noch unveröffentlichten Rezensionsfassung erhalten habe, hoffe ich, dass manche Mängel bis zum Release noch ausgemerzt werden. Denn es gibt stellenweise Längen die nicht sein müssten, Erzählperspektiven von Randfiguren die keinerlei Mehrwert haben und hier und da spröde Übergänge in der Handlung oder unzureichend geklärte Fragen. Es steckt aber so viel Potential in dieser Fassung, dass es trotzdem schon jetzt eine bewegende Geschichte mit unerwarteten Wendungen ist. Außerdem jagt einem diese ganze K.I. Sache einen Schauer über den Rücken, dass man die gruselige Wirkung schon wieder bewundern muss.

Fazit: Ensnared hat in der gegenwärtigen Fassung noch ein paar Defizite, trotzdem habe ich es in zwei Tagen weginhalieren müssen. Das Szenario macht Spaß und die nach und nach herausgeschälten Wahrheiten fügen diese Prise Kummer hinzu, die eine Geschichte bittersüß machen. Wer also Märchenneuerzählungen, Roboter und künstliche Intelligenzen mag, der wird mit Ensnared nichts falsch machen können und gelegentlich auch mal einen Lacher loslassen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/e/ensnared

BRÏN: Cover Release!

BRÏN - Sameena Jehanzeb

Tada! Woohoo! und Yippieyayay! Es ist soweit! Zeit euch den vollständig enthüllten Buchumschlag meines Romans BRÏN zu zeigen (s.u.).

Wie ich hier schon erwähnte, hatte ich das unglaubliche Glück, dass ich gebeten wurde das Coverdesign zu meinem Roman selbst zu gestalten. Im ersten Moment habe ich mich gefreut aber im zweiten Moment war mir erstmal mulmig zumute. Warum? Weil ich es unheimlich schwierig finde Dinge für mich selbst zu gestalten. Wenn ich illustriere und entwerfe, dann bin ich immer sehr pedantisch und selbstkritisch, aber normalerweise herrscht eine gewisse Distanz zu den Arbeiten, weil sie für andere Kunden entstehen und mir nicht derart nahe gehen. Da ist man auch mal enttäuscht, wenn eine tolle Idee abgelehnt wird, aber so be it! Bei dem Buchumschlag zu BRÏN war das allerdings zu 200% ein Herzensprojekt, so dass ich zwischenzeitig Angst hatte, dass ich niemals in der Lage wäre eine Gestaltung zu finden, mit der ich wirklich zufrieden sein könnte. Ich wollte etwas machen, was das Wesen des Romans einfängt, aber nicht so sehr ins Detail geht, dass zu viele Dinge definiert werden. Gesichtszüge z.B. oder die Architektur eines bestimmten Turms. Eine eher grafische Lösung schien mir sympathischer, als eine realistisch ausgearbeitete Illustration. Gleichzeitig sollte es aber auch nicht zu grafisch, also nicht zu eindimensional werden.

Mein erster Versuch BRÏN ein Gesicht zu verleihen ist dann auch direkt gescheitert und wurde abgelehnt. Meine Zweifel wuchsen. Eine ganze Woche zog ins Land und keine Muse wollte mich küssen. Die zweite Woche verging und noch immer tanzten die Musen auf einer anderen Party, zu der ich nicht eingeladen worden war. Aber dann, am Wochenende bevor die dritte Woche mich in das Tal der Verzweiflung stoßen konnte, schoss mir plötzlich ein Geistesblitz durch den Kopf und das Motiv entfaltete sich vor meinem geistigen Auge wie eine getrocknete Jasminblüte im heißen Teewasser. Ich sah die Sterne des Alls, das Leuchten der Magie, die Farben meiner Windwächterin. Ich sah Silhouetten und leuchtende Kanten, Rauch und glühende Augen. In einem Rausch skizzierte ich die einzelnen Elemente, klopfte sie zu einer hässlichen und groben Version meiner Idee zusammen und schickte den Entwurf hoffnungsvoll an den Verlag. Nervös wartete ich auf das Feedback und fragte mich, wie groß das Ausmaß meines zerstörten Daseins sein würde, wenn der Entwurf abgelehnt werden sollte. Glücklicherweise musste ich nicht lange warten und erhielt zu meiner großen Erleichterung, ein begeistertes: »Ja! Das ist es!«

