The Hunger Games

The Hunger Games - Suzanne  Collins

Die 16-jährige Katniss Everdeen lebt in Distrikt 12, einem der ärmsten Bezirke Panems, welches von dem beinahe diktatorisch geführten Kapitol regiert wird. Einmal im Jahr sind die Distrikte verpflichtet per Auslosung jeweils ein männliches und ein weibliches Tribut für die Hungerspiele zu stellen. Ausgelost wird unter allen Bewohner zwischen 12 und 18 Jahren und nur einer der 24 unfreiwilligen Tribute darf die Arena lebendig verlassen. Als das undenkbare geschieht und Katniss kleine Schwester Prim mit gerade einmal 12 Jahren als Tribut gezogen wird, nimmt Katniss deren Platz ein, um Prims sicheren Tod zu verhindern. Auch wenn das ihr eigenes Ende bedeutet.

 

Her first reaping. She’s about as safe as you can get, since she’s only entered once. I wouldn’t let her take out any tesserae.

 

Mit meiner Lektüre von The Hunger Games (Tödliche Spiele) bin ich wohl etwas spät dran. Mir hat bisher der Anreiz gefehlt, der nun durch die Kinofilme kam. Nicht etwa, weil ich die Filme so toll finden würde, sondern weil ich die Grundidee spannend fand, aber nicht so recht rüberkommt, was die Hungerspiele wirklich bedeuten. Der Film hält sich zwar recht nah an die Buchvorlage, aber es wird natürlich vieles weggelassen.

The Hunger Games spielt in einer nicht genau definierten Zukunft, in der Naturkatastrophen und Konflikte die alten USA in 13 Distrikte gespalten haben. Während man Distrikt 13 im Verlauf des letzten Aufstands gegen das Kapitol zerstört wurde, sind die verbliebenen 12 Distrikte nach ihrer Niederlage verpflichtet worden, jedes Jahr Tribute für die Hungerspiele des Kapitols zu stellen. Vierundsiebzig Jahre nach dem Aufstand werden die Hungerspiele noch immer ausgetragen, die Kommunikation zwischen den Distrikten ist verboten und das Kapitol regiert mit eiserner Hand. Es ist eine dystopische Zukunftsversion, deren Grausamkeit in den kleinen Details sichtbar wird. Details die der Verfilmung fehlen und dem Buch deutlich mehr Atmosphäre und Wirkung verleihen.

Die Armut in Distrikt 12 zeigt sich im Buch in vielen kleinen Nebengeschichten und Rückblenden in Katniss Leben. Es hat mich überrascht zu lesen, dass es selbst innerhalb eines so armen Distriktes noch immer Abstufung von arm bis ganz erbärmlich arm gibt und genau das sind die Dinge, die das Buch besser als den Film machen. Wenn man sich ansieht mit wie wenig die Bewohner um ihr tägliches Überleben kämpfen, dann glaubt man kaum, dass es darunter Menschen gibt, die tatsächlich noch weniger haben. In Distrikt 12 gilt ein halb verkohltes Brot noch als glückliche und seltene Delikatesse. Kein Wunder, wenn die tägliche Mahlzeit manchmal für Wochen nur aus gewürztem Wasser besteht. Gerade weil die Menschen hier nun so wenig für sich selbst haben, bekommt jede noch so kleine Geste, jedes noch so geringe Opfer oder Geschenk ein solches Gewicht, dass einen diese hoffnungslose Situation schon auf den ersten Seiten gefährlich nahe an die Tränenzone bringt. Das traurige Highlight wird einem bei der Wahl der Tribute deutlich, die die ganze Grausamkeit und Ausweglosigkeit einer pervertierten Gesellschaftsform verdeutlicht, aus der es kein Entrinnen gibt. Für die Menschen im Distrikt 12 ist klar, dass die ausgewählten Tribute ihres Bezirks im Grunde nur Kanonenfutter sind. Im Gegensatz dazu betrachten es die wohlhabenderen Bezirke 1, 2 und 3 als Ehre und Herausforderung an den Spielen teilnehmen zu können. Nicht verwunderlich wenn man bedenkt, dass die meisten Sieger der Hungerspiele aus diesen Bezirken kommen, wo die Kinder schon früh kämpferisch ausgebildet werden und sich bisher weder um Hunger, Kälte noch Krankheiten Sorgen machen mussten.

