Vergesst Gravity, schaut Interstellar!

Interstellar: Filmposter

Matthew McConaughy als Retter der Welt? Klingt komisch, ist aber so. Nämlich im neuen Christopher Nolan Science-Fiction Epos Interstellar. Nachdem ich vorab unglaublich viel Lob zu Gravity gehört hatte und dann entsetzlich enttäuscht war von diesem unfassbar langweiligen Film mit einer idiotischen Szene von George Clooney an der Leine, habe ich Interstellar eigentlich nichts zugetraut. Auch der Trailer überzeugte mich eher davon zuhause auf der Couch zu bleiben, als dafür ins Kino zu dackeln. Welch ein Glück, dass ich mich doch aufgerafft habe!

Matthew McConaughy spielt den verwitweten Familienvater Cooper, der eigentlich Ingenieur sein wollte und einst Testpilot für die NASA war, nun aber als Farmer Felder bestellt – so wie fast alle Menschen, denn Denker und Forscher werden nicht mehr gebraucht. Alles was zählt ist der Anbau von Nahrungsmitteln.

Wir befinden uns in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der eine Lebensmittelknappheit und ein Sterben der wenigen verbleibenden Getreidesorten herrschen. Sandstürme fegen über die Welt, hinterlassen ihren feinen Staub in jeder Ritze und jedem Winkel und verursachen Atemwegserkrankungen. Die Erde ist um ihre Ressourcen ausgebeutet und stirbt – und mit Ihnen die Menschheit.

Cooper, der sich nach größerem sehnte als danach Farmer zu sein, entdeckt mit seiner Tochter Murph nun eine Gravitationsanomalie mitten im Zimmer des Mädchens, welche sie geradewegs zur letzten verborgenen Festung der totgeglaubten und geheim gehaltenen NASA führt. Ehe Cooper sich versieht wird er als Pilot des Raumschiffs Endurance rekrutiert, um nichts geringeres zu schaffen, als ein Wurmloch zu durchqueren, einen bewohnbaren Planeten in einer fremden Galaxie zu finden und damit die Menschheit vor dem Aussterben zu bewahren. Sein Aufbruch ist dabei nicht der eines Helden, sondern der eines Vaters, der seine Kinder zurücklässt ohne die Gewissheit, ob er zurückkehren kann. Das sorgt für emotional fordernde Momente, die richtig tief an die Nieren gehen. Das ist eben auch eine der größten Stärken des Films, würde ich behaupten. Er macht tieftraurig und gleichzeitig wahnsinnig glücklich.

 

Man muss wohl sagen, Interstellar ist einer dieser Filme, die man nur lieben oder hassen kann und es ist interessant zu sehen, auf welche Seite man selbst gehört. Ich gehöre glücklicherweise zu den ersteren und bin auch einen Tag später noch ganz geflasht von dem Film.

Der Plott ist im Grunde simpel und wohl bekannt und doch ist die Erzählung so gut gelungen, dass man sich diese alte Geschichte unheimlich gerne ansieht. Interstellar ist einfühlsam und spannend, gleichzeitig aber auch unaufgeregt und emotional erschütternd. Mir fällt es schwer das Ganze in Worte zu fassen und seit ich den Film gesehen habe, wundert mich auch nicht, dass der Trailer völlig als Lockmittel versagt. Man kann die ganze Bandbreite dieses Films einfach nicht in ca. 60 Sekunden wiedergeben.

 
Interstellar: Nach dem Sandsturm

Nolan hat darauf verzichtet ein reines Actionspektakel abzudrehen und setzt stattdessen, neben beeindruckenden Bildern, auf menschliches Drama und auf allzu mögliche Gefahren, die uns bei der umweltfeindlichen Haltung heutzutage, vielleicht eines Tages bitter bestrafen werden. So empfinde ich den Film aufgrund seiner zugrundeliegenden Ausgangsthematik auch als in sich realistisch, trotz der grundsätzlichen Problematik von Zeitreisen und angewandter Relativitätstheorie. Die logische Auflösung des Zeitphänomens hakelt also wie immer, allerdings gehöre ich zu den Leuten die der Meinung sind, dass man nicht versuchen darf Logik in Zeitreisen zu finden. Manchmal muss man Dinge einfach hinnehmen und genießen. ;)

Interstellar: Gargantua und Millers Planet

Zu genießen gibt es dann wie gesagt viele großartige Bilder eines weiten Weltraums, bei denen man sich winzig und unbedeutend vorkommt. Die Realisierung der fremden Planeten ist einerseits simpel und gleichzeitig beeindruckend mit einer Welt bedeckt von Wasser und einer anderen ganz und gar gefroren, von der Erdkruste bis hin zu den Wolken. Die Schauspieler, allen voran Matthew McConaughy, Anne Hathaway, Michael Caine und Mackenzie Foy (die junge Murph), machen ihre Sache großartig und für die Roboterfans gibt es noch TARS, KIPP und CASE – (zum Teil) auf Humor programmierte und erst einmal klobig wirkende Roboter, bei denen ich das starke Gefühl habe, das funktionale Konzept schon einmal irgendwo gesehen zu haben. Falls mir jemand auf die Sprünge helfen kann, los!

 

Überrascht war ich übrigens von der ebenfalls herrlichen Musik. Mit Hans Zimmer stehe ich seit einer Weile eher auf Kriegsfuß, weil sich zuletzt alles von ihm gleich anhörte. Der Soundtrack zu Interstellar ist dagegen endlich mal wieder etwas abwechslungsreicher und landet direkt in meiner Soundtracksammlung.

 

Mein Fazit lautet also:

Unbedingt ansehen! Trotz ein paar vorhandener Klischées und einer alten Geschichte im neuen Kleid, ist Interstellar für mich einer der beeindruckendsten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Ich glaube zuletzt hat mich nur Cloud Atlas ähnlich durchgerüttelt.

Quelle: http://moyasbuchgewimmel.de/moya-schaut-fern-interstellar