Moyas Buchgewimmel

Hi und willkommen auf meinen Seiten! Ich bin Sameena Jehanzeb, Autorin und Leseratte. Du findest hier alles Mögliche zum Thema Fantasy, SciFi und Anekdoten aus meinen Schreibprozessen.

Meinen eigentlichen Blog findest du auf www.moyasbuchgewimmel.de

Ein Buch entsteht: BRÏN und der Klappentext

Teaser: Ein Buch entsteht: BRINWie versprochen geht es diese Woche mit dem Klappentext für BRÏN weiter und wer hier mitgelesen hat wird wissen, dass das keine leichte Geburt war. Einen so kurzen Text zu verfassen, der ein ganzes Buch schmackhaft machen soll und dabei doch kaum etwas verraten darf, ist eine Kunst, die ich nicht beherrsche. Jedenfalls nicht bei meinem eigenen Buch, dafür bin ich wohl viel zu nah an den Charakteren und Geschehnissen dran. Alles ist aus meiner Sicht wichtig, die besten Dinge werden verschwiegen und was ist mit all den schönen Wortspielen, die ich mir unter Einsatz von viel Hirnschmalz nicht nur für die Kapitel-Überschriften ausgedacht habe?

 

Nach drei oder vier Versuchen, bei denen ich mir eher wie ein Einbeiniger bei einem Marathon vorkam, hat meine Verlegerin dann erst einmal eine Auszeit verordnet um selbst einen Vorschlag machen zu können. Dabei ist sie durchaus auf meine vorherigen Versuche eingegangen und hat auch hier und da einen meiner Sätze übernommen. Es hat trotzdem zwei Anläufe gebraucht, bis ich dann endlich soweit zufrieden war, dass ich den Klappentext absegnen konnte.

Gelernt habe ich daraus immerhin, dass ein Klappentext sehr viel mehr Disziplin verlangt als man denkt und dass ich zwar gut darin bin Geschichten zu schreiben, aber nicht darin Geschichten kurz und knackig zu beschreiben. Nicht die eigenen jedenfalls. Macht der Text euch nun neugierig? Ich kann es einfach nicht beurteilen. Es fehlt ja so entsetzlich viel!

Der fertige Klappentext:

Juno kämpft sich nach vielen Enttäuschungen durchs Leben. Bis zu dem Tag, als sie in eine Pfütze stolpert – und sich auf dem fremden Planeten Brïn wiederfindet …

Im mittelalterlichen Frankreich gesteht die heranwachsende Jeanne ihrer Freundin Marie ihre Liebe. Sie ahnt nicht, welche Folgen das für sie hat …

Die Führerin und magische Stimme des Planeten Brïn ist tot – der Planetenschild geschwächt, die Portale zu anderen Welten brechen zusammen …

So weit diese Ereignisse auseinander zu liegen scheinen, sind sie doch auf fantastisch-skurrile Weise miteinander verwoben. Brïn ist ein Planet voller Mystik und Magie. Wächter beschützen ihn vor Angriffen bizarrer Kreaturen und ein bestialischer Mörder treibt sein Unwesen.

Wie ein roter Faden ziehen sich dabei die Schicksale zweier Frauen, die über Raum und Zeit miteinander verbunden sind, durch den Strudel der Ereignisse.

Zum Schluss noch ein paar technische Infos zu BRÏN:

Verlag: Butze
Format: ca. 21 x 15 cm
ISBN-10: 3940611573
ISBN-13: 978-3-940611-57-4
Paperback: 18,95€
eBook: 12,99€
Erscheint: ∼ 01. Juni 2017

Teaser: Ein Buch entsteht: BRINDie Seitenzahl ist noch nicht abschließend geklärt. Im aktuellen Ist-Zustand umfasst BRÏN ca. 131.000 Worte auf 572 Normseiten, die nun erst einmal in ihre endgültige Form gebracht werden müssen. Davor steht aber erst noch das Lektorat an (bei dem vermutlich vor allem entlaufene Kommas eingefangen werden müssen…), und das Verfassen einer kleinen Hilfestellung bei der korrekten Aussprache der Namen, denen ihr in BRÏN begegnen werdet. Vielleicht auch ein klassisches Nachwort? Mal überlegen…

Was aber erzähle ich euch im nächsten Artikel? Vielleicht etwas darüber, wie der Buchtitel nun zustande gekommen ist? Warum es nicht der ursprüngliche Arbeitstitel geworden ist und wie der eigentlich lautete? Oder doch lieber mehr über den Buchumschlag?

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/ein-buch-entsteht-brin-und-der-klappentext

Ein Buch entsteht: BRÏN

Ein Buch entsteht: BRÏN
Die Veröffentlichung meines ersten Romans rückt ein Stückchen näher und die Aufregung wächst! Im Juni 2017 ist es endlich soweit. Auf den Tag genau steht das Datum noch nicht fest, denn es muss noch einiges getan werden, auf dem Weg zum gedruckten Buch. Aber wir machen Fortschritte und ich möchte euch gerne einladen, mich in den nächsten Wochen und Monaten auf dieser abenteuerlichen Reise zu begleiten, auf der ich euch ein wenig über die Zwischenschritte bei der Entstehung des Buches berichte.

Heute möchte ich zunächst einmal damit beginnen, dass wir einen Titel festgelegt haben. Der Roman wird den Namen BRÏN tragen – das ist der Name der Welt, auf der die Handlung hauptsächlich spielt. Brïn ist eine von Magie durchzogene, aber auch eine fortschrittliche Welt die über Zeit und Raum hinweg, eng mit der unsrigen verbunden ist. Es wird einiges zu lachen geben, aber auch Momente in denen man die Zähne zusammenbeißen muss. Eine bunte Mischung aus Ernst und Leichtigkeit, aus Liebe, Mord und Verrat.

Hier ein zunächst winziger Einblick in die Inhaltsbeschreibung:

Juno kämpft sich nach vielen Enttäuschungen durchs Leben. Bis zu dem Tag, als sie in eine Pfütze stolpert – und sich auf Brïn, einem Planeten voller Mystik und Magie, wiederfindet … Wie das mit dem Tod der Führerin Brïns, dessen geschwächten Planetenschild und Jeanne, einem Mädchen aus dem mittelalterlichen Frankreich zusammenhängt, ist ebenso fantastisch wie skurril.
(Text: Butze Verlag)


Teaser: Brïn von Sameena JehanzebEs gibt, wie man sieht, auch schon ein Cover. Das wird in den nächsten Wochen nach und nach ein Stück weiter entblättert, während ich euch etwas neues über BRÏN berichte. Der Buchumschlag entspricht dabei zu 100% meiner Vorstellung, weil – und nun kommt der Clou – ich ihn selbst gestalten durfte. Ihr werdet ja vielleicht mitbekommen haben, dass ich eigentlich Grafikdesignerin und Illustratorin bin von Beruf, und so hatte ich das große Glück, dass mir angeboten wurde, das Cover zu meinem Roman doch gleich selbst zu gestalten. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden und ich kann es kaum abwarten zu erfahren, was ihr zu dem finalen Motiv sagen werdet!

Für heute soll das erst einmal reichen. Beim nächsten Mal erzähle ich euch dann, wie mein Kampf mit dem Klappentext ausgegangen ist und was ich euch schon über Buchformat, ISBN-Nummer und andere technische Details verraten kann.

BRÏN wird übrigens über den regulären Buchhandel, direkt beim Verlag aber natürlich auch über Amazon & Co. beziehbar sein. Als Printausgabe ebenso wie als eBook.

Ihr habt jetzt schon Fragen? Dann schreibt sie mir in die Kommentare!

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/ein-buch-entsteht-brin

Stimmungsvolles San Francisco der 1940er Jahre

Passing Strange - Ellen Klages

Helen Young ist mit ihren gut 100 Jahren das letzte noch lebende Mitglied einer Gruppe von Freundinnen, die sich in den 1940er Jahren kennengelernt hat. Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ist auch ihre Zeit abgelaufen. Doch bevor sie von Alter und Krankheit niedergestreckt wird, gibt es noch etwas zu klären. Ein alter Schwur muss erfüllt und eine Geschichte erzählt werden.

Helen Young went into her bedroom. She changed into a pair of blue silk pajamas, brushed her hair, and put on a touch of lipstick. Then she got into bed, turned out the light, and went to sleep for the last time, humming a Cole Porter tune until she and the melody simply drifted away.
– Three


Vom Film Noir, übers Kabarett, hin zu den Groschenheften (genauer: Pulp Fiction) mit ihren grotesken Illustrationen auf dem Deckblatt: Passing Strange ist ein Buch für NostalgikerInnen und entführt uns in die 1940er Jahre von San Francisco, wo sechs Freundinnen versuchen in einem patriarchalisch bestimmten Alltag ihr Leben zu meistern. Diese Frauen sind intelligent, stehen für Wissenschaft, Kunst und einen Hauch von Mysterium. Viel Spielraum haben sie dabei aber nicht. So schön das Buch ist, so froh bin ich nach dieser Lektüre auch, dass sich die Frauenrechte seither deutlich verbessert haben. Angesichts der aktuellen politischen Lage kann ich nur inständig hoffen, dass wir nicht in diese Zustände der 40er zurückfallen…

Aber genug schwarzmalerische Zukunftssorgen. Passing Strange ist ein kurzweiliges Lesevergnügen mit einem lebendigen Blick auf die damalige Zeit. Die Handlung springt dabei in der Erzählung von der Gegenwart in die Vergangenheit und später wieder zurück. Ich kann nicht behaupten, dass ich sehr viel über die 40er weiß oder über San Francisco, aber die geschilderte Szenerie, die Bars mit ihrem bunten Publikum, die feinen Zwirne und Satinkleider, die feiernden Matrosen auf Landgang, das starke rechtliche Ungleichgewicht zwischen den Geschlechter und denen, die aus der Norm fallen, das alles wirkt überzeugend und sehr lebendig. Genauso lebendig ist auch die Kunst in dieser Geschichte. Sie springt einen in Form der Art Deco Architektur an, in Form der Wände füllenden Malerei eines Pablo Picasso, einer exzentrischen Frida oder der Kreidemalereien einer Loretta Haskel. In Passing Strange stolpert man öfter mal über namhafte Persönlichkeiten, die ganz normal und beinahe ruhmlos erscheinen. Nachvollziehbar wenn man bedenkt, dass sie erst nach ihrem Tod zu solchen Ikonen der Kunst wurden.