Von da an ging alles irgendwie sehr schnell. In meinem Kopf war schließlich alles schon fertig und so musste ich meine groben Skizzen nur noch Element für Element sauber skizzieren und zu einem farbprächtigen Ganzen zusammenfügen. Und da sind wir nun. Voller Stolz präsentiere ich euch den Buchumschlag zu BRÏN:
Buchumschlag BRÏN von Sameena JehanzebWas haltet ihr von dem Ergebnis?

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/brin-cover-release

Gute Fee gefangen zwischen Bürokratie und Millenial-Zicken

Tread Lightly - Catherine Lane

Claire hat es nicht leicht in ihrem Job als gute Fee. Vorbei sind die einfachen Zeiten, als man ein Mädchen bloß mit dem richtigen Prinzen verkuppeln musste. Die Frauen des 21. Jahrhunderts dagegen haben allzu oft kein Interesse daran von einem Prinzen gerettet zu werden. Aber was will man machen, wenn sich die Welt zwar weitergedreht hat, der Arbeitgeber dagegen noch immer an dem eingestaubten Regelwerk von vor 600 Jahren festhält? Gelangweilt und mitunter genervt erfüllt Claire ihre Pflicht und kümmert sich um die verzogenen Biester, die lieber mit ihr diskutieren als pünktlich auf dem Fest zu erscheinen. Claires neuer Fall dagegen wirkt zunächst vielversprechend. Blöderweise ist Tamiel, Konkurrenz aus Reihen der Schutzengel, auch schon vor Ort, um sich den neuesten Schützling unter den Nagel zu reißen. Noch bevor Claire die Chance hat auf Tamiels Anwesenheit zu reagieren, taucht ein Dämon auf und das Chaos bricht aus.

Claire pointed Carothann at a cockroach darting around the fridge. It instantly straightened up into a lanky man decked out in a chauffeur’s hat and coat. Normally she would have chosen the more reliable spider in the opposite corner, but roaches were fast drivers, and Abby was getting later by the second.
– Chapter 1


Sie begegnen uns immerzu als charmante Randfiguren in Märchen: die guten Feen, die ihren Zauberstab schwingen um aus Kürbissen goldene Kutschen zu machen und aus Lumpen festliche Ballkleider. In Tread Lightly allerdings wird die gute Fee zur Hauptfigur vor der Kulisse des 21. Jahrhunderts, und das ist eine mitunter urkomische Sache. Denn der Feminismus hat das Geschäft mit den Traumprinzen ganz schon leiden lassen und statt Dankbarkeit erhalten die Feen Forderungen nach Designerkleidern und dem neuesten iPhone. Noch dazu schnappen die konkurrierenden Schutzengel den guten Feen immer öfter die Schützlinge unter der Nase weg und sorgen damit für schlechte Erfolgsquoten im Feen-Büro. Das klingt nicht nur so als ob es amüsant sein könnte, Tread Lightly ist tatsächlich mehr als einen Lacher wert!

Der Weltenbau in dieser kurzen Geschichte allerdings ist simpel. Er lebt vor allem durch Claires Wahrnehmung ihrer Umwelt und der Schilderung ihrer Arbeit. Das FGC (Fairy Godmother Council) ist der Bürokratie anheim gefallen und für jeden Schwung mit dem Zauberstab gilt es mindestens ein Formblatt auszufüllen. Das nimmt dem Leben als Fee durchaus den Spaß an der Sache und die inkompetente Chefin macht es auch nicht besser. Claire hat einst die größten Liebesgeschichten mitgeschrieben. Von Cinderella über Sleeping Beauty bis hin zu Kate Middleton, hat sie die perfekten Liebespaare zu einem glücklichen Ende geführt, doch ihr eigener Alltag ist ziemlich dröge und glanzlos geworden. Erst als sie mit Schutzengel Tamiel aneinander gerät, kommt wieder Schwung in ihr Leben.