Die emotionale Kälte scheint mit dem Reichtum des Bezirks proportional anzusteigen und wird nur übetroffen von der Sensationsgeilheit und dem verschwenderischen Umgang mit einfach allem im Kapitol. Während sich in der Arena Kinder und Jugendliche bis auf den Tod bekämpfen müssen, während ihre Familien und der ganze Distrikt verpflichtet wird zuzusehen, wird im Kapitol ein gewaltiges Medienspektakel aus den Hungerspielen. Es werden Wetten abgeschlossen wer als nächstes stirbt, Sponsoren spenden Hilfsmittel an die Spieler, wenn es das Spiel interessanter machen kann. Es wird gejubelt, gefressen(!) und gefeiert und gekotzt – damit man noch mehr in sich hinein stopfen kann.

Die Idee der Hungerspiele ist freilich nicht ganz neu. Die Gladiatorenkämpfe des alten Rom waren ähnlich aufgebaut und es gibt auch etliche Romane und Verfilmungen die sich mit dem Thema in der ein oder anderen Auslegung beschäftigen. Was The Hunger Games so besonders macht ist wohl, dass hier Kinder ohne Skrupel in den sicheren Tod geschickt werden und die geschilderte Zukunft nicht so hypothetisch oder weit entfernt scheint, wie es sich im ersten Moment anhören mag. Da steckt eine gewaltige Propagandamaschinerie im Hintergrund, der völlig egal ist, wie es den Menschen in den Distrikten ergeht.

Katniss hat im Buch deutlich mehr Persönlichkeit als im Film. Sie ist eine starke junge Frau für die das Wichtigste im Leben die kleine Schwester Prim ist. Katniss musste früh erwachsen werden, um Prim, ihre Mutter und natürlich auch sich selbst, nach dem Tod des Vaters am Leben zu erhalten. Die Autorin beschreibt sehr realistisch, wie aus dem 11-Jährigen Mädchen diese entschlossene Jugendliche werden konnte, die nach außen hin ihre Gefühle und Schwächen verbirgt. Es ist erfrischend mal eine weibliche und jugendliche Romanheldin zu haben, die sich nicht nur Gedanken um hübsche, mysteriöse Jungs macht. Eine Heldin die sich mit störrischer Entschlossenheit durch das Leben kämpft, die sich von nichts unterkriegen lässt, dabei aber nicht ihre Menschlichkeit aufgibt. Ich habe ihre Gedanken über die Zukunft und ihre stille Rebellion als sehr interessant und teilweise auch bedrückend empfunden, weil es absolut nachvollziehbar und verständlich ist.
Peeta, Katniss’ männlicher Partner bei den Spielen, ist interessanterweise die Figur, die den emotionalen Aspekt in diesem Buch beisteuert. Peetas Stärke liegt nicht im Kampf. Seine Stärke ist sein Mitgefühl für andere. Peetas Güte ist es auch, die Katniss immer mal wieder überrascht. Außerdem hat er ein Talent dafür die Kameras zu erfreuen, er weiß mit ihnen zu spielen und sie zu manipulieren. Während Katniss eindeutig eine Kämpferin ist, besitzt Peeta Charisma der ihnen beiden Pluspunkte verschafft. Es ist interessant, diese Rollenverteilung zu sehen, die im echten Leben öfter vorkommt, als man glauben mag. Beide Charaktere können daher ihre Glaubwürdigkeit bewahren und wirken erfrischend zeitgemäß.

Fazit:
The Hunger Games hat mir ein ganzes Stück besser gefallen als die Verfilmung, auch wenn es mir zum Ende hin ein wenig langatmig erschien. Das ist allerdings nur ein kleiner Mangel neben vielen bewegenden Ereignissen, einer erschreckenden Propagandamaschinerie, gelungenen Charakteren und ernsthaften Themen. Daher eine klare Leseempfehlung für Freunde dystopischer Zukunftsvisionen, die es leid sind Teenager immer nur als liebeskranke Romantiker innerhalb einer dünnen Alibihandlung zu sehen.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/h/the-hunger-games