Die Hauptcharaktere dieser Erzählung sind Frauen, die im Verborgenen soziale Normen brechen und ein Leben führen das sie die Freiheit kosten würde, wenn irgendjemand davon erführe. Manche von ihnen müssen sich Rassenvorurteilen unterwerfen, andere dem Verbot von Homosexualität und Cross-Dressing, eine der Freundinnen ist womöglich eine Hexe und wieder andere müssen gegen gewalttätige Ehemänner bestehen. Mit wenigen, aber dafür sehr wohl platzierten Strichen, zeichnet die Autorin eine ebenso kunstvoll schöne, wie deprimierend detaillierte Ära, deren optische Eleganz wir heutzutage bewundern, während wir die Schattenseiten nur zu gerne übersehen. In Passing Strange aber treffen sich beide Seiten der Medaille.

Es gibt in diesem Buch einen leichten Hauch von Magie, den ich leider etwas unglücklich eingepflegt empfand. Der magische Trick, der hier zum Schluss hin ausgeführt wird ist zwar unheimlich interessant und herzerwärmend, wirkt aber nach einem zu 95% magiefreien Plot etwas fehlplatziert. Es wäre schöner gewesen, wenn die Autorin diesen magischen Teil durchgehend eingebracht hätte und nicht nur als praktische Lösung zum Schluss. Es ist aber nur ein kleiner Mangel in einem ansonsten stimmungsvollen und kurzweiligen Lesevergnügen, das seine witzigen Momente hat.

Passing Strange ist ein bitterschöner Ausflug in eine romantisierte Ära, die trotz ihrer harten Züge auch sehr viel Herzlichkeit enthält und eine Art von Zauber, der nichts mit Magie zu tun hat. Ich kann diese Erzählung schon wegen der imposanten Kulisse und der allgegenwärtigen Kunst nur empfehlen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/p/passing-strange

Kennt ihr eigentlich...

... den Cover Monday schon?

Cover Monday Header

Bei dieser Aktion stellen Blogger wöchentlich ein Buchcover vor das ihnen besonders gefällt. Es spielt keine Rolle aus welchem Genre oder Land es kommt, ob ihr das Buch schon gelesen habt oder gar nicht vorhabt es zu lesen. Hier geht es rein um die Optik und darum, was euch gefällt!

Vielleicht hat hier jemand Lust mitzumachen. Ein Beispiel* dazu und mehr Infos darüber wie es funktioniert findet ihr hier auf meinem Blog.

Würde mich freuen, wenn sich hier noch ein paar begeisterte Cover-Suchtis finden würden.

#CoverMonday #MoyasBuchgewimmel

 

*) Wenn booklikes nicht so ein pain-in-the-ass wäre, was die Formatierung und die Ladezeiten anginge, würde ich es direkt hierher posten, aber das machen meine Nerven einfach nicht mit.^^ Ihr dürft aber selbstverständlich gerne eure booklike-Blogs bei der Aktion benutzen. Tragt einfach die entsprechende URL zu eurem Beitrag in die Linkliste ein.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/cover-monday

Starker Anfang, fader Ausklang

We Are All Completely Fine - Daryl Gregory

Ein Buch über eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die Opfer oder Zeugen übernatürlicher Phänomene geworden sind, ist Mal etwas anderes im Fantasy-/ Horrorregal. Ich gestehe, dass ich hier etwas eher humorvolles erwartet hatte, was allerdings nicht der Fall war.

In We Are All Completely Fine (dt.: Uns geht’s allen total gut) treffen wir auf fünf traumatisierte Patienten und ihre Therapeutin. Alle Mitglieder der Gruppe sind verschlossen und keiner traut dem anderen. Wie zu erwarten beginnt der Roman also zunächst damit, dass sich die Patienten untereinander erst kennenlernen und Vertrauen zueinander finden müssen. Innerhalb der Gruppe sind zunächst alle, mit Ausnahme von Stan, eher verschlossen und geizen mit Informationen darüber, was ihnen eigentlich im Detail passiert ist. Das erfährt man erst nach und nach in perspektivisch wechselnden Kapiteln. Die Erzählform passt zu der Geschichte und zeigt auf, welche Geheimnisse die Patienten trotz ihrer Selbsthilfegruppe nicht zu teilen bereit sind, mit welchen inneren Dämonen sie sich alleine schlagen. Während andere diese stetigen Perspektivwechsel bemängeln, fand ich das sehr spannend.

Die Figuren in We Are All Completely Fine haben durchaus schaurige Dinge hinter sich. Einer hat die Gefangenschaft in einer kannibalischen Familie überlebt, wenn auch stark verstümmelt. Ein anderer ist ein Ex-Dämonenjäger und noch ein anderer kann als einziger Monster sehen, die boshafte Ideen in die Köpfe der Menschen flüstern. Besonders unter die Haut gegangen ist mir die Geschichte einer Frau, die einen Serienmörder überlebt hat, seither aber keine Ruhe findet, weil er eine Nachricht in ihre Knochen eingeritzt hat. Dass sie nie die Gelegenheit hatte herauszufinden was das für eine Nachricht ist, treibt sie seither um. Die einzelnen Hintergrundgeschichten sind dabei alle recht verstörend und mal mehr, mal weniger eindringlich, zeichnen aber alle ein sehr individuelles Bild der Figuren. Mit der soliden Charakterzeichnung fing das Buch also zunächst vielversprechend an, auch wenn sich innerhalb der Gruppe eine recht klassische Rollenverteilung zeigt. So feinden sich die männlichen Gruppenmitglieder zunächst offen an, während die Frauen entweder eingeschüchtert schweigen oder zu schlichten versuchen.

Leider driftet die zweite Hälfte des Romans dann immer weiter in eine wenig überraschende Allerwelts-Horrorgeschichte ab ohne tatsächlich gruselig zu sein. Eine Entwicklung die ich als recht schade empfunden habe, da es mich viel mehr interessiert hätte zu erfahren, wie die Patienten weiter mit ihren schrecklichen Erinnerungen oder noch ungelösten Problemen zurechtkommen. Stattdessen befindet man sich plötzlich wahlweise auf der Flucht vor – oder auf der Suche nach – einem Djinni-Kult,rast quer durch irgendeine US-Stadt deren Name ich schon wieder vergessen habe (war es New York? … hm), Gebäude werden dem Erdboden gleichgemacht, Menschen sterben, dämonische Kreaturen kriechen nebenbei durch die Straßen. Was mir sehr missfallen hat war, dass hier mit dem Djinni-Thema zwar mal eine fernöstliche Sagengestalt benutzt wird, leider wird der ebenso fernöstlich stämmige (rein weibliche) Kult zum Feindbild und wie eine Art Schläferzelle präsentiert, die auf den einen großen Moment des Zuschlagens wartet. Gegen wen genau der Kult sich richtet erfährt man übrigens nicht, aber sie haben diese besondere Waffe für irgendein Ereignis, auf das sie warten. Ob dieser Fremdenfeindliche Eindruck nun vom Autor provoziert war möchte ich dabei gar nicht unterstellen, mir als Frau und in einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit wieder ein verstärktes Thema ist, fällt das einfach nur sehr negativ auf. Der Kult benutzt zudem das „unschuldige weiße Mädchen“ für seine Machenschaften und spätestens da waren es mir zu viele der unglücklich kombinierten Kleinigkeiten. Nebenbei schwingt da auch noch so ein halb subtiler Männerhass in dem Frauenkult mit. Ich weiß nicht genau worauf der Autor damit hinaus wollte. Vielleicht hat er bloß versucht auf gewisse Problematiken hinzuweisen, doch zumindest bei mir ist er damit gescheitert und hat bei mir zwei recht negative Theorien aufkommen lassen. Wegen all dieser Kleinigkeit weigere ich mich jedenfalls dieses Buch als Diversity-Read zu deklarieren, auch wenn arabische Frauen und Djinnis drin vorkommen.

So ganz kann ich das Buch also leider weder empfehlen noch davon abraten. Die erste Hälfte war gut und vielversprechend, sprachlich gut gemacht und die Idee der Selbsthilfegruppe war mal etwas Neues. Auf der anderen Seite nimmt die zweite Hälfte eine bedeutungslose Wende und überhäuft sich mit Klischees und Vorurteilen – oder von mir aus auch unbewusst unterstützten Vorurteilen. Ich hätte gerne mehr im Stil der ersten Hälfte gelesen und dafür auf die viel zu schnell erzählte zweite Hälfte verzichtet, die noch dazu mit etlichen offenen Fragen endet. Der erhoffte Humor ist selbstredend auch ausgeblieben.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/w/we-are-all-completely-fine

Sie klappentextete bis zum letzten Atemzug...

Klappentextgeflüster bei Moyas Buchgewimel
Seit ein paar Tagen beschäftige ich mich damit ein Monster zu besiegen das mich gefühlt zehn Jahre meines Lebens gekostet hat. Bis jetzt. Die Rede ist vom Verfassen eines Klappentextes.