Tamiel ist ein Engel deren Zunge ebenso scharf ist wie das brennende Schwert in ihrer Hand. Claire hat Vorurteile gegenüber dem Engel, bringt man den Feen doch in speziellen Schulungen bei, dass die GA (Guardian Angels) Gedankenkontrolle beherrschen und ihnen nicht zu trauen ist. Entsprechend vorsichtig ist Claire Tamiel gegenüber. Aufgrund der Umstände sind Engel und Fee nun aber gezwungen zusammenzuarbeiten, was vor allem Claire klarmacht, wie wenig sie eigentlich von der Welt weiß und wie blind sie den Aussagen des FGC vertraut hat. Kaum etwas ist so wie es scheint in Tread Lightly.
Im Grunde geht es hier normalerweise locker zu, das Büchlein beschäftigt sich aber auch mit blindem Vertrauen, angelernten Vorurteilen und der Überwindung solcher.

Tread Lightly ist ein flotter, humorvoller Lesestoff mit teils erotischen oder absurd witzigen, aber eindeutig Erwachsenen Szenen. Entsprechend ist diese Kurzgeschichte nicht für Kinder geeignet. Der Weltenbau kommt dabei etwas kurz, hier und da hätte die Handlung etwas mehr Ausarbeitung vertragen, und gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse. Wer aber leichte Unterhaltung und Heiterkeit sucht, statt epischer Dramaturgie, dem kann ich diese Geschichte nur ans Herz legen. Aus meiner Sicht lohnenswert.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/t/tread-lightly

Ein Buch entsteht: BRÏN und der Klappentext

Teaser: Ein Buch entsteht: BRINWie versprochen geht es diese Woche mit dem Klappentext für BRÏN weiter und wer hier mitgelesen hat wird wissen, dass das keine leichte Geburt war. Einen so kurzen Text zu verfassen, der ein ganzes Buch schmackhaft machen soll und dabei doch kaum etwas verraten darf, ist eine Kunst, die ich nicht beherrsche. Jedenfalls nicht bei meinem eigenen Buch, dafür bin ich wohl viel zu nah an den Charakteren und Geschehnissen dran. Alles ist aus meiner Sicht wichtig, die besten Dinge werden verschwiegen und was ist mit all den schönen Wortspielen, die ich mir unter Einsatz von viel Hirnschmalz nicht nur für die Kapitel-Überschriften ausgedacht habe?

 

Nach drei oder vier Versuchen, bei denen ich mir eher wie ein Einbeiniger bei einem Marathon vorkam, hat meine Verlegerin dann erst einmal eine Auszeit verordnet um selbst einen Vorschlag machen zu können. Dabei ist sie durchaus auf meine vorherigen Versuche eingegangen und hat auch hier und da einen meiner Sätze übernommen. Es hat trotzdem zwei Anläufe gebraucht, bis ich dann endlich soweit zufrieden war, dass ich den Klappentext absegnen konnte.

Gelernt habe ich daraus immerhin, dass ein Klappentext sehr viel mehr Disziplin verlangt als man denkt und dass ich zwar gut darin bin Geschichten zu schreiben, aber nicht darin Geschichten kurz und knackig zu beschreiben. Nicht die eigenen jedenfalls. Macht der Text euch nun neugierig? Ich kann es einfach nicht beurteilen. Es fehlt ja so entsetzlich viel!

Der fertige Klappentext:

Juno kämpft sich nach vielen Enttäuschungen durchs Leben. Bis zu dem Tag, als sie in eine Pfütze stolpert – und sich auf dem fremden Planeten Brïn wiederfindet …

Im mittelalterlichen Frankreich gesteht die heranwachsende Jeanne ihrer Freundin Marie ihre Liebe. Sie ahnt nicht, welche Folgen das für sie hat …

Die Führerin und magische Stimme des Planeten Brïn ist tot – der Planetenschild geschwächt, die Portale zu anderen Welten brechen zusammen …

So weit diese Ereignisse auseinander zu liegen scheinen, sind sie doch auf fantastisch-skurrile Weise miteinander verwoben. Brïn ist ein Planet voller Mystik und Magie. Wächter beschützen ihn vor Angriffen bizarrer Kreaturen und ein bestialischer Mörder treibt sein Unwesen.

