Moya schaut fern: Barbarella

BarbarellaNeulich war ich auf einer Geburtstagsfeier und eine Freundin überreichte mir im Laufe des Abends ihre Blueray-Disc mit dem undurchsichtigen Titel Barbarella. Vereinzelt war mir der Titel schon über den Weg gelaufen, aber was ich da nun genau in den Händen hielt war mir ein Rätsel. Nach vollzogener Sichtung wurde ich schließlich von zwei Gedanken heimgesucht:

1. Was zur Hölle habe ich mir da gerade angesehen?
2. Warum war das eigentlich so lustig?

Nummer Eins zu beantworten ist recht schnell gemacht: Barbarella, eine Astronautin, bzw. Astronavigatrice, erhält im 41. Jahrhundert vom Erdpräsidenten den Auftrag den vermissten Astronauten und Wissenschaftler Durand-Durand zu finden. Nach einer Bruchlandung auf dem Planeten Lythion muss Barbarella erst einige Hindernisse überwinden, ehe sie den Gesuchten in der Stadt Sogo aufspüren kann. Dabei erlebt sie einige Abenteuer die von unfreiwilliger Komik sind.

(Leider nur auf Englisch gefunden:)




Die Antwort auf Frage Nummer Zwei zu finden ist ein bisschen schwieriger. Das Gesamtwerk ist eindeutig nicht ernst zu nehmen, aber es stellt eine amüsante und runde Sache dar. Barbarella ist ein trashig-spaßiger Science Fiction Film aus dem Jahr 1968 mit dem die junge Jane Fonda offenbar ihren Durchbruch als Schauspielerin machte (was mir bis dato vollkommen unbekannt war). Der Film eröffnet mit einer Szene in der sich Barbarella, in scheinbarer Schwerelosigkeit, aus einem klobigen Raumanzug entblättert – bis hin zur völligen Nacktheit. Zur damaligen Zeit hat das sicher für Aufregung gesorgt, wohingegen ich aus heutiger Sicht eher den genial einfachen Trick bewundere, mit dem die Schwerelosigkeit simuliert wurde. Jane Fondas zeitlupenartige Bewegungen sorgen für eine wirklich überzeugende Illusion. Wen das noch nicht überzeugt der freut sich vielleicht über einen tragbaren Gehirnwellendetektor oder bösartige Zwillingskinder, die gefräßige Puppen auf Barbarella loslassen oder einen blinden Vogelmenschen der ihr den Weg durch ein Labyrinth zeigt und gleichzeitig keine Erinnerungen hat, wie man später erfährt. Logik zu hinterfragen ist also nicht ratsam, aber wer das bei diesem Film tun möchte schaltet besser gleich wieder ab.

Barbarella steckt voller ulkiger Szenen und Einfälle. Interessieren würde mich, ob das nun geplant war oder in die Kategorie »so schlecht, dass es schon wieder gut ist« fällt. Der erste Lacher jedenfalls entschlüpfte mir als ich das vollkommen ausgeflauschte Raumschiff sah. Das ganze Raumschiff ist mit zotteligem Fell ausgekleidet, während die Außenhülle knatschpink erscheint. Der zweite Lacher folgte mit dem Begrüßungsspruch zwischen Barbarella und dem Erdpräsidenten. Wer auch immer sich jemals wieder über meine anhaltende Fangirligkeit zu Sailormoon lustig macht, der kriegt demnächst Barbarellas »Sieg der Liebe« an den Kopf geschleudert. Leider muss man auf eine Verwandlungsszene verzichten, auch wenn man Barbarellas häufig wechselnde Kostümchen irgendwie bewundern muss. Beinahe genauso bewundernswert sind die vielen exotischen Einfälle, mit denen der Heldin die knappen Stoffe ständig vom Leib gefressen werden.

Wenn man sich mal von der besonderen Optik lösen kann, dann bleibt da noch Barbarellas nüchterne Art, die meiner Meinung nach den ganzen Film rettet. Denn es hätte durchaus schnell peinlich werden können, aber Jane Fonda verleiht ihrer Rolle einen so herrlich trockenen Humor, dass ich nicht umhin komme sie irgendwie gut zu finden. Eigentlich ist Barbarella eine Figur die ich, nur ein wenig anders dargestellt, fürchterlich finden würde. Der Film ist wohl eindeutig ein Kind der »freien Liebe« und geht das Thema Sex daher ziemlich locker-flockig an. Gleich zu Beginn stürzt die Heldin z.B. nach einem magnetischen Sturm auf dem Planeten Lythion ab, wo sie von einem unbekannten Mann mit starker Brustbehaarung (mega männlich – uga! uga!) aus den Fängen wilder Kinder befreit wird. Zum Dank, findet er, wäre ein bisschen altmodischer Sex doch ganz angebracht. Barbarella kommt nach einem kurzen Argumenteaustausch schnell zu dem Schluss, dass das durchaus ein freundliches Entgegenkommen wäre (no pun intended). Schwuppdiwupp sehen wir in der nächsten Szene eine fröhlich vor sich hinträllernde und frisch beglückte Barbarella, die von da an nichts anbrennen lässt und recht freizügig Gefälligkeiten dankbar mit Sex vergütet. Red Bull kann nebenbei getrost einpacken, denn hier lernen wir: Sex verleiht Flügel – buchstäblich.
Explizite Einblicke in das körperliche Geplänkel gibt es dabei glücklicherweise nicht, denn das hätte dem Ganzen wohl den schrulligen Witz genommen. Ein bisschen Spießer-Alarm riefen meine Gehirnzellen allerdings aus als unsere Heldin sich dem einzigen lesbischen Annäherungsversuch verweigerte. Zu schade.

Alles in allem musste ich einen Moment darüber nachdenken ob ich den Film nun gut finde oder schlecht. Am Ende ist es aber ersteres geworden, weil sich da einfach zu viele urkomische Klopper die Klinke in die Hand geben, denen ich nicht widerstehen konnte. Es ist noch dazu bunt und die Erfindungen dieser futuristischen Szenerie teilweise herrlich absurd. Wer sich gerne mal trashige Filmabende mit 60er Jahre Filmen macht, dem ist Barbarella wärmstens zu empfehlen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/moya-schaut-fern-barbarella