Wer hätte je gedacht, dass das eine so schwierige Aufgabe sein würde? Nachdem ich das nun selbst versucht habe ist mir klar, weshalb Klappentexte so oft am Ziel vorbeischießen und ein völlig anderes Buch zu beschreiben scheinen als das, das ich gerade gelesen habe. Es ist einfach teuflisch schwer ein ganzes Buch auf ca. 150 Worte zu reduzieren. Das wird auch nicht einfacher – eher im Gegenteil – wenn man ihn für das eigene Buch verfassen soll. In dem Roman passiert so viel, alles erscheint mir wichtig. Das Zusammenspiel aller Komponente ist es doch, was meine Erzählung erst spannend macht! Und es gibt doch auch so viele andere wichtige Figuren neben den Hauptdarstellern…
Aber der Klappentext hat gerade genug Platz um ein, vielleicht zwei Aspekte der Handlung knapp anzureißen, da heißt es gnadenlos die Zähne zusammenbeißen, eine Wahl treffen und hoffen, dass es die richtige war. Bisher habe ich mir ungefähr 5 Liter Schweiß von der Stirn gewischt und ob das Biest nun bezwungen ist, muss sich erst noch zeigen. Vielleicht sind Autoren schlechte Klappentexter, weil sie gerne viel und malerisch beschreiben? Auf mich trifft das gewiss zu, aber vielleicht lerne ich noch dazu und es wird irgendwann einfacher. Für den Moment kann ich nur hoffen, dass meine Auswahl die Menschen dazu anregt die viel größere Geschichte entdecken zu wollen.

Ich will aber auch nicht zu viel jammern, denn eigentlich bin ich froh, dass meine Verlegerin mich in alle Entwicklungsschritte mit einbezieht und mich erst einmal selbst versuchen lässt. Ich denke das ist ein Luxus, den man nur bei kleineren Verlagen hat. Denn das nächste Problem ist natürlich, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand der ganz außen steht, der vielleicht nur ans Marketing denkt und nicht daran, ob Klappentext und Inhalt wirklich zusammenpassen, einen sinnvolleren Klappentext verfassen kann als die Autorin – also ich. Let`s talk about Kontrollverlust here…

Klappentexter, so oft ich sie auch verfluche (und noch verfluchen werde, das wird sich vermutlich nicht ändern), sind meine neuen unbesungenen Helden. Wenigstens die, die es tatsächlich schaffen ein Buch in so wenigen Sätzen gut zu umschreiben. Wenn ich hier Inhaltsangaben für rezensierte Bücher im Blog verfasse, ist das alles deutlich einfacher. Andererseits ist da natürlich auch niemand der sagt »das ist es noch nicht so ganz«.

Mal sehen was meine Verlegerin zur jüngsten Ausgeburt meiner eigenen klappentexterischen Leistung sagt. Vielleicht muss ich mich ja nicht peinlich berührt im Erdboden eingraben. Will mir jemand die Daumen drücken?

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/sie-klappentextete-bis-zum-letzten-atemzug

Kitschfreie Weihnachtswundergeschichte

Drei Wünsche - Petra Oelker, Andrea Offermann

Die letzten Tage des Jahres blieben ihr, ihr ganz allein, heimlich und unbewacht.
Gut möglich, dass sie verrückt war.
– S. 16

 

Weihnachtsgeschichten müssen nicht immer bunt und kitschig sein. Das beweist Petra Oelker in ihrer Geschichte Drei Wünsche, die sich um drei Frauen unterschiedlichen Standes und Alters dreht. Vor der Kulisse Hamburgs im 18. Jahrhundert verfolgen wir die Schicksale der Frauen, die sich untereinander erst noch kennenlernen müssen und kurz vor dem Weihnachtsfest mit sehr unterschiedlichen, alltäglichen Problemen hadern.

In dieser warmherzigen und stimmungsvollen Geschichte wird die Atmosphäre rund um den Hamburger Dom lebendig. Der Trubel, die Menschen, das Dampfen heißer Köstlichkeiten in den Buden sind plastisch beschrieben und füllen die Phantasie mit Bildern. Auch die Charaktere wurden überzeugend ausgearbeitet. Theda Hardings Witz etwa zieht sich durch die gesamte Handlung, obwohl sie eigentlich das größte Problem haben dürfte. Denn nachdem sie so plötzlich ihre Anstellung verloren hat wird sie auch noch ausgeraubt und ihre Aussicht darauf eine Ehe mit einem Mann eingehen zu müssen, der ihr eigentlich zuwider ist, klingt ganz schön deprimierend als Ausgangslage. Trotzdem lässt sie den Kopf nicht hängen. Während sie die letzten Tage ihrer Freiheit in der Stadt genießt, gibt sie die Hoffnung nicht auf, dass doch noch irgendetwas das bevorstehende Schicksal von ihr abwenden wird. Theda versprüht dabei in allen Lagen eine optimistische Heiterkeit, die diesem Büchlein seinen besonderen Charme verleiht. Ein kleines zugelaufenes Hündchen bringt außerdem noch eine Prise Niedlichkeit in die Handlung mit ein.

Neben Theda lernt man dann auch die siebzehnjährige Elsi kennen, deren Markenzeichen bunter Flitter in den Haaren ist. Ein aufgewecktes und freches Mädchen, dass die Dinge gern selbst in die Hand nimmt. Sehr zum Unmut ihres Vaters, der fürchtet, dass seine einzige Tochter auf die falsche Bahn gerät, wenn er ihr diese Flausen durchgehen lässt. Prompt fängt Elsi auch noch an sich für einen einarmigen jungen Mann zu interessieren, der ja nun wirklich keine gute Partie sein kann.
Im Vergleich zu Theda und Elsi ist Madam Augustas Charakter vielleicht nicht ganz so beeindruckend. Ihre Erzählstimme ist eher ruhig und gediegen, was natürlich auch daran liegen mag, dass sie ein einsamer Mensch ist. Aber auch ihr Teil der Geschichte ergänzt sich gut mit den beiden anderen Perspektiven, so dass letztlich ein rundes Bild entsteht.


Sprachlich ist Drei Wünsche mitunter ein bisschen sperrig. Die Sätze laufen schon einmal über einen ganzen Absatz, was die Konzentration beim Lesen fordert. Ab und an musste ich den Satz da doch noch einmal von vorne beginnen, weil ich zwischendrin den Faden verloren hatte. Insgesamt macht die Erzählung aber dennoch sehr viel Spaß, weil die Szenerie einfach gut ausgebaut wurde und man wissen möchte, wie es den sympathischen Figure im Verlauf ergehen wird. Hinzu kommen die liebevollen Illustrationen von Andrea Offermann, die nicht nur dem Buchcover ein wundervoll aquarelliertes Motiv verliehen hat. Auch im Innenteil finden sich immer wieder passende Aquarelle, die einzelne Szenen darstellen.

Kurzum: Drei Wünsche ist ein charmantes Büchlein für die Weihnachtszeit das mit einem humorvoll lockeren Ton daherkommt. Die Schicksale der drei Frauen zu verfolgen ist spannend und auch wenn man ahnt wie es ausgehen wird, ist der Weg dorthin doch eine freudige Sache. Wer eine kitschfreie Weihnachtsgeschichte sucht ist mit Drei Wünsche gut bedient.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/d/drei-wuensche

5 Bücher, welche die Vielfalt feiern

Three Parts Dead - Max Gladstone The Long Way to a Small, Angry Planet - Becky Chambers Rebel of the Sands - Alwyn Hamilton Depth - Lev Ac Rosen Götter, Molche, Drachenzähmer: Vier phantastische Geschichten - Maike Claußnitzer, Simone Heller, Juliana Socher, Kassandra Sperl

Ohne große Worte gibt es diese Woche ein paar Bücher als Empfehlung, in denen die Vielfalt des Menschseins auf erfreuliche Weise gewöhnlich ist. Egal ob schwul, lesbisch, transgender, schwarz, braun, weiß, gelb, rot, gestreift, männlich oder weiblich und alles irgendwo dazwischen. Wenn uns schon die Realität im Stich lässt, dann hilft es manchmal in Welten abzutauchen die einem zeigen wie normal auch das Unübliche sein kann, wie wertgeschätzt wir alle sind. Mir persönlich gibt es Kraft und Hoffnung, dass sich Menschen Geschichten ausdenken, in der sie die Vielfalt mit offenen Armen einladen. Hier sind ein paar Beispiele, die es sich zu lesen lohnt um die Stimmung wieder hochzutreiben:

 

1. Three Parts Dead, ff – Max Gladstone (Fantasy)
Dieser Roman ist der Auftakt einer Serie, von der aber jedes Buch auch für sich stehen kann. Dieser erste Roman ist dabei sicherlich der bisher beste Teil des Zyklus, was vor allem seiner imposanten Atmosphäre geschuldet ist. In den Romanen dieser Serie spielt es keine Rolle welches Geschlecht man hat oder welcher sexuellen Orientierung man angehört, eine der Hauptfiguren ist zudem eine Farbige. Es gehört einfach alles zum normalen Alltag und daher taucht auch alles Vorstellbare irgendwann ganz selbstverständlich auf.

 

2. The Long Way To A Small Angry Planet – Becky Chambers (Science Fiction)
Stärker noch als im oben genannten Buch, wird auch hier die Vielfalt gefeiert und das Szenario in den Weltraum mit etlichen Alienrassen verlagert. Ein humorvolles Raumschiffabenteuer mit ganz vielen großen und kleinen Gedanken, und unheimlich vielen unterschiedlichen Kulturen die zusammenhalten statt gegeneinander kämpfen. Ein großartiges Buch das man unbedingt lesen sollte, besonders dann wenn man dringend einen Hoffnungsschimmer am Horizont braucht.