Wie ein roter Faden ziehen sich dabei die Schicksale zweier Frauen, die über Raum und Zeit miteinander verbunden sind, durch den Strudel der Ereignisse.

Zum Schluss noch ein paar technische Infos zu BRÏN:

Verlag: Butze
Format: ca. 21 x 15 cm
ISBN-10: 3940611573
ISBN-13: 978-3-940611-57-4
Paperback: 18,95€
eBook: 12,99€
Erscheint: ∼ 01. Juni 2017

Teaser: Ein Buch entsteht: BRINDie Seitenzahl ist noch nicht abschließend geklärt. Im aktuellen Ist-Zustand umfasst BRÏN ca. 131.000 Worte auf 572 Normseiten, die nun erst einmal in ihre endgültige Form gebracht werden müssen. Davor steht aber erst noch das Lektorat an (bei dem vermutlich vor allem entlaufene Kommas eingefangen werden müssen…), und das Verfassen einer kleinen Hilfestellung bei der korrekten Aussprache der Namen, denen ihr in BRÏN begegnen werdet. Vielleicht auch ein klassisches Nachwort? Mal überlegen…

Was aber erzähle ich euch im nächsten Artikel? Vielleicht etwas darüber, wie der Buchtitel nun zustande gekommen ist? Warum es nicht der ursprüngliche Arbeitstitel geworden ist und wie der eigentlich lautete? Oder doch lieber mehr über den Buchumschlag?

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/ein-buch-entsteht-brin-und-der-klappentext

Ein Buch entsteht: BRÏN

Ein Buch entsteht: BRÏN
Die Veröffentlichung meines ersten Romans rückt ein Stückchen näher und die Aufregung wächst! Im Juni 2017 ist es endlich soweit. Auf den Tag genau steht das Datum noch nicht fest, denn es muss noch einiges getan werden, auf dem Weg zum gedruckten Buch. Aber wir machen Fortschritte und ich möchte euch gerne einladen, mich in den nächsten Wochen und Monaten auf dieser abenteuerlichen Reise zu begleiten, auf der ich euch ein wenig über die Zwischenschritte bei der Entstehung des Buches berichte.

Heute möchte ich zunächst einmal damit beginnen, dass wir einen Titel festgelegt haben. Der Roman wird den Namen BRÏN tragen – das ist der Name der Welt, auf der die Handlung hauptsächlich spielt. Brïn ist eine von Magie durchzogene, aber auch eine fortschrittliche Welt die über Zeit und Raum hinweg, eng mit der unsrigen verbunden ist. Es wird einiges zu lachen geben, aber auch Momente in denen man die Zähne zusammenbeißen muss. Eine bunte Mischung aus Ernst und Leichtigkeit, aus Liebe, Mord und Verrat.

Hier ein zunächst winziger Einblick in die Inhaltsbeschreibung:

Juno kämpft sich nach vielen Enttäuschungen durchs Leben. Bis zu dem Tag, als sie in eine Pfütze stolpert – und sich auf Brïn, einem Planeten voller Mystik und Magie, wiederfindet … Wie das mit dem Tod der Führerin Brïns, dessen geschwächten Planetenschild und Jeanne, einem Mädchen aus dem mittelalterlichen Frankreich zusammenhängt, ist ebenso fantastisch wie skurril.
(Text: Butze Verlag)


Teaser: Brïn von Sameena JehanzebEs gibt, wie man sieht, auch schon ein Cover. Das wird in den nächsten Wochen nach und nach ein Stück weiter entblättert, während ich euch etwas neues über BRÏN berichte. Der Buchumschlag entspricht dabei zu 100% meiner Vorstellung, weil – und nun kommt der Clou – ich ihn selbst gestalten durfte. Ihr werdet ja vielleicht mitbekommen haben, dass ich eigentlich Grafikdesignerin und Illustratorin bin von Beruf, und so hatte ich das große Glück, dass mir angeboten wurde, das Cover zu meinem Roman doch gleich selbst zu gestalten. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden und ich kann es kaum abwarten zu erfahren, was ihr zu dem finalen Motiv sagen werdet!

