Gute Fee gefangen zwischen Bürokratie und Millenial-Zicken

Tread Lightly - Catherine Lane

Claire hat es nicht leicht in ihrem Job als gute Fee. Vorbei sind die einfachen Zeiten, als man ein Mädchen bloß mit dem richtigen Prinzen verkuppeln musste. Die Frauen des 21. Jahrhunderts dagegen haben allzu oft kein Interesse daran von einem Prinzen gerettet zu werden. Aber was will man machen, wenn sich die Welt zwar weitergedreht hat, der Arbeitgeber dagegen noch immer an dem eingestaubten Regelwerk von vor 600 Jahren festhält? Gelangweilt und mitunter genervt erfüllt Claire ihre Pflicht und kümmert sich um die verzogenen Biester, die lieber mit ihr diskutieren als pünktlich auf dem Fest zu erscheinen. Claires neuer Fall dagegen wirkt zunächst vielversprechend. Blöderweise ist Tamiel, Konkurrenz aus Reihen der Schutzengel, auch schon vor Ort, um sich den neuesten Schützling unter den Nagel zu reißen. Noch bevor Claire die Chance hat auf Tamiels Anwesenheit zu reagieren, taucht ein Dämon auf und das Chaos bricht aus.

Claire pointed Carothann at a cockroach darting around the fridge. It instantly straightened up into a lanky man decked out in a chauffeur’s hat and coat. Normally she would have chosen the more reliable spider in the opposite corner, but roaches were fast drivers, and Abby was getting later by the second.
– Chapter 1


Sie begegnen uns immerzu als charmante Randfiguren in Märchen: die guten Feen, die ihren Zauberstab schwingen um aus Kürbissen goldene Kutschen zu machen und aus Lumpen festliche Ballkleider. In Tread Lightly allerdings wird die gute Fee zur Hauptfigur vor der Kulisse des 21. Jahrhunderts, und das ist eine mitunter urkomische Sache. Denn der Feminismus hat das Geschäft mit den Traumprinzen ganz schon leiden lassen und statt Dankbarkeit erhalten die Feen Forderungen nach Designerkleidern und dem neuesten iPhone. Noch dazu schnappen die konkurrierenden Schutzengel den guten Feen immer öfter die Schützlinge unter der Nase weg und sorgen damit für schlechte Erfolgsquoten im Feen-Büro. Das klingt nicht nur so als ob es amüsant sein könnte, Tread Lightly ist tatsächlich mehr als einen Lacher wert!

Der Weltenbau in dieser kurzen Geschichte allerdings ist simpel. Er lebt vor allem durch Claires Wahrnehmung ihrer Umwelt und der Schilderung ihrer Arbeit. Das FGC (Fairy Godmother Council) ist der Bürokratie anheim gefallen und für jeden Schwung mit dem Zauberstab gilt es mindestens ein Formblatt auszufüllen. Das nimmt dem Leben als Fee durchaus den Spaß an der Sache und die inkompetente Chefin macht es auch nicht besser. Claire hat einst die größten Liebesgeschichten mitgeschrieben. Von Cinderella über Sleeping Beauty bis hin zu Kate Middleton, hat sie die perfekten Liebespaare zu einem glücklichen Ende geführt, doch ihr eigener Alltag ist ziemlich dröge und glanzlos geworden. Erst als sie mit Schutzengel Tamiel aneinander gerät, kommt wieder Schwung in ihr Leben.

Tamiel ist ein Engel deren Zunge ebenso scharf ist wie das brennende Schwert in ihrer Hand. Claire hat Vorurteile gegenüber dem Engel, bringt man den Feen doch in speziellen Schulungen bei, dass die GA (Guardian Angels) Gedankenkontrolle beherrschen und ihnen nicht zu trauen ist. Entsprechend vorsichtig ist Claire Tamiel gegenüber. Aufgrund der Umstände sind Engel und Fee nun aber gezwungen zusammenzuarbeiten, was vor allem Claire klarmacht, wie wenig sie eigentlich von der Welt weiß und wie blind sie den Aussagen des FGC vertraut hat. Kaum etwas ist so wie es scheint in Tread Lightly.
Im Grunde geht es hier normalerweise locker zu, das Büchlein beschäftigt sich aber auch mit blindem Vertrauen, angelernten Vorurteilen und der Überwindung solcher.

Tread Lightly ist ein flotter, humorvoller Lesestoff mit teils erotischen oder absurd witzigen, aber eindeutig Erwachsenen Szenen. Entsprechend ist diese Kurzgeschichte nicht für Kinder geeignet. Der Weltenbau kommt dabei etwas kurz, hier und da hätte die Handlung etwas mehr Ausarbeitung vertragen, und gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse. Wer aber leichte Unterhaltung und Heiterkeit sucht, statt epischer Dramaturgie, dem kann ich diese Geschichte nur ans Herz legen. Aus meiner Sicht lohnenswert.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/t/tread-lightly