 

3. Rebel of the Sands – Amyn Hammilton (Fantasy)
Das einzige Jugendbuch in dieser Liste überzeugt durch seine rebellische Heldin, die sich den männlich dominierten Verhaltensregeln widersetzt und um ihre selbstbestimmte Freiheit kämpft; durch ihren unfreiwilligen Begleiter, der ihren Eigensinn bewundert und durch die vielen gemischtrassigen Nachkommen, die einen Platz finden, an dem sie willkommen sind. Das orientalische Wüstensetting sorgt dabei nicht nur für allgemeine Abwechslung sondern auch für eine seltene Kulisse mit orientalischen Mythen.

 

4. Depth – Lev A.C. Rosen (Science Fiction)
Dieses futuristische Werk ist gleichzeitig modern und trotzdem postapokalyptisch. Die Details der Vielfältigkeit springen einem hier nicht sofort ins Auge. Neben der beiläufig erwähnten Homosexualität einer der Charaktere sind hier auch verschiedene Nationalitäten vertreten. In die Liste geschafft hat es Depth aber hauptsächlich deswegen, weil sich die Bewohner des Handlungsortes (Insel) gegen die radikal konservativen und unterdrückenden Ansichten der Festlandspolitik stellen und ihr eigenes Ding durchziehen.

 

5. Götter, Molche, Drachenzähmer – S.Heller, M. Claußnitzer, J. Socher, K. Sperl (Fantasy)
Wer es lieber mit Kurzgeschichten versuchen möchte mag einen Blick in dieses Indie-Projekt werfen, in dem es vier Geschichten aus allen Himmelsrichtungen gibt. Vom Wisperseidenwald Asiens, wo ein Dämon ewigen Winter über das Dorf gebracht hat, über die Wüste Afrikas, in der sich die kämpferische Ombe trickreichen Göttern stellen muss, hin in den kalten Norden, wo Wikinger auf der Flucht sind, und letztlich eine mittelalterliche, europäisch anmutende Welt, in der ein Monarch sich gegen einen Drachen auflehnt, ist alles vertreten.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/5-buecher-welche-die-vielfalt-feiern

Ein Herz für Madame Lefoux

Romancing the Inventor: A Supernatural Society Novella - Gail Carriger

Imogene Hale hat das brave Landleben satt und heuert im neuen Stammsitz der Londoner Vampire als Hausmädchen an. Eine skandalöse Entscheidung für ihre Familie, weiß doch jeder wie sittenwidrig es bei den Vampiren zugeht. Genau das Richtige also für Imogene, die ein ebenso skandalöses Geheimnis verbirgt und danach lächzt ein wenig unanständiges Verhalten in ihr Leben zu integrieren. Als Imogene auf Woolsey Castle eintrifft begegnet sie der genialen Erfinderin Genevieve Lefoux und plötzlich steht ihre Welt mehr als Kopf. Doch Madame Lefoux ist keineswegs leicht zu erobern und die Vampire sind nicht Imogenes einzige Feinde im Schloss.

 

 

Trousers were a powerful weapon of chaos, if Madame Lefoux was anything to go by.

 

In Romancing the Inventor entführt uns Autorin Gail Carriger in eine kleine Episode ihres Parasol Protectorate Universums. Wie auch in der Buchreihe treffen hier scharfzüngige Protagonisten auf eine Romanze mit Hindernissen. Anfangs braucht die Handlung eine Weile um Fahrt aufzunehmen, doch der vertraute Humor lässt nicht lange auf sich warten. Diese Kurzgeschichte ist eine locker leichte Romanze die Lacher, aber hin und wieder auch einen Kloß im Hals garantiert.

Gail Carriger hat in all ihren Büchern immer wieder Figuren vorgebracht, die nicht der klassischen Norm entsprechen. In ihrer jüngsten Geschichte rückt sie eine ihrer Nebenfiguren in den Fokus: Genevieve Lefoux, geniale, ein bisschen verrückte und eindeutig lesbische Erfinderin. In den Romanen bekamen wir bisher immer nur einen etwas oberflächlichen Blick auf diese Figur, die wir nun ein ganzes Stück besser kennenlernen dürfen. Und es zeigt sich schnell, dass Madame Lefoux ein recht tragischer Charakter ist. Ihre letzte große Liebe hat sie emotional aushungern lassen und sich dann auch noch erdreistet auf dumme Weise zu sterben. Seither ist Lefouxs Herz ein trockener Tümpel und die Erfinderin weigert sich beharrlich noch einmal jemanden so nah an sich heranzulassen. Sie fürchtet sich regelrecht davor sich noch einmal zu verlieben, stürzt sich stattdessen in ihre Kalkulationen und schraubt an ihren quietschenden und dampfenden Maschinen. Sie konzentriert sich so sehr auf ihre Arbeit, dass sie sich darüber selbst vernachlässigt.

Erzählt wird Romancing the Inventor allerdings aus der Perspektive von Imogene Hale, die nicht nur mit einem Wedel umgehen kann, sondern auch ein unentdecktes Mathe-Genie ist. Die Dorfbewohner inklusive ihrer Mutter bezeichnen sie als arrogant, weil sie die Angebote ihrer Verehrer ausnahmslos ablehnt. Offenbar hält sie sich wohl für etwas Besseres, doch weit gefehlt. Denn in Wahrheit hütet Imogene ein Geheimnis für das man sie ächten würde, käme die Wahrheit ans Licht. Ihr einziger Ausweg aus der Misere scheinen daher die Vampire zu sein. Dort hofft Imogene ihre Phantasien endlich Wirklichkeit werden lassen zu können ohne dass die konservativen Dörfler Verdacht schöpfen. Imogene ist gezwungenermaßen in jedem Sinne unschuldig und unberührt, aber sie weiß, was sie will und ist bereit dafür Risiken einzugehen. Sie konnte ihre Bedürfnisse bisher nie an einer besonderen Person festmachen. Das ändert sich, als sie Genevieve begegnet und sich in sie verliebt.

Das Verhältnis zwischen den beiden Frauen ist zunächst nicht ganz einfach, kämpfen doch beide gegen ihre eigenen Geister. Genevieve ist so verhärmt, dass sie ihre Chancen nicht erkennen will und sich einredet Imogene könne unmöglich aufrichtiges Interesse an ihr haben. Imogene im Gegensatz ist so unerfahren, dass sie nicht weiß, wie sie ihre Angebetete umwerben und überzeugen soll. Was Imogene an Erfahrung fehlt, macht sie dafür durch Beharrlichkeit und Geduld wieder wett. Ein Großteil der Handlung dreht sich darum Missverständnisse zu erschaffen und aufzulösen und Ängste zu überwinden.

Genevieve und Imogene haben aber nicht nur Probleme miteinander. Insbesondere Imogene wird als leckerer Appetithappen auf dem Teller der Vampire erwünscht und wenn nicht Blutsauger nach ihr dürsten, dann bedrängt sie einer der Butler.

Das Büchlein bietet gute Unterhaltung, erwachsene Romantik (und Probleme), berittene Werwölfe und den vermutlich effizientesten Wohnwagen, den das 19. Jhrd. je gesehen hat. Kleine Schwachpunkte waren für mich die etwas ausschweifenden Selbstzweifel von Imogene und Lady Alexia Maccons spontane Auftritte, wenn es darum ging eine knifflige Situation schnell zu lösen.

Hinweis:
Romancing the Inventor spielt etwa zwei Jahre nach Timeless (dt.: Sengendes Zwielicht), dem letzten Buch aus dem Parasol Protectorate. Man kann die Geschichte aber völlig ohne Vorkenntnisse der Buchreihe lesen. Für Carriger-Fans natürlich ein Muss!

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/r/romancing-the-inventor

I'm an Alien: Plötzlich Autorin

— feeling excited

Plötzlich Autorin

Tja, was soll ich da noch groß sagen? Ich weiß es nun seit gut zwei Wochen, aber wirklich glauben kann ich es noch nicht. Ich bin Autorin. So richtig. Von einem Profi anerkannt. Wie viel darf ich jetzt schon erzählen? Es geht schließlich nicht mehr nur um mich. Da ist jetzt ein Verlag der das Marketing planen muss, der bestimmte Strategien kennt und nutzen möchte, damit das Buch später viele Leser findet. Also bin ich geneigt zu allem Rücksprache zu halten. Es ist ein Fantasy-Roman, soviel kann ich verraten.

Nein, kein Jugendbuch, keine tolkienesque Queste und auch keine romantische Dystopie. Es gibt ein paar Liebende, aber keine Teenager-Dreiecksbeziehung. Nicht einmal Teenager. Oder Vampire. Oder Elfen. Dafür gibt es Portale in andere Welten, Reitgreife, gefräßige Schatten, Diversität und auch einen Mörder. Bald erzähle ich mehr vom Buch und weniger von mir. Wenn ich weiß, wie viel ich verraten darf. Versprochen.