Für heute soll das erst einmal reichen. Beim nächsten Mal erzähle ich euch dann, wie mein Kampf mit dem Klappentext ausgegangen ist und was ich euch schon über Buchformat, ISBN-Nummer und andere technische Details verraten kann.

BRÏN wird übrigens über den regulären Buchhandel, direkt beim Verlag aber natürlich auch über Amazon & Co. beziehbar sein. Als Printausgabe ebenso wie als eBook.

Ihr habt jetzt schon Fragen? Dann schreibt sie mir in die Kommentare!

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/ein-buch-entsteht-brin

Stimmungsvolles San Francisco der 1940er Jahre

Passing Strange - Ellen Klages

Helen Young ist mit ihren gut 100 Jahren das letzte noch lebende Mitglied einer Gruppe von Freundinnen, die sich in den 1940er Jahren kennengelernt hat. Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ist auch ihre Zeit abgelaufen. Doch bevor sie von Alter und Krankheit niedergestreckt wird, gibt es noch etwas zu klären. Ein alter Schwur muss erfüllt und eine Geschichte erzählt werden.

Helen Young went into her bedroom. She changed into a pair of blue silk pajamas, brushed her hair, and put on a touch of lipstick. Then she got into bed, turned out the light, and went to sleep for the last time, humming a Cole Porter tune until she and the melody simply drifted away.
– Three


Vom Film Noir, übers Kabarett, hin zu den Groschenheften (genauer: Pulp Fiction) mit ihren grotesken Illustrationen auf dem Deckblatt: Passing Strange ist ein Buch für NostalgikerInnen und entführt uns in die 1940er Jahre von San Francisco, wo sechs Freundinnen versuchen in einem patriarchalisch bestimmten Alltag ihr Leben zu meistern. Diese Frauen sind intelligent, stehen für Wissenschaft, Kunst und einen Hauch von Mysterium. Viel Spielraum haben sie dabei aber nicht. So schön das Buch ist, so froh bin ich nach dieser Lektüre auch, dass sich die Frauenrechte seither deutlich verbessert haben. Angesichts der aktuellen politischen Lage kann ich nur inständig hoffen, dass wir nicht in diese Zustände der 40er zurückfallen…

Aber genug schwarzmalerische Zukunftssorgen. Passing Strange ist ein kurzweiliges Lesevergnügen mit einem lebendigen Blick auf die damalige Zeit. Die Handlung springt dabei in der Erzählung von der Gegenwart in die Vergangenheit und später wieder zurück. Ich kann nicht behaupten, dass ich sehr viel über die 40er weiß oder über San Francisco, aber die geschilderte Szenerie, die Bars mit ihrem bunten Publikum, die feinen Zwirne und Satinkleider, die feiernden Matrosen auf Landgang, das starke rechtliche Ungleichgewicht zwischen den Geschlechter und denen, die aus der Norm fallen, das alles wirkt überzeugend und sehr lebendig. Genauso lebendig ist auch die Kunst in dieser Geschichte. Sie springt einen in Form der Art Deco Architektur an, in Form der Wände füllenden Malerei eines Pablo Picasso, einer exzentrischen Frida oder der Kreidemalereien einer Loretta Haskel. In Passing Strange stolpert man öfter mal über namhafte Persönlichkeiten, die ganz normal und beinahe ruhmlos erscheinen. Nachvollziehbar wenn man bedenkt, dass sie erst nach ihrem Tod zu solchen Ikonen der Kunst wurden.

Die Hauptcharaktere dieser Erzählung sind Frauen, die im Verborgenen soziale Normen brechen und ein Leben führen das sie die Freiheit kosten würde, wenn irgendjemand davon erführe. Manche von ihnen müssen sich Rassenvorurteilen unterwerfen, andere dem Verbot von Homosexualität und Cross-Dressing, eine der Freundinnen ist womöglich eine Hexe und wieder andere müssen gegen gewalttätige Ehemänner bestehen. Mit wenigen, aber dafür sehr wohl platzierten Strichen, zeichnet die Autorin eine ebenso kunstvoll schöne, wie deprimierend detaillierte Ära, deren optische Eleganz wir heutzutage bewundern, während wir die Schattenseiten nur zu gerne übersehen. In Passing Strange aber treffen sich beide Seiten der Medaille.

Es gibt in diesem Buch einen leichten Hauch von Magie, den ich leider etwas unglücklich eingepflegt empfand. Der magische Trick, der hier zum Schluss hin ausgeführt wird ist zwar unheimlich interessant und herzerwärmend, wirkt aber nach einem zu 95% magiefreien Plot etwas fehlplatziert. Es wäre schöner gewesen, wenn die Autorin diesen magischen Teil durchgehend eingebracht hätte und nicht nur als praktische Lösung zum Schluss. Es ist aber nur ein kleiner Mangel in einem ansonsten stimmungsvollen und kurzweiligen Lesevergnügen, das seine witzigen Momente hat.

Passing Strange ist ein bitterschöner Ausflug in eine romantisierte Ära, die trotz ihrer harten Züge auch sehr viel Herzlichkeit enthält und eine Art von Zauber, der nichts mit Magie zu tun hat. Ich kann diese Erzählung schon wegen der imposanten Kulisse und der allgegenwärtigen Kunst nur empfehlen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/p/passing-strange

Kennt ihr eigentlich...

... den Cover Monday schon?

Cover Monday Header

Bei dieser Aktion stellen Blogger wöchentlich ein Buchcover vor das ihnen besonders gefällt. Es spielt keine Rolle aus welchem Genre oder Land es kommt, ob ihr das Buch schon gelesen habt oder gar nicht vorhabt es zu lesen. Hier geht es rein um die Optik und darum, was euch gefällt!

Vielleicht hat hier jemand Lust mitzumachen. Ein Beispiel* dazu und mehr Infos darüber wie es funktioniert findet ihr hier auf meinem Blog.

Würde mich freuen, wenn sich hier noch ein paar begeisterte Cover-Suchtis finden würden.

#CoverMonday #MoyasBuchgewimmel

 

*) Wenn booklikes nicht so ein pain-in-the-ass wäre, was die Formatierung und die Ladezeiten anginge, würde ich es direkt hierher posten, aber das machen meine Nerven einfach nicht mit.^^ Ihr dürft aber selbstverständlich gerne eure booklike-Blogs bei der Aktion benutzen. Tragt einfach die entsprechende URL zu eurem Beitrag in die Linkliste ein.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/cover-monday

Starker Anfang, fader Ausklang

We Are All Completely Fine - Daryl Gregory

Ein Buch über eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die Opfer oder Zeugen übernatürlicher Phänomene geworden sind, ist Mal etwas anderes im Fantasy-/ Horrorregal. Ich gestehe, dass ich hier etwas eher humorvolles erwartet hatte, was allerdings nicht der Fall war.

In We Are All Completely Fine (dt.: Uns geht’s allen total gut) treffen wir auf fünf traumatisierte Patienten und ihre Therapeutin. Alle Mitglieder der Gruppe sind verschlossen und keiner traut dem anderen. Wie zu erwarten beginnt der Roman also zunächst damit, dass sich die Patienten untereinander erst kennenlernen und Vertrauen zueinander finden müssen. Innerhalb der Gruppe sind zunächst alle, mit Ausnahme von Stan, eher verschlossen und geizen mit Informationen darüber, was ihnen eigentlich im Detail passiert ist. Das erfährt man erst nach und nach in perspektivisch wechselnden Kapiteln. Die Erzählform passt zu der Geschichte und zeigt auf, welche Geheimnisse die Patienten trotz ihrer Selbsthilfegruppe nicht zu teilen bereit sind, mit welchen inneren Dämonen sie sich alleine schlagen. Während andere diese stetigen Perspektivwechsel bemängeln, fand ich das sehr spannend.