Plötzlich Autorin

Wie das alles begonnen hat? Mit einer Katze, die mir in den Brunnen kotzte. Kein Witz. Aber ich will hier keinen Roman übers Romanschreiben verfassen. Fangen wir also am wesentlichen Punkt an: Ich habe einen Roman geschrieben. Eigentlich nur so für mich, wie ich das etwa seit der ersten Klasse mache. In den letzten Jahren ist allerdings etwas mit mir passiert. Mein ohnehin kreatives Hirn hat beschlossen die Messlatte anzuheben ohne dass ich es so direkt bemerkt habe. Das haben andere dafür getan und festgestellt: »Mensch, die Sam, die hat was richtig gutes geschrieben«. Selbstkritisch wie ich jetzt nun einmal bin, habe ich das erstmal nicht ernst genommen. Ihr wisst ja, Freunde sagen einem oft Dinge mit einer extra Glasur Zucker obendrauf, weil sie einen nicht verletzen möchten. Als ich also die ersten Rückmeldungen meiner drei Testleserinnen bekam war ich erstmal skeptisch. Ich dachte mir, na ok, freut mich, wenn es euch gefällt. An dem Punkt hätte das Abenteuer zuende sein können, ja sein sollen, aber die Rechnung habe ich ohne meine Musketierinnen gemacht. Die waren sich plötzlich einig, dass es kein Manuskript für die Schublade war und sie mich in den kalten Buchmarkt schmeißen müssen.
Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings noch nicht ganz fertig und habe gezögert mit der Euphorie. Vielleicht wäre die Mitte nicht so gut wie der Anfang. Das Ende vielleicht nicht so gut wie Anfang und Mitte. Aber es blieb dabei, je weiter wir kamen. Meine Damen ließen nicht locker, ermutigten mich, feuerten mich an, schimpften, weil ich nicht glaubte wirklich eine Geschichte geschrieben zu haben, die andere Menschen in ihren Bann ziehen könnte. Man muss dazu sagen, zwei von ihnen sind vom Fach, alle drei sind eingefleischte Fans des Genres. Sie haben eigentlich Ahnung davon was gut ist und was nicht und sie werfen mit solchen Urteilen nicht leichtfertig um sich. Aber echte Autoren sind nicht von dieser Welt. Das sind geheimnisvolle Aliens, aber doch kein Durchschnittsmensch wie ich. Die wurden auch nicht geboren, die sind fertig vom Himmel gefallen.

 

Versteht mich nicht falsch. Ich bin stolz auf mein Werk. Ich liebe meine Geschichte. Ich liebe meine Figuren. So sehr, dass ich sie vermisse, weil sie nicht neben mir sitzen, weil ich sie nicht anfassen und nicht ihre Stimme hören kann, weil ich nicht mit Juno magische Symbole sortieren und nicht mit Shi Kamika die Winde anrufen kann. Es ist ein bisschen verrückt, ich gebe es ja zu…
Größer als mein Stolz ist aber immer die eigene Kritik an mir selbst. Ohne den mal mehr, mal weniger zärtlichen Zuspruch meiner drei Damen, würde ich heute weder über Manuskripte noch über Aliens schwadronieren. Ich kapitulierte, ließ vorsichtshalber aber noch ein paar andere Leute lesen. Das Ergebnis blieb gleich. Also schrieb ich ein Exposé, was mich mehr Nerven kostete als das ganze Buch. Fast hätte ich den tapfer gefassten Plan mit der Agentur-/Verlagssuche wieder verworfen, weil die Anforderungen an so ein Exposé nicht ohne sind. Es hat das Zeug einen in den Wahnsinn zu treiben!
Irgendwann war aber auch das geschafft und so ging mein Exposé samt Leseprobe auf die Reise. Beim ersten Mal Klicken auf den „Senden“-Button war mir noch heißkalt. Was hatte ich da getan? Bin ich größenwahnsinnig? Eingebildet? Selbstüberschätzt? Fremdüberschätzt? Oder doch ein Alien?

 

Sei stolz, sei mutig, sei stark. – Das Mantra meiner Lieblingsfigur und da ich sie erschaffen habe, warum nicht auch meins? Und so sendete ich Exposé um Exposé hinaus in die gruselige Welt der Bücher und schickte mich an ein Alien zu werden.
Wusstet ihr, dass man regulär ca. 1-3 Monate auf eine Antwort von Agenturen und Verlagen warten muss? Das dauert gefühlt noch einmal doppelt so lange, wenn man plötzlich merkt, dass man an das eigene Werk glaubt, dass man es liebt als wäre es ein Teil von dir. Es ist ein Teil von mir. Plötzlich ist da die Angst vor der Ablehnung. Nicht um Meinetwillen sondern davor, dass meine Figuren von anderen nicht die gleiche Zuneigung erfahren würden wie von mir. Ich wollte sie alle in den Arm nehmen und ihnen tröstend sagen: »Habt keine Angst, ich werde euch immer lieben, egal was passiert.«
Und natürlich hagelte es erst einmal Absagen. Die meisten blieben neutral, ein paar waren überraschend ermutigend, eine verführte mich zu mordlüsternen Gedanken. Aber Ende gut, alles gut. Auch wenn das Ende in Wahrheit erst der Anfang ist.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin Autorin. Nicht nur heimlich Zuhause, wo kaum jemand davon weiß. Jetzt ist es anerkannt. Das Buch erscheint voraussichtlich im Juni 2017 im Butze Verlag. Bis dahin habe ich noch Zeit, mich an die neue Alienhaut zu gewöhnen.

 

Ich bin fix und fertig vor Freude.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/i-m-an-alien-ploetzlich-autorin

Rezension mit Sarkasmus als Beilage: Herland

Herland - Charlotte Perkins Gilman, Ann J. Lane

Die Abenteurer Terry, Jeff und Van lösen sich von ihrer Reisegruppe, um im wilden Amazonas nach einer sagenumwobenen Stadt zu suchen, in der es den Legenden nach nur Frauen geben soll. Trotz der Warnungen der Einheimischen, dass kein Mann je von dieser Suche zurückgekehrt wäre, machen sich die drei Abenteuer auf den Weg.

 

 

‚When I see them knit,‘ Terry said, ‚I can almost call them feminine.‘

 

Tja, wo soll ich bei Herland bloß anfangen? Die anfängliche Idee, eine Welt zu beschreiben, die ganz ohne Männer existiert, fand ich zunächst einmal spannend und es gibt ein paar gute Ansätze, auch in Sachen Religion und Politik. Wie so oft bei Klassikern, basiert aber auch hier das Qualitätsversprechen auf völlig veralteten Zuständen der Gesellschaft zu jener Zeit und dem Umstand, dass es noch leichter war als heute, neue Ideen vorzubringen. Ich schicke mal vorweg, dass es sich um eine feministische Autorin handelt, die das Buch 1915 geschrieben hat. Komischerweise liest es sich trotzdem wie die Geschichte dreier Männer die Herland erleben, anstatt der Geschichte der Frauen, die Herland ausmachen. Von da aus geht es dann leider steil bergab.

 

Jeff, Van und Terry gehören wohl dieser Entdeckerphase an, da sich reiche weiße Schnösel auf den Weg machten um die Geheimnisse der Fremde zu erkunden, ein paar rassistische Ansichten zum Besten zu geben, hier und da eine Pyramide zu plündern und weiß der Kuckuck, was zu der Zeit sonst noch Inn war. In diesem Szenario tingeln die Herren jetzt durch den Amazonas und werden von der Gruselgeschichte angefixed, dass es einen Ort geben soll, an dem ausschließlich Frauen leben. Ein gefährlicher Ort, den schon viele gesucht haben. Niemand ist je wieder zurückgekehrt. Klingt erstmal mysteriös? Ja, dachte ich auch. Während der eine Abenteurer aber schon feuchte Hosen kriegt beim Gedanken an all die schönen, jungen Frauen, widerspricht sich die Autorin direkt mal. Die drei Helden finden das zweitausend Jahre alte Land nämlich völlig problemlos, es ist auch nicht allzu schwer versteckt, und es zeigt sich, dass die Frauen von Herland noch nie einen leibhaftigen Mann gesehen haben. Wo also sind die angeblich verschollenen Suchenden gelandet, wenn sie nicht dort waren? Wie ist dieses gruselige Kindermärchen entstanden, das Jeff, Van und Terry so neugierig gemacht hat, wenn kein Mensch Herland je gesehen hat? Vielleicht hat die vorangegangenen Suchenden der Orientierungssinn verlassen und sie sind in die falsche Richtung gelaufen? Ich dachte zwar das wäre ein Frauenproblem, aber vielleicht ist das ja eine der geheimen Botschaften von Herland. Wer weiß.

 

Beinahe hätte ich eingangs begonnen mit »Drei Sexisten machen sich auf den Weg, …«, konnte mich aber noch zusammenreißen, obwohl die Hauptfiguren dieses Romans alles Stereotype der einen oder anderen Form sind. Jeff ist ein Bilderbuch-Gentleman der Frauen idealisiert und nahezu unterwürfig anbetet, Terry ist das dominante Arschloch, das glaubt Frauen stehen drauf (gerne auch mit Gewalt) »erobert« zu werden und Van soll der gemäßigte Mittelweg sein, der Mann der erkennt, dass Frauen Männer zwar nicht brauchen, aber ihre Gesellschaft schätzen können. Vielleicht könnte man Van durchgehen lassen, aber insgesamt sind doch alle Herren zu schlicht, als dass sie auch nur ansatzweise interessant sein könnten. Außerdem haben alle drei ähnlich stereotype Vorstellungen von den Frauen. Jeff hält Herland für ein Hausfrauenparadies, Terry nimmt an er wäre der begehrte Hahn im Korb und Van … was Van denkt weiß ich eigentlich nicht. Der erzählt und beobachtet viel und lernt irgendwie im Laufe der ereignislosen Handlung, dass Frauen tatsächlich ein Gehirn haben und es auch nutzen können. – Holy shit! Ich war fast so beeindruckt wie Van.


Es sind sich aber im Vorfeld immerhin alle drei einig, dass Herland ein harmloser Ort sein muss, denn schließlich sind Frauen, per biologischer Programmierung, alle nett. Hier behalten sie damit auch leider Recht, denn Herland ist sowas von klischeehaft weibisch, da könnt’ ich rosa Einhörner kotzen.