Die Figuren in We Are All Completely Fine haben durchaus schaurige Dinge hinter sich. Einer hat die Gefangenschaft in einer kannibalischen Familie überlebt, wenn auch stark verstümmelt. Ein anderer ist ein Ex-Dämonenjäger und noch ein anderer kann als einziger Monster sehen, die boshafte Ideen in die Köpfe der Menschen flüstern. Besonders unter die Haut gegangen ist mir die Geschichte einer Frau, die einen Serienmörder überlebt hat, seither aber keine Ruhe findet, weil er eine Nachricht in ihre Knochen eingeritzt hat. Dass sie nie die Gelegenheit hatte herauszufinden was das für eine Nachricht ist, treibt sie seither um. Die einzelnen Hintergrundgeschichten sind dabei alle recht verstörend und mal mehr, mal weniger eindringlich, zeichnen aber alle ein sehr individuelles Bild der Figuren. Mit der soliden Charakterzeichnung fing das Buch also zunächst vielversprechend an, auch wenn sich innerhalb der Gruppe eine recht klassische Rollenverteilung zeigt. So feinden sich die männlichen Gruppenmitglieder zunächst offen an, während die Frauen entweder eingeschüchtert schweigen oder zu schlichten versuchen.

Leider driftet die zweite Hälfte des Romans dann immer weiter in eine wenig überraschende Allerwelts-Horrorgeschichte ab ohne tatsächlich gruselig zu sein. Eine Entwicklung die ich als recht schade empfunden habe, da es mich viel mehr interessiert hätte zu erfahren, wie die Patienten weiter mit ihren schrecklichen Erinnerungen oder noch ungelösten Problemen zurechtkommen. Stattdessen befindet man sich plötzlich wahlweise auf der Flucht vor – oder auf der Suche nach – einem Djinni-Kult,rast quer durch irgendeine US-Stadt deren Name ich schon wieder vergessen habe (war es New York? … hm), Gebäude werden dem Erdboden gleichgemacht, Menschen sterben, dämonische Kreaturen kriechen nebenbei durch die Straßen. Was mir sehr missfallen hat war, dass hier mit dem Djinni-Thema zwar mal eine fernöstliche Sagengestalt benutzt wird, leider wird der ebenso fernöstlich stämmige (rein weibliche) Kult zum Feindbild und wie eine Art Schläferzelle präsentiert, die auf den einen großen Moment des Zuschlagens wartet. Gegen wen genau der Kult sich richtet erfährt man übrigens nicht, aber sie haben diese besondere Waffe für irgendein Ereignis, auf das sie warten. Ob dieser Fremdenfeindliche Eindruck nun vom Autor provoziert war möchte ich dabei gar nicht unterstellen, mir als Frau und in einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit wieder ein verstärktes Thema ist, fällt das einfach nur sehr negativ auf. Der Kult benutzt zudem das „unschuldige weiße Mädchen“ für seine Machenschaften und spätestens da waren es mir zu viele der unglücklich kombinierten Kleinigkeiten. Nebenbei schwingt da auch noch so ein halb subtiler Männerhass in dem Frauenkult mit. Ich weiß nicht genau worauf der Autor damit hinaus wollte. Vielleicht hat er bloß versucht auf gewisse Problematiken hinzuweisen, doch zumindest bei mir ist er damit gescheitert und hat bei mir zwei recht negative Theorien aufkommen lassen. Wegen all dieser Kleinigkeit weigere ich mich jedenfalls dieses Buch als Diversity-Read zu deklarieren, auch wenn arabische Frauen und Djinnis drin vorkommen.

So ganz kann ich das Buch also leider weder empfehlen noch davon abraten. Die erste Hälfte war gut und vielversprechend, sprachlich gut gemacht und die Idee der Selbsthilfegruppe war mal etwas Neues. Auf der anderen Seite nimmt die zweite Hälfte eine bedeutungslose Wende und überhäuft sich mit Klischees und Vorurteilen – oder von mir aus auch unbewusst unterstützten Vorurteilen. Ich hätte gerne mehr im Stil der ersten Hälfte gelesen und dafür auf die viel zu schnell erzählte zweite Hälfte verzichtet, die noch dazu mit etlichen offenen Fragen endet. Der erhoffte Humor ist selbstredend auch ausgeblieben.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/w/we-are-all-completely-fine