 

Zunächst einmal wird uns diese Stadt als ein fortschrittlicher Ort vorgestellt, der sich weit besser entwickelt hat, als unsere bekannte Gesellschaft. Es ist ein männerloses Utopia wo sich die Frauen durch reine Wunschkraft fortpflanzen. Alles in und an der Gesellschaft von Herland ist schön, hübsch, sauber, strukturiert, gesund, ökonomisch und gepflegt … Ich will ja keine perfekt geformte Seifenblase zerplatzen lassen, aber auch Frauen beherrschen die Kunst einen Schweinestall aus den eigenen vier Wänden zu machen. Sehr gut sogar. Die Wenigsten kriegen einen mentalen Orgasmus, wenn sie Fenster putzen oder Töpfe spülen dürfen. In Herland könnte man aber fast zu dem Schluss gelangen, dass sich die Damen um Aufgaben der Ordnungshaltung prügeln würden, wenn sie denn irgendeine Form von Leidenschaft besäßen. Tun sie aber nicht. Die Frauen kennen keine Konkurrenz und sie tragen keine Wettkämpfe aus. Es gibt ganz grundsätzlich keine Konflikte, keine Kriminalität, keinen Neid. Nur das Streben nach gemeinsamem Glück und Fortschritt. Und wie drückt sich das am besten aus? Genau, durch Babies!

 

Die Frauen von Herland sind dermaßen fixiert auf die Mutterschaft, das hält frau im Kopf nicht aus. Die Idee, dass es Frauen geben könnte die gar keine Lust aufs Kinderkriegen haben, kommt der Autorin nicht einmal im Ansatz. Stattdessen wird das Muttersein zu einer Art fanatischen Religion und wer nicht 200% in der Spur läuft, bei der wird der biologisch einsetzende Mutterschaftswunsch durch produktive Ablenkung einfach unterdrückt und die Schwangerschaft verhindert.
Ich habe mich in zweiter Instanz übrigens die ganze Zeit gewundert, warum die Frauen eigentlich wieder Männer in ihre Gesellschaft integrieren wollen. Die Frauen haben keinerlei sexuelle Interessen (für lesbisches Gedankengut war die Autorin dann wohl doch noch nicht bereit). Sex ist für sie nur ein neues Mittel um Kinder zu kriegen. Das muss ja keinen Spaß machen. Ich sehe sie schon wie Bretter daliegen, im Geiste ihre Putztücher und Babylätzchen aufreihen, während der Mann seine eheliche Pflicht verrichtet. Sexy, huh?
Brauchen tun die Frauen die Herren auch nicht. Warum sie es also plötzlich so erstrebenswert finden aus ihrer xx-Gesellschaft wieder eine xy-Gesellschaft zu machen, erschließt sich während der Lektüre nicht wirklich. Das muss man dann einfach mal so hinnehmen.

 

Während Herland zur damaligen Zeit vielleicht für Aufsehen gesorgt hat, ist dieses Buch aus heutiger Sicht einfach nur schlecht. Es ist sprachlich simpel und inhaltlich bietet es nichts als Gefasel und Klischees. Es gibt keine Spannungsbögen und die Figuren sind allesamt einfältig. Blasse Pappfiguren. Auch Herland selbst strahlt nichts aus. Man lernt es leider nicht richtig kennen, da man es nur durch Vans analytische Augen sieht. Erstrebenswertes oder etwas, dass einen zum Nachdenken anregen würde, sucht man in diesem Roman ebenfalls vergeblich. Obwohl das Buch außerdem als feministische Literatur gilt, würde ich es als in jeder Hinsicht sexistisch beschreiben. Gegenüber den Männern sowieso, aber auch gegenüber den Frauen, mit all seinen altbackenen Vorstellungen vom Frausein. Solltet ihr in die Versuchung geraten Herland lesen zu wollen: lasst es! Es lohnt sich nur, wenn ihr eine Studie über den Feminismus von damals bis heute schreiben müsst. Andernfalls ist Herland einfach nur überbewerteter Bockmist.

 

Mein liebstes Schmankerl übrigens: Intelligenz maskiert die Weiblichkeit und macht eine Frau weniger attraktiv. Und das aus der Feder einer Feministin …

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/h/herland

Wüstenabenteuer mit Revolverheldin

Rebel of the Sands - Alwyn Hamilton

Das Leben in der Wüste ist nicht leicht, wenn man arm, verwaist oder eine Frau ist. Auf Amani Al’Hiza treffen gleich alle drei Dinge zu. Höchste Zeit also, dass sie ihre trostlose Heimatstadt hinter sich lässt, bevor sie einer Zwangsheirat nicht mehr entgehen kann. Bewaffnet mit einem Revolver und ebenso scharf schießendem Mundwerk sucht sie einen Ausweg. Als Junge verkleidet verlässt sie im Schutze eines Tumults ihre Heimat, auf dem Rücken einer mythologischen Kreatur aus Wind und Sand. Doch Amanis Suche nach einem freien Leben gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn sie gerät zwischen die Fronten des Sultans und des Rebellenprinzen.

 

 

Parviz frowned, like I might be simple. I supposed he thought I was, since I wasn’t a man any longer.

 

Rebel of the Sands hat mich von der ersten Seite an positiv überrascht, denn obwohl es ein Jugendbuch ist, hat es unheimlich viel zu bieten und auch der obligatorische Romantikplot kommt dezent und wirklich nett daher. Doch fangen wir mal mit ein paar Details zu Amanis Welt an und da muss ich gleich eine Warnung wegen einer gewissen nötigen Wortwahl anbringen, die gleich folgt:

Dustwalk ist eine ärmliche Oasenstadt des Königreichs Miraji, in der es weniger Palmen als vielmehr trockene Sande, Staub und unterirdische Mienen gibt, in denen sich die Menschen kaputt schuften. Im Land herrscht zudem ein erzkonservatives Patriarchat. Frauen sind Dinge und es wird mit ihnen verfahren wie mit allen Handelsgütern: Sie werden gegen ihren Willen verheiratet, sie dürfen keinen eigenen Besitz haben und schon gar keine Meinung. Doch das ist längst nicht alles. Autorin Alwyn Hamilton wagt sich an ernste Themen heran. So gehört Vergewaltigung zur Tagesordnung in Miraji und gilt als Schuld der Frau, die sich unverheiratet zu einem Mann »gebettet« hat. Anschließend als Hure beschimpft zu werden ist noch das Beste, was dem Opfer passieren kann. In der Regel wird es jedoch zu Tode gesteinigt, gehängt, verbrannt, oder was den feinen Herren auch sonst so einfallen mag. Die selben Männer haben übrigens kein Problem damit kurz darauf selbst ein Mädchen zu missbrauchen, das ihnen als Hure verkauft wurde – die Doppelmoral lässt grüßen. Wer jetzt aber denkt Rebel of the Sands wäre ein Männerfeindliches Buch, der irrt. Das Beschriebene ist nur ein Teil einer Gesellschaft, die ihre Schattenseiten hat. Auch die Problematik von miteinander konkurrierenden Religionen findet Erwähnung in den ruhigen und sachlichen Gesprächen und Gedanken der Figuren.

Die Hintergrundbeschreibung von Rebel of the Sands ist aber nicht nur bitter oder kritisch. Denn neben diesen starken Ungerechtigkeiten gibt es auch magische Kreaturen die geradewegs aus Tausendundeinenacht entsprungen sein könnten. Djinn, alte Götter, ein abtrünniger Prinz, eine Rebellion der Unterdrückten und Sandstürme erwachen vor dem inneren Auge zum Leben. Wahre Namen besitzen die Macht Lebewesen zu kontrollieren oder verborgene Türen zu öffnen. Es gibt Oasen die in Tristesse versinken, in denen ranzige Spelunken und Mienen unter Tage das Highlight bilden, und es gibt Oasen in denen das Leben in schillernden Farben gedeiht.

Wem die wirkungsstarke Atmosphäre noch nicht genügt, der findet sicher Gefallen an den herrlich ironischen und schlagfertigen Hauptfiguren. Zunächst einmal haben wir da Amani, die einfach nicht anders kann als ihre Meinung zu sagen. Sie ist klug – ein gefährliches Talent für eine Frau – und muss, wegen ihres losen Mundwerks und ihrer kessen Sprüche, regelmäßig Prügel einstecken. Das allerdings bricht ihren Willen nicht etwa, sondern spornt sie an noch mehr Eifer in die Erfüllung ihrer Ziele zu stecken. Schon als Kind, hat sie sich beigebracht mit einem Revolver umzugehen und seither ist sie zu einer zielsicheren Schützin geworden.
Amani ist eine coole junge Heldin, die anfangs jedoch mitunter egoistisch erscheint. Wenn man aber bedenkt, in was für einer Gesellschaft sie lebt, was sie in der Vergangenheit erlebt hat und welche Zukunft sie zu erwarten hat, dann ist es durchaus verständlich, dass sie erst lernen muss anderen Menschen zu vertrauen. Doch je mehr Menschen Amani auf ihrem Weg trifft, je mehr sie über die Wüste und die politischen Verwirrungen lernt, desto offener wird sie Freundschaften gegenüber. Das bringt uns auch gleich zum nächsten Kandidaten:

Jin, Amanis nicht eingeplanter Reisegefährte und später natürlich auch ihr Love-Interest, ist ein überraschend sympathischer junger Mann. Selbstbewusst, aber nicht arrogant, besorgt und hilfsbereit gegenüber Amani, aber kein Kontrollfreak. Jin packt die Dinge an, muss aber nicht ständig der rettende Held sein, denn er ist beeindruckt von Amanis Fähigkeiten und lässt sie nicht nur ihr eigenes Ding machen, sondern verlässt sich auch auf ihr Können. Er hat eine geheimnisvolle, aber auch schelmische Persönlichkeit und ein besonderes Talent dafür, sich in Schwierigkeiten zu bringen – schließlich ist man nicht ohne Grund auf der Flucht vor dem Sultan. Allerdings ist er auch sehr loyal gegenüber seinen Freunden und der Familie. Für Heiterkeit sorgen unter anderem auch, seine ihm beiläufig herausrutschenden Komplimente für Amani. Es sind kleine Dinge, keine gekünstelten Wortspielereien, und das macht sie umso süßer und überzeugender. Normalerweise muss ich bei solchen Dingen schnell die Augen rollen, doch in Rebel of the Sands war das nie nötig.

Der Namensgebende Rebellenprinz nun, steht unter anderem wegen seiner fortschrittlichen Denkweise mit dem Sultan in Konflikt. Denn der Sultan würde gerne alle Frauen und Halbdjinn (überhaupt alles Magische) entweder zähmen oder auslöschen. Er hält mit eiserner Faust an den bestehenden Gegebenheiten fest. Im Camp der Rebellen treffen wir dagegen auf eine eigenständige kleine Gesellschaftsform, in der Männer und Frauen gleichberechtigt leben. Der gegenseitige Respekt füreinander schließt auch die dort lebenden Demdji (Mischlingskinder – halb Mensch, halb Djinn) mit ein, die vom Sultan und den verfeindeten Gallan gnadenlos gejagt und hingerichtet werden.

Kurzum: Rebel of the Sands ist ein richtig gutes Wüstenabenteuer, das eine starke Balance zwischen Ernst, Hoffnung und Mythen meistert. Wer die Sandkörner zwischen den Zehen spüren will ohne das Haus dafür verlassen zu müssen, wer eine Heldin mit Kampfgeist möchte, dem ist dieses Buch nur wärmstens zu empfehlen. Ich jedenfalls bin begeistert und hoffe auf eine baldige Fortsetzung.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/r/rebel-of-the-sands

Rezension mit eindeutig nicht eindeutigem Empfehlungswert…

Toad Words and Other Stories - T. Kingfisher

Toad Words ist eine Sammlung von Geschichten und Gedichten, die teils auf allseits bekannten Märchen basieren und eine eher düstere Neuinterpretation abliefern.

 

 

It was all very well to go away in the night with an elfin boy with laughing eyes who taught you to fly, and promised that you’d never have to grow up, but it turned out that grown-ups had a great deal to do with meals arriving regularly and on time.
– Never

 

Die Geschichten in Toad Words wurden mitunter auf verstörende Weise neu gestrickt. Wie auch schon in The Raven And The Reindeer kommt in den Geschichten eine wenig amüsante Seite des des Frau seins zum Vorschein. So befasst sich T. Kingfisher in Toad Words mit Stalkern, Frauenmördern und Psychopathen, aber auch einer z.B. missverstandenen Meerhexe, deren Ausführungen plausible Gründe für ihr Handeln offenbaren.

Obwohl die Anthologie insgesamt durchaus lesenswert ist und auch erneut wichtige Schattenseiten aufgezeigt werden, die jedes Mädchen lieber früher als später wissen und verstehen lernen sollte, kann ich persönlich diese Erzählungen nicht positiv erleben. Zu bitter sind die allzu realen Tatsachen in diesen Geschichten, zu frustrierend ihre Anwesenheit im normalen Alltag. Andere LeserInnen erfreuen sich dabei an dem schwarzen Humor der Autorin und obwohl ich den hin und wieder zu entdecken vermag, so habe ich doch letztlich den Eindruck, dass Kingfisher und ich nicht unbedingt auf einer Wellenlänge liegen. Ich schätze ihre einzigartigen und andersartigen Ansätze, gleichzeitig frustrieren mich ihre gänzlich entzaubernden Erzählungen und Fingerzeige. Es liegt vermutlich daran, dass ich mir der angesprochenen Probleme in diesen Kurzgeschichten zu sehr bewusst bin und das nicht auch noch in meiner Freizeitlektüre brauche. Was mich außerdem irritiert, ist die frohgemute Bereitwilligkeit alter Tiere, ihr Leben für wildfremde Menschen zu opfern. Mal eben so, als wäre ein (altes) Leben ja kaum der Rede wert und der eigene Tod auch gar nicht so dramatisch. Alles ganz easy …

Wer sich mit dem Gedanken trägt einen Versuch mit dieser Autorin zu machen kann mit Toad Words natürlich nicht viel verkehrt machen. Der Preis ist erschwinglich und wenn man das Glück hat mit Kingfishers Stil zu harmonieren, dann tut man es wohl mit Haut und Haar. Wer sich da noch nicht ganz so sicher ist, kann einen Großteil der hier vorgestellten Erzählungen auch kostenlos im Blog der Autorin finden.

Ob ich nun empfehlen würde diese Anthologie zu lesen oder nicht, kann ich in diesem Fall nicht entscheiden. Es gibt vieles was großartig an Kingfishers Arbeit ist, aber zur selben Zeit ist das Großartige daran auch das enorm Frustrierende. Man sollte es gelesen haben, aber im Nachhinein betrachtet wäre es mir lieber gewesen, ich hätte es nicht getan.

Mein persönliches Fazit also: Ich bin einfach nicht für grimdark, grim & gritty – oder wie auch immer man es sonst noch nennt – gemacht. Dafür hat es davon im Alltag einfach schon zu viel und gerade als Frau gibt es eigentlich keine Möglichkeit sich davon freizumachen. Kingfisher ist daher von meiner Leseliste zukünftig gestrichen, um mich nicht auch noch in meiner Bücher-Auszeit mit Psychopathen, Frauenfeinden, Vergewaltigern und anderen haste-nich-gesehen-Arschnasen beschäftigen zu müssen, die in der Regel auch noch ungestraft davonkommen.

Zu den einzelnen Erzählungen:

1. It has come to my Attention
Ein Gedicht über eine Person die sich für das Wesen von Märchen interessiert. Viel mehr kann ich dazu nicht sagen, weil es mir etwas schwer gefallen ist, hier konzentriert bei der Sache zu bleiben.

2. Toad Words
Das Märchen auf dem Toad Words basiert ist mir bisher unbekannt, daher kann ich keinen Vergleich ziehen. Erzählt wird aus der Perspektive einer Person, die beim Sprechen Frösche und Kröten spuckt, während die Schwester Juwelen ausspuckt. Beide Figuren haben ihre Schwierigkeit mit dem ihnen auferlegten Fluch, wobei die Erzählstimme wohl mehr zu leiden hat, letztlich aber ihren Frieden damit schließt und dem Fluch sogar etwas positives abgewinnen kann.

3. The Wolf and the Woodsman
Ein verdrehtes Rotkäppchen-Märchen in dem die Großmutter von einem Holzfäller gestalked und angegriffen wird. Der Wolf ist hier nicht der Böse, sondern ein pragmatischer Gehilfe.

4. Bluebird’s Wife
Dies ist wohl die Geschichte, die mir in dieser Anthologie am besten gefallen hat. Bluebird’s Frau muss sich hier mit der Erkenntnis auseinandersetzen, dass ihr liebevoll wirkender Gatte ein Serien-Frauenmörder war. Die Überlegungen der Protagonistin machen sie lebendiger als die Figuren der anderen Erzählungen, weil man recht tief in ihre Gedankenwelt eintaucht und sich fragt, wie man selbst mit einer solchen Situation umgehen würde. Auch ist die sonst eher gerade stattfindende Gewalt hier ein bloßer Rückblick auf Tatsachen, so dass die Morde an sich weniger Raum einnehmen als das Befinden der Erzählerin.

5. Loathly
Und damit zu der Geschichte, die ich am meisten verabscheue. Nicht, weil sie schlecht erzählt wäre, sondern weil mich das Geschehen einfach wütend macht. Loathly ist nichts für zarte Nerven und schon gar nichts für Missbrauchsopfer. Da blättert man lieber weiter, denn jede neue Entwicklung in dieser Geschichte ist in höchstem Maße demütigend, einengend, beraubt einen der Selbstbestimmung und ist entsprechend emotional fordernd. Atmosphärisch wirklich gut gemacht, ist Loathly inhaltlich leider einfach nur deprimierend.

6. The Sea Witch sets the Record straight
Die ist eine »Korrektur« von Disneys Arielle – Die kleine Meerjungfrau. Hierin klärt Hexe Ursula über ihren wahren Gründe dafür auf, weshalb sie sich gezwungen sah Arielle die Stimme zu nehmen. Das geschah nicht etwa aus Boshaftigkeit, sondern zum Schutz des Meervolks. Nach Loathly ist diese Erzählung deutlich leichtere und weniger deprimierende Kost, wirklich glücklich macht sie einen aber auch nicht. Kingfishers Protagonistinnen haben wirklich nicht viel zu lachen.

7. Never
Auch Peter Pan kommt in dieser Anthologie nicht weg ohne sein Fett abzukriegen. In Never erleben wir den kleinen Kinderdieb als sadistischen Psychopathen, der die Kinder in Gefangenschaft hält, bis sie ein bestimmtes Alter erreichen. Danach … tja. Adieu, grausame Welt.

8. Bait
Ein kurzes Gedicht, wohl aus der Sicht der Schneekönigin. Es bleibt nicht viel davon hängen, aber wenigstens ist es nicht so entmutigend wie die meisten anderen Geschichten in dieser Anthologie.

9. Boar & Apples
Diese Nacherzählung von Schneewittchen dürfte wohl das längste und am besten ausgearbeitete Stück der Anthologie sein. Die böse Königin ist in der Tat böse, der Spiegel allerdings auch und die Abläufe relativ tragisch bis herzlos. Schneewittchen wirkt anfangs ziemlich egozentrisch, entwickelt sich im Laufe der Ereignisse aber zu einer wesentlich sympathischeren Figur. Wenn sich Toad Wordsfür eine Geschichte alleine lohnt, dann ist es wohl diese. Wieder viele desillusionierende Dinge, aber immerhin halbwegs hoffnungsvoll im Ausgang.

10. Odd Season
Da macht der Name dem Gedicht wohl alle Ehre, ich habe einfach keine Ahnung, was mir die Autorin hier mitteilen wollte. Worum ging es noch gleich?

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/t/toad-words

Wundervoll illustrierte und charmante kleine Geschichte

The Fox and the Star - Coralie Bickford-Smith

Fuchs lebt alleine in einem dichten dunklen Wald. Sein einziger Freund ist Stern, den er jede Nacht durch eine kleine Lücke in den Baumkronen sehen kann. Stern ist ein schweigsamer Freund, aber er leuchtet Fuchs treu den Weg und leistet ihm stets Gesellschaft in der Dunkelheit. Doch dann ist Stern auf einmal verschwunden. Fuchs wagt sich aus seinem vertrauten Bau um seinen Freund Stern wiederzufinden.

 

 

All of Fox’s happiness was bound to the flickering light of Star.

 

Also gut. Die Inhaltsbeschreibung verrät es ja schon: Bei diesem Buch handelt es sich unverkennbar um ein Kinderbuch. Warum ich trotzdem zugreifen musste verrät aber vielleicht schon der Blick auf dieses unheimlich schöne Cover, bei dem es doch wirklich schwer ist zu widerstehen. Und mit dem Cover ist es auch eben nicht vorbei, denn die Innenillustrationen vermögen mit einer ebenso schlichten Ästhetik und nur drei Farbtönen ebenso zu begeistern.

Illustratorin und Autorin dieses Werks ist Coralie Bickford-Smith, die auch für zahlreiche Buchcover des Penguin Verlags verantwortlich ist. Mit The Fox And The Star erhält sie nun die Möglichkeit ihre einmalige Kunst ins Zentrum der Erzählung zu stellen und ich muss gestehen, ich kann mich an diesen zauberhaften Illustrationen nicht satt sehen. Kinderbuch hin oder her, dieses Buch ist für Erwachsene genauso geeignet wie für Kinder, zumindest wenn man sich an guter Kunst erfreuen kann. Die wuseligen Illustrationen strotzen nur so vor Leben und sind mindestens so herzerwärmend wie die in wenigen Sätzen erzählte Geschichte selbst.

Abgesehen davon, dass wir es hier mit einer seltenen Augenweide zu tun haben ist The Fox And The Star einfach ein charmantes kleines Buch über Freundschaft, Verlust und den Mut sich seiner Angst zu stellen. Zugegeben, für einen Erwachsenen bietet die Geschichte nun natürlich nicht die große Spannung und ist im Nu ausgelesen. Hier und da möchte man auch ein wenig kritisieren, aber wer ein richtig schönes Kinderbuch mit einer süßen Geschichte sucht, der braucht dieses Büchlein.

Fox and the Star von Coralie Bickford-SmithFox and the Star von Coralie Bickford-SmithFox and the Star von Coralie Bickford-Smith

 

 

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/f/the-fox-and-the-star

Es hatte so gut angefangen ...

The Moon King - Neil Williamson

Glassholm, die Stadt unter dem Mond, hat ein Problem. Vor fünfhundert Jahren hat der Lunane den Mond eingefangen und damit die Entstehung von Glassholm ermöglicht. Doch nun scheint seine Macht zu schwinden. Das Gleichgewicht gerät immer öfter ins Wanken, ein Mord geschieht zur völlig falschen Zeit des Monats und es bahnt sich eine Rebellion an. Eines Morgens erwacht Anton im Palast des Lunane und jeder will ihm einreden, dass er der König von Glassholm sei. Die Reaktionen der Menschen scheinen die Behauptung zu bestätigen, doch Anton hat berechtigte Zweifel.

 

 

While the moon grows fat, we’re happy
While the moon grows thin, we cry
When the moon shines Full, we’ll party
And when Dark Day comes, we hide
For we are the people of the moon, the people of the moon are we.
This has been our way since the Founding days, and ever now shall be.
– (Popular Song)

 

In Sachen Weltenaufbau hat sich der Autor für sein Debütwerk etwas spannendes ausgedacht. Die Menschen von Glassholm reagieren sehr stark auf die Mondphasen. Zu Vollmond sind sie überglücklich, feiern ausschweifend und freuen sich des Lebens als wären sie auf Droge. Das geht so weit, dass sie am nächsten Morgen manchmal nicht mehr wissen, was sie in der Vollmondnacht getrieben haben. Auf der anderen Seite steigen Depression und Gewaltbereitschaft, sobald es auf den Neumond zu geht.
Daneben ist auch der technische Schnickschnack spannend. Es wirkt alles so, als wäre Glassholms Entwicklung irgendwo zu Beginn der Industrialisierung stehen geblieben. Nicht ganz Steampunk, aber doch recht nah dran. Hier kommt dann noch eine Prise Magisches dazu. Ein körperloser Verstand der Besitz von anderen Menschen ergreifen kann, Kinder, die nur aus Wasser, Muscheln und Seetang gemacht sind, Äffchen die das Glück verteilen und natürlich die Wirkung des Mondes selbst. Es ist ein Balance-Spiel das bis ins Extrem getrieben wird. Die Welt von Glassholm ist eine interessante Mischung aus altmodischen Maschinen und sagenhafter Phantasiegestalten.
Nachdem mich diese Eindrücke überzeugt und im ersten Viertel in erwartungsvolle Euphorie versetzt haben, kam aber nach und nach die Ernüchterung.

Es beginnt damit, dass die zahlreichen Rechtschreibfehler in The Moon King irgendwann einfach unglaublich nerven. Es geht da nicht nur um einzelne ausgelassene oder verdrehte Buchstaben, sondern um gänzlich fehlende Worte oder gar Wortverwechslungen. Wenn da in einem Satz zum Beispiel »ground« statt »groaned« steht, dann unterbricht das sehr zuverlässig den Lesefluss, weil man erst einmal verwirrt überlegen muss was gemeint ist. Damit alleine könnte man sich womöglich abfinden, wenn der Rest zu begeistern wüsste, doch so richtig kommt die Geschichte nicht in Gang, denn auch die Charaktere bieten einem keinen Halt.

Es gibt drei Hauptfiguren aus deren Perspektive die Geschichte abwechselnd erzählt wird: Erfinder Anton, Künstlerin Lottie und Polizist Mortlock. Obwohl sie alle interessant starten wird es im Verlauf schwierig mehr in ihnen zu sehen als dünne Worte auf dem Papier. Vor allem das Konzept des Lunane, des Königs von Glassholms, hätte großartig werden können, doch sein Umgang mit Anton macht ihn bald sehr unsympathisch und seine Entscheidungen sind stark konstruiert auf Kosten der Glaubhaftigkeit. Man kann das leider nicht näher erklären ohne dabei zu spoilern, darum nenne ich lieber keine Details, aber insbesondere am Schluss kann man dann wirklich nur noch den Kopf schütteln.

Als nächstes wäre da Lottie, die zur Heldin des Romans hätte werden können, wenn sie nicht mitten drin ihre bis dahin gezeigte Unabhängigkeit völlig vergessen würde und Hilfe bei ihrer Mutter suchen würde, die Lottie bisher verachtet hat, weil sie das fanatische Oberhaupt eines Blut-Kultes ist. Es ist sehr unglaubhaft, dass Lottie in ihrer Lage ausgerechnet dort Hilfe sucht, wo doch das zuvor geschilderte Verhältnis von Mutter und Tochter so gar keine Basis dafür liefert. Die ganze Episode die dann folgt ist bestenfalls abstoßend zu nennen, es sei denn man steht auf eine Menge (Menstruations-)Blut. Bei aller Liebe für einen offenen Umgang mit dem weiblichen Zyklus, solche Beschreibungen wie hier erzeugen eher ekel vor dem Thema und bauschen das Negative auf, das ohnehin in den Köpfen vieler Menschen verankert ist. Von der völlig realitätsfernen, demütigenden, unterdrückenden Vorgehensweise der Anhängerinnen dieses Kultes will ich gar nicht erst anfangen. Nach den Schilderungen hat Frau erstmal Lust ein ordentliches Schaumbad in einem weiß gefliesten Badezimmer zu nehmen…
Zum Schluss bleibt noch Polizist Mortlock, der den Mörder einer Kollegin suchen soll. Mortlock startet als ausgebrannter Cop-Noir mit der üblichen dunklen Vergangenheit und schon ein paar Seiten später werden einem die Hinweise in Leuchtschrift vorgesetzt, so dass hier nicht mehr viele Geheimnisse bleiben. Sein weiteres Tun kommt dann auch nicht überraschend. Tja, noch so ein Ding das für sich allein genommen nicht weiter tragisch gewesen wäre, in Kombination mit den restlichen Mängeln für das Buch aber ein weiterer Spatenstich ins eigene Grab wird.

The Moon King beginnt also spannend und endet frustrierend. Die tollen Ideen die sich am Anfang abzeichneten wurden gerade zum Schluss hin völlig vermurkst. Ich wollte das Buch wirklich mögen, weil der Anfang so vielversprechend war und die Stadt bzw. die Insel mit ihren Eigenarten wunderbar gezeichnet wurde. Doch was Handlung und Figuren angeht bleibt einfach nicht viel von der ersten Begeisterung übrig. Es ist auch letztlich nicht klar, wie es dann zu dem Ende gekommen ist, weil es keine echte Entwicklung dahin gibt. Plötzlich werden einem irgendwelche neuen Tatsachen um die Ohren gehauen die auch hinterher nicht logisch nachvollziehbar sind. In der Regel ist es ja toll, wenn einen ein Autor zu überraschen vermag, so allerdings war es nicht nur eine Überraschung sondern ein genervtes »Hä?«, das den Schluss von The Moon King ausmacht. Schade. Trotz Nominierung für zwei Buchpreise gibt es von mir leider keine Leseempfehlung.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/m/the-moon-king

Frohe Ostern, liebe Buchratten!

Frohe Ostern Scherenschnitt

Ich poste mal nahezu kommentarlos ein Bild und wünsche euch ein paar frohe Festtage. Füße hoch, Buch raus! :D

Quelle: http://www.saje-design.de/2016/03/10/scherenschnitt-ostern